Erster Akt: Sieben Sendschreiben, sieben Posaunen, sieben Siegel

Ungefähr die Hälfte der gesamten Offenbarung befasst sich mit dem Blick auf die Weltgeschichte. In drei großen Abläufen wird sie unter verschiedenen Blickwinkeln betrachtet:

  • Die sieben Sendschreiben befassen sich mit der geistlichen Entwicklung des Christentums bis zur heutigen Zeit.
  • Die sieben Siegel betrachten die Weltgeschichte unter dem Gesichtspunkt, wie Politik und Wirtschaft die Religion beeinflussen. Die (durch ein Bild Albrecht Dürers bekannt gewordenen) vier apokalyptischen Reiter tauchen in diesem Szenarium auf.
  • Die Vision der sieben Posaunen wiederum zeigt militärische Entwicklungen und ihren Einfluss auf den christlichen Glauben. Dazu machte der amerikanische Prediger Josia Litch 1838 eine erstaunliche Vorhersage: Er kündigte die Entmachtung des Osmanischen Reichs für den 11. August 1840 an. Tatsächlich verlor das türkische Großreich an diesem Tag seine politische Eigenständigkeit. Josia Litch hatte eine Zeitangabe aus Kapitel 9 der Offenbarung berechnet. Er stützte sich dabei auf das biblische Jahr-Tag-Prinzip: Ein Jahr ist für Gott wie ein Tag (4. Mose 14,34 / Hesekiel 4,6).

Nach diesem Grundsatz wurden und werden von Bibelauslegern viele prophetische Zeitketten erstellt, um bestimmte Termine vorherzusagen. Eine einseitige Orientierung darauf hat jedoch schon oft zu falschen Schlussfolgerungen verleitet. Beispiele dafür sind die mehrfach errechneten Endzeittermine der Zeugen Jehovas oder die Große Enttäuschung von 1844.

Zwischen diesen drei Visionen wird dem Leser außerdem ein Blick in das himmlische Untersuchungsgericht gewährt. Erwähnung finden zudem 144 000 Gläubige. Die Zahl wird oft symbolisch verstanden (Vollzahl zwölf mal Vollzahl zwölf mal Vielzahl 1000), von einigen Christen jedoch auch wörtlich ausgelegt. Symbolische Zahlen finden sich mehrfach in der Bibel. Die oben beschriebenen Geschichtsabläufe werden beispielsweise durch die als heilig geltende Zahl Sieben unterteilt.

Zweiter Akt: Die Offensive antigöttlicher Mächte

Noch bevor die letzte Vision von den sieben Posaunen ganz beendet ist, entsteht im elften Kapitel der Offenbarung ein neues Szenario, welches sich bis zum Kapitel 13 erstreckt. Es zeigt Strategien auf, wie der Gegenspieler Gottes biblische Botschaften bekämpft: Durch gewaltsame Unterdrückung und durch das Aufkommen neuer Ideologien oder Philosophien. Menschen, die solchen Ideen nicht folgen, wird eine schwere Zeit vorhergesagt. Sie sind in ihrer wirtschaftlichen und physischen Existenz bedroht. Diese Bedrohlichkeit wird mit den Aktivitäten eines Drachens sowie zweier fürchterlicher Tiere beschrieben. Gerade die mittelalterliche Inquisition oder die Diktaturen und Ideologien der letzten 200 Jahre bieten da viel Interpretationsspielraum. Doch auch hier ist natürlich wieder Vorsicht bei der Identifizierung der Symbole geboten. Das zwölfte Kapitel zeigt zudem den himmlischen Kampf zwischen Gut und Böse auf, der mit der Niederlage des "Drachens" endet. Von da ab stehen die Vorgänge auf der Erde im Mittelpunkt des Konflikts.

Die drei Engelsbotschaften in Offenbarung 14

Für diesen Kampf um die Menschheit, in dem sich jeder für eine Seite entscheiden muss, stellt Gott sein "Endzeitprogramm" vor. Johannes erblickt dies in Form dreier Engel, die jeweils eine Botschaft verkünden.

  • Der erste Engel ruft dazu auf, Gott anzubeten und kündigt das Gericht an.
  • Die zweite Engelsbotschaft spricht davon, dass die große Stadt Babylon gefallen ist, obwohl sie alle Völker verführt hat. Babylon wird allgemein als scheingöttliche oder widergöttliche Macht angesehen.
  • Der dritte Engel schließlich bezieht sich auf eines der beiden Tiere aus dem obigen Abschnitt und warnt davor, es anzubeten.

Dritter Akt: Plagen und Endgericht

Die Szenarien der folgenden Kapitel beziehen sich in ihrer Symbolsprache auf diese drei Engelsbotschaften. In einem gigantischen Konflikt treten die Gegensätze zwischen Gut und Böse deutlich hervor. Bisher ungeahnte Plagen und Katastrophen erschüttern die Welt. Scheinbare Sicherheiten, Macht und Reichtum verflüchtigen sich rasant schnell. Die bisher Unterdrückten hingegen haben Grund zur Freude, denn der Kampf entscheidet sich zugunsten der göttlichen Seite. In einem letzten Gericht wird alles Böse entfernt, sein Urheber vernichtet.

Schlussakt: Der Neuanfang

Nach diesen bewegenden Ereignissen zeichnet die Offenbarung in Kapitel 21 ein völlig anderes Bild. Frieden kehrt ein. Ein neuer Himmel und eine neue Erde erscheinen. Leid, Schmerzen und Tod existieren nicht mehr. In farbenprächtigen Bildern wird das "neue Jerusalem", eine herrliche, heilige Stadt, geschildert.

Offenbarung 22, das letzte Kapitel der Bibel, führt diesen Gedanken noch kurz fort und verweist anschließend darauf, dass die Weissagungen der Offenbarung wahr sind. Dem Leser wird eindringlich empfohlen, dieses Buch zu beherzigen. Außerdem ergeht an alle die Warnung, diesen Weissagungen nichts hinzuzufügen und auch keine Kürzungen vorzunehmen.

Autor seit 5 Jahren
157 Seiten
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