Fotografen im Wilden Westen (Bild: ArtTower / Pixabay)

Edward Sheriff Curtis dokumentierte die Lebensweise der Indianerstämme

Kaum war die Fotografie in Amerika bekannt, verbreitete sie sich mit Windeseile. Ab 1860 zogen Fotografen durch den Wilden Westen. Manche trieben üble Geschäfte mit der neuen Kunst und versuchten durch Betrug schnell reich zu werden. Andere sahen darin eine Möglichkeit, Ereignisse für die Nachwelt zu konservieren.

Zu den ersten Fotografen gehörte Edward Sheriff Curtis. Er wurde am 16.Februar 1868 in Cold Springs, Wisconsin, geboren und begeisterte sich schon als Junge für das Fotografieren. Vermutlich um 1895 begann er damit, die Lebensweise und Tradition aller Indianerstämme zu dokumentieren. Fast dreißig Jahre reiste er durch Amerika und besuchte achtzig verschiedene Stämme. Im Jahr 1907 erschien der erste Fotoband "The North American Indian". Bis 1930 wurden zwanzig Bände veröffentlich. 1914 drehte Curtis den Dokumentarfilm "In the Land of the Headhunters".

Einer der herausragendsten Fotografen jener Zeit war Mathew B. Brady (1822 - 1896). Er fertigte berühmte Aufnahmen während des Amerikanischen Bürgerkriegs an. Seine Bilder fingen nicht nur die Härte des Soldatenlebens ein, sondern auch die Entschlossenheit und den Mut der Männer, die in diesem Krieg kämpften. Für die Produktion von rund 10.000 Fotografien gab Brady über 100.000 Dollar aus, weil er glaubte, dass die Regierung nach dem Krieg die Bilder ankaufen würde. Als dies nicht geschah, war er gezwungen, sein New Yorker Studio zu verkaufen und Konkurs anzumelden. Brady wurde zum Alkoholiker und starb in der Armenstation des Presbyterian Hospital in New York an Komplikationen infolge eines Straßenbahnunfalls.

Laura Gilpin fotografierte als erste Frau den Wilden Westen

Ein weiterer bedeutender Fotograf dieser Ära war Timothy H. O'Sullivan (1849 - 1882), der für seine beeindruckenden Landschaftsaufnahmen und Porträts bekannt war. Er begleitete Expeditionen beim Vermessen des Westens und und schuf dabei einige der frühesten Fotografien des Monument Valley und anderer markanter Landschaften. Seine Bilder vermittelten nicht nur die Schönheit der Natur, sondern auch die Herausforderungen, die bei der Erschließung des Wilden Westens bewältigt werden mussten. Am 14.Januar 1882 starb er an den Folgen einer Tuberkulose-Erkrankung.

Carleton E. Watkins (1829 - 1916) erlangte durch seine Landschaftsaufnahmen große Bekanntheit. Seine Arbeiten zeichnen sich durch ihre Detailgenauigkeit und epische Darstellung der Natur aus. Seine Fotografien des Yosemite Valley und des Mammoth Plateau halfen, die Schönheit dieser Region einem breiten Publikum näherzubringen. Neben der Landschaftsfotografie war auch die Eisenbahn ein großes Thema für ihn. In seinen späteren Lebensjahren wurde sein Augenlicht immer schlechter. Seine letzte große Bilderserie zeigte das Erdbeben von San Francisco im Jahr 1906. Er starb am 23.Juni 1916 im Napa State Hospital im Alter von 87 Jahren.

Es gab aber auch Fotografen, die das Alltagsleben im Wilden Westen festhielten. Zu ihnen gehörte Eadweard Muybridge (1830 - 1904). Er dokumentierte das Leben in San Francisco und anderen Städten. Seine aus mehreren Aufnahmen zusammengesetzten Panoramen von San Francisco aus den Jahren 1877 und 1878 gehören zu den detailreichsten Abbildungen der Stadt vor dem großen Erdbeben von 1906.

Unter den Fotografen gab es nicht nur Männer. Die Amerikanerin Laura Gilpin (1891 - 1979) gilt als erste Frau, die sich auf das Fotografieren des Wilden Westens spezialisierte. Gilpin dokumentierte das Leben der Navajo-Indianer und schuf dabei intime Porträts und beeindruckende Landschaftsaufnahmen. In der heutigen Zeit sind diese Bilder nicht nur historische Aufzeichnungen, sondern auch Kunstwerke, die das Erbe des Wilden Westens bewahren. Die Fotografen haben mit ihren Kameras dazu beigetragen, Mythen und Legenden zu formen und eine visuelle Erzählung dieser Ära zu schaffen, die für immer in der Geschichte verankert bleibt.

1884 ließ sich der amerikanische Erfinder George Eastman den Rollfilm auf Papierbasis patentieren. Sein Unternehmen nannte er "Eastman Kodak". Nun konnte jeder fotografieren. Rochester wurde zum Zentrum der Fotoindustrie. Das digitale Zeitalter bereitete dem Rollfilm schließlich ein Ende, doch die Zentrale des Unternehmens ist immer noch in Rochester.

BerndT, am 05.12.2023
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Bildquelle:
U. S. Army Corps of Engineers (Jesse James - Der berüchtigste Bandenführer des Westens)
Bernd Teuber (Die Entstehung der Italo-Western)

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