Ungebetene Gäste aus dem Weltall

Ungewöhnliche Signale aus dem Weltraum schrecken Mitarbeiter von SETI auf. Das bislang Unvorstellbare wird rasch zur Gewissheit: Die Erde erhält Besuch von Außerirdischen! Und sie reisen nicht mit leichtem Gepäck an, wie das Mutterraumschiff beweist, das alleine ein Viertel so groß wie der Mond ist. Kommen sie in Frieden oder in böswilliger Absicht? US-Präsident Tom Whitmore (Bill Pullman) ist zuversichtlich und sendet zur Begrüßung einen Hubschrauber zu einer der gigantischen Flugscheiben hoch, um Kontakt herzustellen. Der Hubschrauber wird abgeschossen – ein Missverständnis?

Nein, denn Satellitentechniker David Levinson (Jeff Goldblum) hat die codierten Signale der Aliens entschlüsselt: Es handelt sich um einen Countdown zum koordinierten Vernichtungsschlag gegen die Menschheit! Rasch fährt er zum Weißen Haus, wo seine Ex-Frau als Pressesprecherin des Präsidenten tätig ist, um Whitmore von der drohenden Gefahr zu unterrichten. Die Air Force One wird startklar gemacht – nicht zu früh, denn als der Countdown bei 0 angelangt ist, eröffnen die im Orbit stationierten Raumschiffe das Feuer auf die größten Städte der Erde. Präsident Whitmore, seine Pressesprecherin, Levinson und die wichtigsten Berater können dem gewaltigen Feuersturm gerade noch entkommen. Zurück bleiben völlig zerstörte Metropolen und verzweifelte Überlebende.

Auf der sagenumwobenen Militärbasis Area 51 planen Whitmore und seine Generäle den Gegenschlag. Die geballte Feuerkraft der Air Force soll die Außerirdischen stoppen. Doch der Angriff auf die außerirdischen Raumschiffe erweist sich als selbstmörderisch, da diese über undurchdringbare Schutzschirme aus Energie verfügen. Ein Flugzeug nach dem anderen wird abgeschossen, auch jenes von Steve Hiller (Will Smith), der dank eines geschickten Täuschungsmanövers wenigstens eines der kleineren außerirdischen Raumschiffe zum Absturz bringen kann. Den ungehaltenen Insassen begrüßt er mit einem deftigen K.O.-Schlag und beschert der Erde somit den ersten extraterrestrischen Kriegsgefangenen.

Als selbst der Einsatz von Nuklearwaffen keine Wirkung zeigt, scheint die Lage völlig aussichtslos. Doch dann enthüllen Wissenschaftler der Militärbasis ein streng gehütetes Geheimnis: Seit 1947 sind sie im Besitz einer damals bei Roswell abgestürzten, aber intakten Fliegenden Untertasse. Levinson ersinnt daraufhin einen aberwitzigen Plan, der die letzte Chance der Menschheit darstellen könnte …

Deutscher Trailer "Independence Day"

Außerirdische Heuschreckenschwärme

Weltweiter Unabhängigkeitstag

Gewiss: Aufwändige Science-Fiction-Filme hatten schon zuvor Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt. Trotzdem war der gewaltige Erfolg von Roland Emmerichs "Independence Day" in dieser Form kaum vorhersehbar. 1996 spielte der Streifen fast so viel ein, wie der zweit- und dritterfolgreichste Film des Jahres in Summe. Dies alles mit dem bereits im Titel angedeuteten Hurra-Patriotismus oder der Stumpfheit der Masse (lies: "Alle anderen, außer mir!") erklären zu wollen, greift zu kurz. Auf den ersten Blick ist "Independence Day" nur ein weiterer, wenngleich zur damaligen Zeit sensationell getrickster Invasionsfilm, der mit den Grundängsten vieler Menschen spielte. Unter der Oberfläche entpuppt sich Emmerichs Über-Blockbuster jedoch als clever inszeniertes SF-Märchen.

Die Aliens ausgerechnet zwei Tage vor dem US-Nationalfeiertag angreifen zu lassen und den Befreiungsschlag auf eben jenen 4. Juli zu setzen, ist ein interessanter psychologischer Schachzug. Allerdings war der Film ein weltweiter Kinohit. Anders als selbst ein Klassiker wie "Kampf der Welten" ignoriert "Independence Day" keineswegs sämtliche Staaten außerhalb der USA. Wenn der US-Präsident vor dem Gegenschlag, der die Invasion stoppen soll, eine leidenschaftliche Rede hält und dabei stolz auf die Symbolik des 4. Juli verweist, so handelt es sich mitnichten um ekelerregenden Patriotismus, sondern um den Aufruf an die gesamte Menschheit, diesen Tag zu einem Dokument der globalen Befreiung zu gestalten. Selbstverständlich kann sich auch ein internationales Publikum mit solchen hehren Zielen identifizieren, gilt es doch, einen gemeinsamen Feind zu besiegen. Und dieser Feind scheint unbesiegbar, verfügt er doch, ähnlich wiederum den Invasoren aus "Kampf der Welten", über undurchdringbare Schutzschilder. Ein direkter Angriff ist somit völlig sinnlos und es muss eine Lösung gefunden werden, die Schutzschilder zu deaktivieren. Dies erinnert wohl nicht zufällig an "Star Wars", wo die mächtigen Todessterne bequemerweise mit einem wunden Punkt ausgestattet wurden, um den Rebellen eine faire Chance zu geben. Und hier verbirgt sich die vielleicht größte Schwäche von "Independence Day": Einerseits wird der Feind als technologisch Lichtjahre voraus geschildet; trotzdem lassen sie sich bisweilen himmelschreiend einfach übertölpeln oder nutzen völlig veraltete Technologie (Synchronisierung des Countdowns). Freilich muss man zugeben, dass der Film diesbezüglich nicht allein auf weiter Flur steht, insbesondere nicht im direkten Vergleich mit den dümmsten Aliens der Filmgeschichte aus "Signs".

 

Auf zur Area 51!

Schluckt man derlei Widrigkeiten, wird man jedoch mit einem spannenden Leinwandereignis der Superlative belohnt, das trotz des apokalyptischen Szenarios leicht bekömmliche Kost bietet. Verblüffend ist zudem, wie aus einem moderaten Budget ein Film inszeniert wurde, der mindestens doppelt so teuer wirkt. Dabei schafft Roland Emmerich das Kunststück, mehr als zwei Stunden lang beste Unterhaltung zu bieten. Was zwei Jahre zuvor in "Stargate" noch misslungen war, schaffte der Deutsche mit "Independence Day": Den Spagat zwischen belanglosem Popcorn-Kino und stilprägenden Szenen. Sein größter Leinwandhit ist bestückt mit unvergesslichen Szenen, angefangen vom gigantischen, den Mond buchstäblich überschattenden Mutterraumschiff, über die Zerstörung des Weißen Hauses und Will Smiths freundlicher Begrüßung eines Außerirdischen, bis hin zu Brent Spiners (Data aus "Star Trek") Auftritt als durchgeknallter Wissenschaftler. Apropos: Dermaßen geschickt wurde der Mythos rund um Area 51 selten zuvor oder danach in einen Film eingewoben. Area 51 wird nicht einfach bloß des Spaßes halber erwähnt oder um sich bei UFO-Fans einzuschleimen, nein, der zentrale Wendepunkt des Filmes spielt sich dort ab!

Einen Glücksgriff tätigte Emmerich auch bei der Besetzung der Rollen: Jeff Goldblum gibt wie schon in "Jurassic Park" den etwas schrulligen Wissenschaftler, Bill Pullman erinnert wohl nicht zufällig an den vielleicht beliebtesten Nachkriegspräsidenten, Bill Clinton, Randy Quaid verkörpert überzeugend einen nicht besonders intelligenten, dafür freundlichen Hinterwäldler, und Will Smith katapultierte sich mit dieser Rolle in den Schauspiel-Olymp. Goldblum und Smith überzeugen dabei als ungleiches Heldenduo, das sich angesichts der Gefahr zusammenrauft – schade, dass es nie wieder zu einer Zusammenarbeit zwischen den beiden kam.

Visuell bietet der Streifen neben der rohen Lust am Zerstören von Gebäuden und gesamten Straßenzügen sowie Luftschlachten scheußlich gut designte Aliens und ein gleichermaßen majestätisch, wie bedrohlich wirkendes Mutterraumschiff. David Arnolds wuchtiger Score – der bereits bei "Stargate" zum Zuge kam – passt sich den jeweiligen Szenerien perfekt an.

 

Großartige Unterhaltung

Kurzum: "Independence Day" ist wunderbare Unterhaltung auf ansehnlichem tricktechnischen Niveau und vermag selbst viele Jahre später noch zu überzeugen. Nicht trotz, sondern wegen der simpel gestrickten Story reißt der Streifen den Zuschauer mit. Hier wird nicht lange gefackelt, sondern schonungslos ums Überleben der Menschheit gekämpft. Mitleid verdient die außerirdische Spezies nicht, die wie ein Heuschreckenschwarm die Ressourcen eines Planeten konsumiert und wieder weiterzieht, wenn nichts mehr zu holen ist. Fast könnte man dahinter eine Metapher für bestimmte Gesellschaftsformen vermuten …

Originaltitel: Independence Day

Regie: Roland Emmerich

Produktionsland und -jahr: USA, 1996

Filmlänge: ca. 147 Minuten (extended Version)

Verleih: Twentieth Century Fox Home

Deutscher Kinostart: 19.9.1996

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Autor seit 7 Jahren
823 Seiten
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