John Carpenters erfolgreicher Horrorfilm „Halloween“

Es gibt Filmideen, da wundert man sich, warum nicht längst schon vorher jemand einen Geistesblitz hatte und einen Film daraus produzierte. Der Horrorfilm "Halloween" ist ein solcher Geistesblitz, der 1978 einen jungen Regisseur namens John Carpenter getroffen hatte. Der Rest ist, wie man so schön und treffend sagt, Geschichte. Horrorgeschichte, um genau zu sein. Mit dem selbst für damalige Verhältnisse lächerlichen Budget von 300.000 Dollar inszenierte die spätere Genre-Ikone John Carpenter den bis heute extrem erfolgreichen Horrorfilm "Halloween", der längst Kultstatus erlangte und zum alljährlichen Gruselfest dazugehört, wie "White Christmas" zu Weihnachten.

Und das, obwohl der Streifen weder Superstars, noch explizit blutige Szenen oder schickes 3D zu bieten hatte. Der Grund für den Erfolg liegt schlichtweg in der simpel gestrickten, aber effektiven Story, die den Nerv der Zuschauer traf.

Die Story von "Halloween"

Ein Kürbis, sie zu knechten... HalloweenIm beschaulichen Haddonfield geschieht in der Nacht zu Halloween 1963 eine Bluttat: Der sechsjährige Michael Myers ersticht seine ältere Schwester! Daraufhin wird er in die Psychiatrie eingeliefert und unter die Obhut des Psychiaters Dr. Loomis (Donald Pleasance) gestellt, der alles daran setzt, dass der junge Killer nie wieder auf freien Fuß gelangt.

15 Jahre später: Wieder steht Halloween vor der Tür und ausgerechnet an diesem Abend muss die junge Laurie (Jamie Lee Curtis) als Babysitterin für den Nachbarjungen Tommy einspringen. Derweil vergnügen sich ihre Freundinnen auf typisch jugendliche Weise, während Laurie als Einzige aus ihrer Clique noch keinen Freund hat. Ausgerechnet an diesem Abend gelingt dem mittlerweile zum kräftigen jungen Mann gereiften Michael Myers (Nick Castle) die Flucht aus der Anstalt. Er zieht eine weiße Maske übers Gesicht und setzt dort nahtlos fort, wo er 1963 aufgehört hatte: Mit dem Morden! Auch hinter Laurie ist der Maskierte her, die verzweifelt nicht nur um ihr eigenes Leben, sondern auch jenes von Tommy kämpft. Ein ungleicher Kampf entspinnt sich, scheint doch Michael Myers nahezu unverwundbar …

Halloween: Ikone des Slasherfilms

Fast in Vergessenheit geratener John Carpenter

John Carpenters Einfluss auf den modernen Horrorfilm, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Umso ironischer erscheint es, dass der menschenscheue New Yorker in seinem angestammten Genre längst wie ein Fremdkörper wirkt und seit den späten 1980er Jahren fast ausschließlich kommerzielle, wie auch künstlerische Flops ablieferte und unter jüngeren Generationen in Vergessenheit geraten ist. Allenfalls mit dem Horrorfilm "Halloween" verbindet ihn die mit "Hostel" und "Saw" aufgewachsene Generation noch, jenem Kultfilm also, der ihn zum Regie-Star, Jamie Lee Curtis zur Scream-Queen und den Film selbst zur Blaupause zahlreicher Slasher-Movies machte. Horrorfilme- und Reihen wie "Blutiger Valentinstag", "Freitag der 13." Oder "Nightmare on Elm Street" wären ohne John Carpenters "Halloween" kaum denkbar.

Der enorme Erfolg dieses zum Klassiker gereiften Filmes überraschte wohl auch den Regisseur selbst. Carpenter hatte bis dato mit "Dark Star", "Assault – Anschlag bei Nacht" sowie "Das unsichtbare Auge" bei drei von Kritikern überwiegend gelobten, außerhalb von Fankreisen kaum beachteten Produktionen Regie geführt. Dies sollte sich mit "Halloween" dramatisch ändern: Plötzlich galt Carpenter als heiße Aktie! Tatsächlich lieferte er später mit "The Fog" und "Die Klapperschlange" zwei weitere Klassiker und Kassenschlager des Horrorgenres ab.

 

Urban Legend als Vorbild von "Halloween"

Bei der Analyse seines ersten großen Erfolges stellt sich natürlich unweigerlich die Frage, warum die minimalistische Story mitreißt. Genau hierin liegt bereits die Antwort: Eben jener Minimalismus und die Reduktion aufs Nötigste, ohne sich in komplizierten Nebenplots oder ausführlichen Charakterisierungen zu verheddern, schlägt den Zuschauer in den Bann. Im Grunde genommen funktioniert der Horrorfilm "Halloween" wie die Verfilmung jener Urban Legend, in der eine Babysitterin mit Schrecken gewahr wird, dass sich ein Psychopath (in manchen Varianten der Story ein aus dem Irrenhaus Entlaufener, gleich Michael Myers aus "Halloween") in ihrem Haus befindet.

 

Michael Myers: Grundlos böse?

Freilich überspitzt Carpenter die Figur des Psychopathen, indem er Michael Myers (gespielt von Nick Castle, der am Drehbuch zu "Die Klapperschlange" mitschrieb) zum personifizierten Bösen stilisiert. Viele negative Kritiken rieben sich an diesen Umstand, übersahen dabei aber den entscheidenden Aspekt, dass die Figur des Killers gerade durch seine Undurchschaubarkeit für wohligen Grusel sorgt. Indem Michael Myers eine Maske aufsetzt, verbirgt er sein Antlitz vor den Opfern in derselben Weise, wie er auch seine Persönlichkeit völlig ausblendet. Dr. Loomis – brillant von Donald Pleasance verkörpert und nach Marion Cranes Freund aus Hitchcocks "Psycho" benannt – bezweifelt indes, dass es sich bei Myers überhaupt um ein menschliches Wesen handle und bezeichnet ihn später sogar als "Boogeyman" (im Deutschen würde man vom "Schwarzen Mann" sprechen). Die Angst vor dem Bösen wächst, je unbekannter, fremdartiger und unberechenbarer es erscheint. Mit einem Bankräuber kann man verhandeln – mit einem durch und durch bösen Menschen wie Michael Myers nicht.

Das Remake von "Halloween" (2007) verwischte dieses gleichermaßen simple, wie geniale Konzept ins Gegenteil: Durch eine klischeehaft schlimme Kindheit wuchs Michael Myers zu einem menschlichen Monster heran. So weit, so bekannt altbacken.

Final Girl

Interessanterweise handelt es sich beim Horrorfilm "Halloween" um kein Splattermovie samt all den gängigen vorhersehbaren Schockeffekten. Wie in anderen John-Carpenter-Filmen auch wird die bedrohliche Atmosphäre langsam aufgebaut, anstatt von einer ekelhaften Szene zur nächsten zu springen. Nach der kurzen Einführung von Michael Myers, nimmt der Film die Perspektive von Laurie ein, die das in Slasherfilmen unverzichtbare (und in "Scream" parodierte) "Final Girl" in das Genre einführte. Als solches ist sie hochanständig, ist Jungfrau, lehnt Drogen ebenso wie übermäßigen Alkoholkonsum ab und ist zu allen Menschen freundlich – ganz im Gegensatz zu den anderen verdorbenen Teenagern, die ständig nur Sex, Drogen und Partys im Kopf haben, was sie mit dem Leben bezahlen. Und wie in vielen anderen Horrorfilmen gilt auch in "Halloween": Um das Monster zu besiegen musst du selbst zum Monster werden!

Die Kameraführung orientiert sich am Gebot des Augenblicks. In ruhigen Momenten schwelgt sie gerne mal durch die Straßen, nur um in bedrohlichen Situationen das Wesentliche zu fokussieren, etwa ein durch die Brust getriebenes Messer. Diese wenigen Schockeffekte – allen voran natürlich der erste Mord des erst sechsjährigen Michael Myers – erzielen somit größere Wirkung, als es beständige Ekelszenen bewerkstelligen könnten. Aus heutiger Sicht erscheint eine derartige Inszenierung ungewohnt "langsam" und gemächlich, werden doch insbesondere Schnitte sparsam eingesetzt. Nicht unmaßgeblich zum Erfolg trug das musikalische Hauptthema des Filmes bei. Multitalent John Carpenter komponierte und spielte das berühmte Thema auf einem Piano ein.

 

Zeitloser Klassiker: Der Horrorfilm "Halloween"

Fazit: John Carpenters Horrorfilm "Halloween" ist ein zeitloser Klassiker des Genres, der nicht nur in seiner Gesamtheit überzeugt, sondern zudem dank der zahlreichen in der Popkultur manifestierten kleineren und größeren Details zu faszinieren versteht. Sei es das personifizierte Böse in Gestalt von Michael Myers, der Verwendung einer Maske, um sein Gesicht zu verbergen, der Entwicklung des "final girls", die Filmmusik und natürlich der Vorspann in Form einer grinsenden Kürbislaterne vor schwarzem Hintergrund: Der Horrorfilm "Halloween" ist untrennbar mit dem gleichnamigen Gruselfest verbunden und gilt zu Recht als Genreklassiker.

Originaltitel: John Carpenter's Halloween

Regie: John Carpenter

Produktionsland und -jahr: USA, 1978

Filmlänge: ca. 100 Minuten (längste Version)

Verleih: Concorde Video

Deutscher Kinostart: 6.7.1979

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Fun Fact: Bei dem Film, den Tommy im Fernsehen guckt, handelt es sich um "Das Ding aus einer anderen Welt" (1951). Drei Jahre nach "Halloween" inszenierte John Carpenter ein gleichnamiges Remake des SF-Klassikers.

Autor seit 8 Jahren
821 Seiten
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