Blumeninsel - ewiger Frühling - das passt auf die portugiesische Insel Madeira

Der Winter mit großen Schneemengen und anschließendem polaren Eiswetter ist nicht jedermanns Sache. Flüchten heißt die Devise. Gut, nur wohin? Wem der deutsche Winter zu lang und kalt oder der Sommer zu heiß ist, dem kann man die portugiesische Insel Madeira empfehlen. Madeira verspricht ewigen Frühling.

Der Duft von Kamlienblüten

Kamelien (Bild: a.sansone)

Madeira - geografische Lage, Daten, Fakten

Madeira liegt 600 km westlich von Marokko und 900 km südlich von Lissabon. Die Insel liegt im Atlantischen Ozean und gehört politisch zu Portugal. Geologisch ist sie äußerst interessant, denn die Inselgruppe (Madeira und Porto Santo) ist praktisch die Spitze eines riesigen Unterwassergebirges vulkanischen Ursprungs, entstanden aus einem Hot Spot.

Die Hauptstadt von Madeira ist Funchal. Berühmtester Bewohner war seinerzeit Christopher Columbus, der eine reiche Tochter aus einem Adelsgeschlecht von Moniz heiratete. Ein Museum erinnert an ihn. Der berühmteste Sohn des 21. Jahrhunderts hingegen ist der Fußballer Cristiano Ronaldo.

Der erste Blick auf Madeira: üppiges Grün (Aha, das bedeutet regelmäßige Niederschläge), steile Berge, zerklüftete Felsschluchten mit vielen dunklen Tunneleingängen, terrassierte Hänge. Schon bei der Fahrt vom Flughafen aus durchquert man eine solch üppige Vegetation, dass es nicht verwundert, dass Madeira im 19. Jahrhundert den Beinamen "Blume des Ozeans" erhielt.

Wandern, eine andere Art sich einer Landschaft, einer anderen Kultur zu nähern

Gewiss ist es bequem ein Land mit dem Auto zu "erfahren", an bestimmten Orten zu halten und Landschaft oder Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, dann wieder ins Auto steigen und so weiter.

Viel intensiver lernt man jedoch ein Land und seine Natur kennen, wenn man sie sich "ergeht". Nirgendwo sonst kann man es auf so fast gemütliche Weise tun, als auf Madeira. Die Levadas bieten sich dazu an. Die Streckenlänge kann man seinen Bedürfnissen.- oder den öffentlichen Verkehrsmitteln anpassen. Es gibt keine extremen Steigungen zu überwinden. Bei trockenem Wetter sind die Wege durchwegs gefahrarm zu bewältigen. Wenn man sich jeden zweiten Tag eine Tour vornimmt, kann man sich die unterschiedlichsten Ecken der Insel herauspicken und nimmt wunderschöne intensive Naturerinnerungen mit nach Hause. Sumpfcalla - Schweinsoh

Wie man allerdings so eine Schönheit -Calla palustris-auf deutsch als Schweinsohr bezeichnen kann, erschließt sich mir nicht ganz.

Auch vor Ort werden begleitete Wanderungen als Tagesausflug angeboten. Wer sich ein Auto mietet, darf allerdings nicht an Tunnelphobie leiden, denn Madeira ist von Tunneln durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Auch sollte man bergerfahren sein, denn auf Madeira geht es immer steil rauf, kurvig und wieder hinunter.

Wandern entlang der Levadas

Levada Pedregal (Bild: a.sansone)

Levadas, die uralten Wasserwege

Levadas sind Wasserkanäle, die das kostbare Gut Wasser von der mit Regen reich gesegneten Nordseite auf ganz Madeira verteilen. Im 15. Jahrhundert wurden diese Wasserversorgungswege von afrikanischen Sklaven angelegt. Ein ausgeklügeltes System von flach angelegten Kanälen mit ganz sanfter Neigung, manche aus Holz, aus Steinen, in den Fels geschlagen oder durch den Fels geführt, später aus Beton gegossen, leiten das Wasser rund um die ganze Insel. Von den höchsten Bergen bis hinunter in die Hauptstadt Funchal. Insgesamt sind es auf Madeira 2.000 km Wasserwege.

Dieses System, Wasser von entfernten Orten weiterzuleiten, stammt ursprünglich aus Nordafrika. Bekannt ist es aber auch etwa im Oman, da heißen die Wasserwege Aflaj oder Falaj System. Auch in Südtirol und im Alpenraum ist dieses System von alters her bekannt, unter dem Begriff "Waalwege".

Wandern auf den Levadas - Was muss man beachten?

Um diese Kanäle instand zu halten muss man sie pflegen. Sie pflegen, bedeutet der Levadeiro oder Waaler muss regelmäßig die Wasserrinnen entlang gehen, um sie zu warten. Verstopfung, Bruch oder Ähnliches führt zum Versickern des Wassers oder zu Überschwemmungen, das darf nicht geschehen. Also führt neben den Kanälen für die Instandhaltung durch die Levadeiros ein begehbarer Streifen. Pilger entdeckten diese an manchen Stellen kaum 30 cm breiten Pfade als Wanderrouten neu.

Auf diesen Streifen kann man nun in ganz Madeira quer über die Insel wandern, an Häusern und Bananengärten vorbei, durch dichte Eukalyptuswälder oder durch die ursprüngliche Pflanzenwelt aus Rhododendren- und Lorbeerwäldern. Manche der Levadas sind gut gepflegt und ausgeschildert, andere eher vernachlässigt. Die gut Erschlossenen kann man gefahrlos begehen. Die versteckten, geheimen sollte man tunlichst nur bei trockenem Wetter begehen. Die Wege sind zwar nicht steil, aber der Abgrund ist oftmals nah und nicht immer gesichert.

Manche dieser Pfade sollte man allerdings bei Schlechtwetter meiden, da sie stellenweise knapp am Abgrund vorbei führen und extrem rutschig werden. Vorsorglich sollte man außerdem immer einen Regenschutz mit sich führen.

Wunderbare Ausblicke von den Levadas aus

Cabo Girao (Bild: a.sansone)

Tipps für Levada-Wanderungen

  • Levada do Norte bis Cabo Girao: durch Terassen und steiles Kulturland erreicht man die Klippen von Cabo Girao.
  • Levada Nova bis Nossa Senhora da Boa Morte: Farne begleiten einen durch ehemals abgebrannte Wälder bis zum atemberaubenden Blick auf den unendlichen Atlantik.
  • Levada do Paul: Herrliche Blicke von dieser alpin oder schottisch anmutenden Hochebene auf die Südküste. Ein Abstecher durch Lorbeerwälder zum Risco-Wasserfall lohnt sich.

 

 

Madeira und sein Klima - Wandertipps

Das Klima kann als subtropisch ozeanisch bezeichnet werden. Außerdem wird das Klima von Madeira von Ausläufern des Golfstroms beeinflusst. Klimatisch herrscht auf Madeira immer Frühling, die Durchschnittstemperatur liegt bei 22 Grad im Sommer und in den Wintermonaten bei etwa 15 Grad.

Wie ist es bei uns im Frühling? Lau, aber auch oftmals regnerisch. Das trifft auch auf Madeira zu;.das heißt, dass das Wetter sich rasch ändern kann und man einen Regenguss erwischt. Deshalb ist es nötig, immer einen Regenschutz mit sich zu tragen. Gutes Schuhwerk ist ebenfalls notwendig, denn die Wege können auch rutschig sein. Ein Trekkingschuh oder leichter Bergschuh ist für das Wandern entlang der Levadas eine gute Entscheidung.

Dass immer mehr Flugtouristen allerdings bereits mit Bergschuhen aus dem Flieger aussteigen, liegt weniger an der Ungeduld, endlich los zu wandern, als daran, dass man zwar problemlos beim Auschecken verloren gegangene T-Shirts oder Hosen ersetzen kann, aber kaum einen gut passenden Wanderschuh.

Auf Levadas, Straßen, trockenen und manchmal nassen Wegen

Auf einer Levada (Bild: a.sansone)

Empfehlenswerte Ziele - zum Wandern oder zum Besichtigen

  • Funchal, die Hauptstadt. An steile Hänge gebaut, zerklüftet, zum Meer hin sanfter. Farben in den Straßen, an den Häusern, auf den Märkten. Ein Muss.
  • Porto Moniz mit seinen in die Lava gehauenen Schwimmbecken enorm beeindruckend. Hier kann man unmittelbar der erstarrten Lava ins Auge blicken.
  • Wallfahrtskirche Nossa Senhora da Boa Morte, der ultimativ letzte Punkt vor der langen Reise nach Südamerika. Auf einer herrlichen Levada zu ergehen. Ruhe, Natur und Einsamkeit.
  • Paul da Serra, alpin anmutende Hochmoore. Ein tolles Ausflugsziel mit gigantischem Ausblick.

Funchal - Porto Moniz - Punta da Sol - Ribeira Brava

Funchal (Bild: a.sansone)

Einen persönlichen Reisebericht von Madeira kann man bei 50plus Freizeit und Reisen nachlesen.

Die Blumenwelt von Madeira - Indigene Pflanzen und Einwanderer

112 Pflanzenfamilien, 800 Pflanzenarten, all das findet man auf Madeira. Eine Pflanzenwelt aus 5 Kontinenten gedeiht auf dieser klimatisch begünstigten Insel. Die Briten importierten aus aller Herren Länder Samen und Setzlinge, zu sehen etwa in "Blandy's Garden", einem botanischen Garten, der die Herzen von Gartenfreunden höher schlagen lässt. Doch auch an den Levadas kommt man sich vor wie in einem Blumenladen: weiße Calla, tiefblaue Agapanthuslilien, Strelitzien in natürlicher Schönheit. Und alles überstrahlt der Stolz von Madeira.

Für den Naturliebhaber ist es unvergesslich, durch ursprüngliche Lorbeer- oder Rhododendrenwälder zu wandern. Dann wiederum fühlt man sich am Mittelmeer: Baumerika und üppiger Ginsterbewuchs bilden dazu nur wenige Kilometer entfernt einen Gegensatz. Ab nach Australien, denn die importierten, aber hier wunderbar wachsenden Eukalyptuswälder, vermitteln einen sagenhaften Eindruck. Auch Irland liegt gedanklich nicht fern, denn bei den riesigen Farnflächen erwartet man alle Augenblicke einen irischen Kobold, der auftaucht.

All dies kann man nur in sich aufnehmen, wenn man auf Schusters Rappen unterwegs ist, mit dem Auto fährt man achtlos an so mancher Schönheit vorbei. Die Natur muss man sehen, fühlen und riechen, auch wenn es etwas Schweiß kostet.

Blumen über Blumen

Calla (Bild: a.sansone)

Adele_Sansone, am 08.02.2012
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Griechenland, griechische Inseln und ihre besondere Pflanzenwelt)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Der Marlinger und Maiser Waalweg in Südtirol)

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