Schwitzen wie ein Schwein - falsch!

Was ist Schwitzen und was geschieht beim Schwitzen?

Schwitzen (Diaphorese, medizinisch oder Transpiration) ist nur in seltenen Fällen eine krankhafte Erscheinung. Normalerweise ist es eine lebensnotwendige Körperfunktion. Durch das Absondern von Flüssigkeit gelingt es dem Körper, den Wärmehaushalt zu regulieren (Thermoregulation). Die Körperflüssigkeit, der Schweiß, erreicht die Hautoberfläche und durch die Verdunstung wird der Körper automatisch gekühlt. Der Schweiß ist ein wässriges Drüsensekret mit etwa einem Prozentanteil an gelösten Stoffen, wie Natriumchlorid (Kochsalz), Ammoniak, Harnsäure, Milchsäure, Cholesterin und flüchtigen Fettsäuren.

Schwitzen als Thermoregulation gibt es im Tierreich vor allem bei den Säugetieren; Vögel haben hingegen keine.

Fehlspruch des Tages daher: Schwitzen wie ein Schwein!

Der Schweinekörper ist nur karg mit Schweiß abgebenden Drüsen ausgestattet. Einige wenige Schweißdrüsen hat ein Schwein im Analbereich und am Bauch, was aber für die Wärmeregulation des Gesamtschweins nicht ausreicht. Dafür wälzt es sich aber zum Temperaturausgleich gerne im feuchten Schlamm. Sollte/könnte Mann ja auch probieren, oder?

Lesetipp: Wer macht sich da zum Schwein?

 

Heiß, heißer - Schweiß!

Illustration (Bild: adele sansone)

Schwitzen als allgemeine Regulationsfunktion

Wer sich bewusst macht, dass Schwitzen eine positive Reaktion des Körpers ist, wird auch mit den lästigen Begleiterscheinungen, wie Körpergeruch, entspannter umzugehen lernen.

Nicht nur bei Wärme oder Hitze oder bei anstrengender Bewegung beginnt der Körper zu schwitzen, sondern auch bei Erkältungskrankheiten und auch bei emotionalem Stress. Wie stark ein Mensch schwitzt, ist ganz verschieden. Übermäßiges Schwitzen wird als Hyperhidrose bezeichnet.

Ein Mensch besitzt 2 bis 4 Millionen Schweißdrüsen. Zwei Arten von Schweißdrüsen sorgen für das Schwitzen. Apokrine Drüsen reagieren auf starke Emotionen, ekkrine Drüsen regulieren das Wärmesystem des Körpers und reagieren vor allem auf äußere Reize. Dazu wird Flüssigkeit aus dem Blut über Kanäle an die Hautoberfläche geleitet, wo sie verdunstet. Die Verdunstung entzieht der Umgebung Wärme und der Körper wird so gekühlt. An die 30.000 Sensoren kontrollieren die Hauttemperatur und der Hypothalamus im Gehirn regt die Temperaturregelung dann an.

So schön, so gut. Was ist aber nun mit Mann und Frau? Schwitzen die Geschlechter wirklich anders?

Japanische Forscher untersuchen das Schwitzen geschlechtsspezifisch

Eine Untersuchung, wie unterschiedlich Frauen und Männer auf schweißtreibende Aktivitäten reagieren, starteten japanische Forscher der Universität Osaka. Die Studie: "Sex differences in the effects of physical training on sweat gland responses during a graded exercise (Tomoko Ichinose-Kuwahara)" untersuchte die Verschiedenheit der Reaktionen an zwei Vergleichsgruppen:

  • Trainierte Männer und Frauen und untrainierte. Für die Studie mussten die vier Gruppen unter den gleichen Bedingungen bei "30 ° Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 45 Prozent" jeweils eine Stunde Fahrrad fahren, mit einer Leistung von 65 Prozent ihrer jeweiligen Ausdauerfähigkeit.

Schwitzen Männer anders als Frauen?

Aus den "schweißtreibenden" Ergebnissen zog man folgende Schlüsse: "Frauen haben generell weniger Körperflüssigkeit als Männer und trocknen daher schneller aus. Die geringere Transpiration kann also auch eine Überlebensstrategie sein. Männer können hingegen durch die größere Schweißproduktion eine größere Effizienz bei körperlicher Arbeit vollbringen.", so der Koautor der Studie, Yoshimitsu Inoue.

Um nochmals auf die Sauna zurück zu kommen: Wer sich jemals in eine Sauna begeben hat, kann diese Frage mit Sicherheit leicht beantworten. Während bei "Mann" schon wahre Sturzbäche an Schweiß herabströmen, sitzt "Frau" im Gegensatz dazu noch immer im Trockenen, allerdings oft mit hochrotem Kopf. Und das nicht aus Scham oder Verlegenheit.

Woran aber liegt das?

  • Männer haben mehr Schweißdrüsen als Frauen, außerdem sprechen ihre Schweißdrüsen schneller an, denn Testosteron beeinflusst die endokrine Schweißproduktion. Man kann vereinfacht sagen: Viel Testosteron - viel Schweiß. Das bestätigte sich bei der Studie von Osaka: die Männer schwitzen eindeutig stärker als die weibliche Vergleichsgruppe. Frauen beginnen erst bei hoher körperlicher Belastung zu schwitzen. Stärker trainierte Personen wiederum schwitzen erheblich leichter als untrainierte.

 

Die Wechselbeziehung von Training, Fitness und Schwitzen

Die untrainierten Teilnehmer der Studie wurden zu mehr Training angeleitet, wobei sich eindeutig ein besseres Schwitzverhalten herstellen ließ. Durch Sport, der regelmäßig betrieben wird, kann man also den Körper auch zu früherem Schwitzen anregen. So beginnt der trainierte Athlet bereits bei einer niedrigeren Temperatur zu schwitzen, auch die Schweißmenge erhöht sich. Der sportliche Effekt dabei: die Körpertemperatur wird länger stabil gehalten und die Ausdauer steigt.

Wenn Pflanzen schwitzen - Guttation

Frauenmantel mit Guttationstropfen (Bild: a.sansone)

Störender Geruch, die Schattenseite des gesunden Schwitzens

Schweiß selbst, also die Flüssigkeit an sich, riecht vollkommen neutral. Erst durch die Bakterien auf der Haut und die bakteriellen Zersetzungsprozesse an der Hautoberfläche beginnt sich der Geruch unangenehm bemerkbar zu machen.

Auch hier gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau.

Beim Mann enthält die Achselschweiß-Substanz Androstenon, ein Abbauprodukt des Sexualhormons Testosteron, das in sanfter Dosierung auch als erotisierender Lockstoff anzusehen ist.

Der typische Körpergeruch wird durch ein spezielles Eiweißmolekül ausgelöst. Interessant ist, dass dieses Transportprotein ABCC11 bei einem hohen Prozentsatz der asiatischen Bevölkerung inaktiv ist. Achselschweiß wurde sogar in einigen asiatischen Ländern als Krankheitszeichen angesehen. Wie sich dieses Fehlen genetisch durchgesetzt hat, ist noch nicht ausreichend erforscht. Möglicherweise hat sich durch gezielte Partnerwahl der neutral riechende Anteil der Bevölkerung effektiver fortgepflanzt.

Frauen frieren auch anders, wetten?

Wer mit Hitze nicht so optimal zurecht kommt, hat auch andere Probleme mit der Kälte, das ist sonnenklar.

  • Der weibliche Körper muss vor allem die inneren Organe mit mehr Wärme versorgen (Schwangerschaft, Fruchtbarkeit).
  • Die Wärme wird deshalb aus den Extremitäten (Füße, Hände) in Richtung Unterleib geleitet.
  • Weniger Muskeln hat Frau auch noch als Mann - Wärme wird aber von den Muskeln produziert.

Die ganz natürliche Folge:

Frauen frieren schneller als Männer!

Quellen

  • ORF Science (8.10.2010), Studie: Sex differences in the effects of physical training on sweat gland responses during a graded exercise (Tomoko Ichinose-Kuwahara)
  • Studie: A Functional ABCC11 Allele Is Essential in the Biochemical Formation of Human Axillary Odor (Journal of Investigative Dermatology)
Adele_Sansone, am 13.07.2014
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Bildquelle:
Flickr.com © Hotel Der Oeschberghof - G (Wenn Schwitzen zur Qual wird)

Autor seit 5 Jahren
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