Gestatten, man nennt mich "Spatz"

Haussperling (Bild: Michael Lamberty / Flickr)

Der "Hausspatz" und der "Feldspatz" und ihre Familie

Die Sperlinge, Passeridae, sind eine Familie der Singvögel. Es gibt insgesamt elf Gattungen mit 36 Arten. Die beiden uns bekannten Spatzen gehören zur Gattung Sperlinge, Passer.

Die eher kleinen Singvögel sind hauptsächlich körnerfressend (Unterschied Haus- und Feldsperling). Die Nahrung der Nestlinge muss eiweißreich sein und besteht vorwiegend aus Insekten. Ihr kräftiger Schnabel deutet bereits auf den Körnerfresser deutlich hin. Ihr Gefieder ist graubraun und eher unspektakulär. Die meisten Arten sind gesellig und deshalb identifizieren wir die Anwesenheit von Spatzen am ehesten durch ihr Gewisper, Gezwitscher, Tschilpen, verborgen im Laub von Sträuchern oder Bäumen.

Hier folgen wir vor allem den Spuren von Haus- und Feldsperling, vulgo "Spatz" genannt.

*Sperlinge Wikipedia

In Deutschland war der Haussperling im Jahre 2002 Vogel des Jahres.

 

Gesellig im Schwarm

Gesellig im Schwarm (Bild: splongo / Pixabay)

Haussperling, Hausspatz

Haussperling, Hausspatz, Passer domesticus ... er ist der wahrscheinlich häufigste Vogel weltweit, der dem Menschen echt auf den Fersen klebt. So ist es nicht verwunderlich, dass ein Großteil der Hausspatzen mit dem Menschen in die Stadt gezogen ist. In der Stadt fühlt er sich fast wohler als in den Dörfern. Ob er sich da an Imbissbuden als Nahrungslieferant hält, im Sommer die anliegenden Bäume bei Cafés bevölkert; es gibt für ihn Nahrungsreste genug. Herr und Frau Hausspatz sehen übrigens nicht gleich aus; das nennt sich Geschlechts- oder Sexualdimorphismus. Herr Hausspatz (rechts) hat die kräftigeren Farben, Frau Spatz (links) trägt feinere Zeichnungen an Kopf und Gefieder.

Wieso folgte der Hausspatz dem Menschen in die Stadt?

  • Eine Theorie, die mir persönlich besonders gut gefällt, lautet: Er folgte nicht dem Menschen, sondern den Pferdeäpfeln. Keine Nahrungsquelle war für den Körnerfresser Hausspatz verlockender als ein Pferdeapfel mit halbverdauten Haferkörnern, die man genüsslich herauspicken konnte. Aus diesem Grund folgte der Spatz dem Pferd, erst dem Ackerpferd, später in der Stadt allerdings dem Transportmittel (Pferdedroschke). Erhärtet wird diese Theorie dadurch, dass als Zugpferde aus dem Stadtbild verschwanden, ein großer Schwund bei den Hausspatzen einsetzte. Aber der Spatz wäre kein Überlebenskünstler, hätte er nicht dafür eine Lösung gefunden. Statt Pferdeknödel setzte der Spatz einfach Pizza und Pommes auf die Speisekarte und damit erholte er sich rasch wieder.

Sperlinge sind eine tolle Truppe

  • Niemand hält so wie Pech und Schwefel zusammen, wie ein Spatzenschwarm. So konnte beobachtet werden, dass ein Spatzenjunges beim ersten Flugversuch vom Dach in eine Regenrinne trudelte. Vergebens versuchte es auf der glatten Rinne den Rand zu erreichen. Was machten die Mitglieder des Schwarms? Untätig zusehen? Ihm Ratschläge zuzwitschern? Falsch. Sie pfiffen sich zusammen und gemeinsam mit den Spatzeneltern füllten sie die Rinne mit Blättern, Zweiglein und Stroh, bis der kleine Piepmatz den Rand sicher erklimmen konnte und von dort seinen nächsten erfolgreichen Flugversuch startete.

Wo überall ist der Haussperling zu Hause?

  • Der Ursprung wird im mittleren Osten vermutet. Von dort folgte er dem ackerbauenden Menschen vor etwa 7.000 Jahren nach Europa. Sein heutiges Verbreitungsgebiet jedoch lautet von Feuerland bis Sibirien, ob Afrika oder Indien, Amerika oder Australien oder auf den exotischsten Inseln ist der Hausspatz mittlerweile zu Hause. So kommt der Haussperling beispielsweise in weiten Teilen Nordamerikas vor, nachdem europäische Siedler ihn dort gezielt eingeführt haben. Auch in Australien und Neuseeland ist der Haussperling mittlerweile weit verbreitet.

 

Feldsperling, Feldspatz

Feldspatz (Bild: harnvi / Pixabay)

Der Feldsperling

Der Feldsperling, Passer montanus, ja die Lateiner unter uns werden gleich anmerken "montanus" heißt ja eigentlich Berg und nicht Feld, das müsste ja campestris heißen. Aber bitte, nicht kleinlich sein. Er ist etwas kleiner und zarter als der Haussperling. Beide Geschlechter sind gleich gefärbt, Oberkopf und Nacken braun, ein schwarzer Kehllatz, weiße Backen, ein schwarzer Fleck am Ohransatz.

  • Feldsperlinge sind Höhlenbrüter und übernehmen auch gerne verlassene Höhlen von Spechten.
  • Im Gegensatz zum Haussperling folgt er dem Menschen zwar bis in die Dörfer, aber die Stadt ist ihm nicht geheuer. Dörfer mit reichlich Büschen und Nistmöglichkeiten sind ihm willkommen.
  • Feldsperlinge sind Allesfresser und bevorzugen Mischkost - gleiche Anteile an Körnern und Insekten, Maden, Spinnentiere, etc.
  • Verbreitung in ganz Eurasien.
  • Übrigens: Im Gegensatz zum Hausspatz macht der Feldspatz "Tsschelp" statt "Tschilp". Also ganz genau hinhören.
  • Falls sie eine Nisthöhle für Meisen aufgehängt haben, kann es gut sein, dass ein Feldsperling sich darin pudelwohl fühlt.

In China möchte man kein Feldsperling sein

  • Zumindest nicht in den 50er Jahren. Millionen von Feldspatzen fielen der Vernichtungskampagne von Mao Tse Tung gegen den Volksfeind Feldspatz zum Opfer. Sie wurden des gemeinen Diebstahls von Saatkörnern für schuldig befunden. Aber nicht nur die Spatzen waren die Opfer, nein, eine richtige Hungersnot brach aus. Da der Vertilger der Schadinsekten fehlte, gab es riesige Missernten. Die Natur rächt Unverstand, könnte man meinen.
  • Das musste auch König Friedrich der Große im 18. Jahrhundert feststellen, der ein Kopfgeld aussetzte, um die herrschaftlichen Felder vor den Spatzen zu schützen. Wegen der durch die Dezimierung der Sperlinge verursachten starken Ausbreitung der Insekten wurde dieses Kopfgeld jedoch bald wieder abgeschafft. Hätte Mao doch besser deutsche Geschichte studiert!

In Mitteleuropa kommen der Haussperling (Passer domesticus), und der Feldsperling (Passer montanus) vor. Etwas weniger bekannt ist der südeuropäische Weidensperling (Passer hispaniolensis). 

Welches Winterfutter braucht der Spatz?

 

  • Ein ausgewiesener Allesfresser ist der Feldsperling (Passer montanus). Von zerbrochenen Nüssen über Fettfutter bis hin zu getrockneten Beeren und Rosinen schmeckt ihm alles.
  • Wie seine nahen Verwandten, die Feldsperlinge, fressen auch die Haussperlinge (Passer domesticus), im Volksmund Spatzen genannt, im Grunde alles, was man ihnen serviert.

Namensherkunft und Sprichwörter rund um den Spatz

Woher stammt der Name Sperling? Woher der Spatz?

  • Das Wort "Sperling" wird vom ahd sparo, mhd sparsperc, sperke, sperlinc=zappeln hergeleitet. Im Gotischen hieß er sparwa. Die Endung -ling wird gerne für etwas "Kleines" verwendet.
  • Spatz kommt von mhd spar, spaz, spatze und ist davon die Koseform.

*z-als Suffix ist auch für Eigennamen gebräuchlich; siehe Heinrich>Heinz, Friedrich>Fritz

Der Spatz in den Sprichwörtern

  • Besser ein Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach ... bedeutet sich mit etwas Kleinerem, das man aber besitzt, zufrieden zu geben, als etwas Unerreichbarem nachzujagen.
  • Das pfeifen die Spatzen von den Dächern ... Das Bild von den Vögeln, die Geheimnisse verbreiten, geht schon auf die Bibel zurück: "Fluche dem König nicht in deinem Herzen und fluche dem Reichen nicht in deiner Schlafkammer; denn die Vögel des Himmels führen die Stimme fort, und die Fittiche haben, sagen's weiter" (Prediger, 10, 20). 
  • Essen wie ein Spatz ... deutet auf seine Bedürfnislosigkeit hin = sehr wenig essen.
  • mit Kanonen auf Spatzen schießen ... zu großen Aufwand betreiben, um etwas zu erreichen.
  • Ein Spatzenhirn haben ... nur weil der Vogel klein ist, muss er nicht dumm oder vergesslich sein. Haussperlinge sind sogar relativ intelligente Vögel, denn sie waren beispielsweise die ersten Vögel, die in den 1930er Jahren in England den Meisen das Öffnen der Milchflaschen nachmachten.
  • Spatzenkonzert ... der Begriff stammt von der Gruppenbalz der Männchen um ein Weibchen.

Dreckspatz, die Erste

Dreckspatz ... eigentlich müsste es Badespatz heißen, denn das ausgiebige Bad soll ja das Gefieder reinigen. Und ist kein Wasser oder Sand zur Verfügung, kann es schon passieren, dass sich der Spatz bei einer englischen Kantine am Zucker vergreift und im Staubzucker badet; kein Scherz.

Dreckspatz, die Zweite

Unter dem Motto: "Wenn's den Spatzen juckt" hat die Zeitschrift Naturgucker 27 den fliegenden "Parasitenzoo" Haussperling näher unter die Lupe genommen. Empfindliche Gemüter, die sogleich Ansteckungsgefahr beim reinen Lesen befürchten, ist von einem näheren Blick abzuraten. Alle anderen Wissbegierigen können sich in der Zeitschrift einen ersten Einblick in das ""Parasiten-Universum" eines Vogels gönnen.

Wer noch mehr darüber wissen will, der wird in dem Buch

"Lebensraum Federkleid" von Richard Schöne/Roland Schmäschke, Verlag Haupt 2015, auf seine Kosten kommen.

Achtung, Kratzgefahr inbegriffen.

Quellen

  • Unbekannte Tierwelt, Weltbild, 1997 Augsburg
  • Mein Bildlexikon Tiere, Weldon Owen; Xenos Verlag, 2013 Hamburg
  • Tiere in ihrem Lebensraum, Dröscher; Ravensburger, 1988 Berlin
  • Der große Mosaik Naturführer, Steinbach; Mosaik, 2000 München
  • Warum Pandas Handstand machen, Brown; Ullstein, 2009 Berlin
  • Vögel, Bechtermünz Verlag, 1999 Augsburg
  • Das Vogeljahr im Tiroler Garten, Christiane Böhm u. Armin Landmann; Grünes Tirol, 2015 Innsbruck

Gibt es auch Pflanzen, die etwas mit Spatz zu tun haben?

Interessant, dass ein so weit verbreiteter Vogel, nur eine Pflanze mit seinem Namenszeichen versieht:

  • die Spatzenzunge, Thymelaea passerina, ein trockene Standorte liebendes Seidelbastgewächs. Vorkommen in Österreich im pannonischen Gebiet.

Die Frucht ist eine behaarte Nuss, die durch das sie umhüllende Perigon geschnäbelt erscheint, wovon sich der deutsche Name "Spatzenzunge" ableitet.

Andere Vogelporträts

Wer gerne interessante Artikel rund um Tiere liest, findet auf unserer

Pagewizz Facebook Themenseite immer die interessantesten Beiträge.

Adele_Sansone, vor 27 Tagen
6 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Bildquelle:
© NABU/Kai Thomsen (Die Störche in Schleswig-Holstein)
M. Steininger - Die Persönliche Note (Der Vogel des Jahres 2013: Die Bekassine)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Warum haben Rosen keine Dornen?)

Autor seit 5 Jahren
270 Seiten
Laden ...
Fehler!