Die Eisheiligen

Bisher (oder sollte man besser "früher" sagen?) geschahen jeweils in der zweiten Maidekade bei Nord-Wetterlagen Kaltlufteinbrüche durch die Zufuhr arktischer Polarluft mit Schnee, Hagel, Graupel nach Mitteleuropa, die die Blüten bereits blühender Bäume und Blumen erfrieren ließen. Deshalb wurde in der Vergangenheit für den Zeitraum 11. bis 15. Mai der Begriff "Eisheilige" geprägt.

Die Wetteraufzeichnungen besagen, dass die Kaltlufteinbrüche der zweiten Maidekade in Mitteleuropa in der nahen Vergangenheit des 19. und 20. Jahrhunderts häufiger und intensiver eingetreten sind als in der Gegenwart. 

In Norddeutschland gelten die Tage vom 11. bis 13. Mai als Eisheilige (Mamertus, Pankratius und Servatius). In Süd- und Südostdeutschland spielt Mamertus kaum eine Rolle. Grund dafür ist, dass das Wetter für seinen Weg von Nord nach Süd einen Tag benötigt. Dafür zeigen in Süd- und Südostdeutschland noch Bonifatius am 14. Mai und die kalte Sofie am 15. Mai oftmals noch ihre frostigen Auswirkungen.

Die Schafskälte

Hatte sich sich den Eisheiligen überall in Deutschland der Frühling oder sogar schon ein herrlich warmer Sommer breit machen können, gab es meist Mitte Juni durch eine erneute Zufuhr kalter polarer Luft einen Kälterückfall. Deshalb wurden die Tage zwischen dem 10 und 12. Juni auch als "Schafskälte" bezeichnet. Mit diesem Begriff will eine alte Bauernregel an die frisch geschorenen Schafe erinnern, denen der plötzliche Kälteeinbruch gefährlich werden kann, weil sie ihr Fell bei Temperaturen von plus fünf bis plus zehn Grad nicht schützt. Die Schafskälte ist von empfindlich kühlen, wechselhaften und oft auch regenreichen Tagen geprägt.

Meteorologen nennen die Schafskälte auch "Monsunwelle", weil sie ein wenig mit dem indischen Sommermonsun vergleichbar ist. Lesen Sie auch "Die Geschichte der Wetterkunde und -vorhersagen".

Der Siebenschläfertag

Der 27. Juni wird als "Siebenschläfertag" (nicht zu verwechseln mit dem possierlichen Tierchen aus der Familie der Bilche; gemeint ist die Heiligenlegende aus dem Christentum und dem Islam der sieben Schläfer aus Ephesus) bezeichnet. Nach den Bauernregeln und dem 100-jährigen Kalender des Abtes Mauritius Knauer aus dem Kloster Langheim bei Lichtenfels soll das Wetter die nächsten sieben Wochen so sein wie am 27. Juni. Von 1649 bis 1664 hatte Knauer das Amt des Abtes inne.

Nach der Kalenderreform des Papstes Gregor der XIII. im Jahr 1582 lehnten die Protestanten diesen Kalender ab, weil sie nicht "papstgläubig" waren. Nach der Übernahme dieses Kalenders mit leichten Veränderungen beim Reichstag in Regensburg durch die protestantischen deutschen Territorien galt der gregorianische Kalender ab 1699 – also nach Knauers Schaffenszeit - in ganz Deutschland.

Durch die Kalenderreform fällt aber seitdem der Siebenschläfertag nicht mehr auf den 27. Juni, sondern auf Anfang Juli. Die Meteorologen bescheinigen dennoch zwischen dem 27. Juni und dem 8. Juli besonders dem Süden Deutschlands eine Großwetterlage, die die Treffergenauigkeit der Siebenschläferregel auf zwischen 62 und 70 Prozent festlegt.

Nachsatz

Wenn auch die Bauernregeln "nur Ungefähres" widerspiegeln, so liegt in Ihnen dennoch viel Wahres.

Auf eine Bauernregel ist aber immer Verlass: Wenn Sie am 4. Dezember, dem Tag der Heiligen Barbara, einen Ast vom Obstbaum abschneiden und ins Wasser stellen, so wird er (fast) genau Heiligabend erblühen.

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