myboshi & Co - Wie aus Langeweile ein Trend geboren wird

Aus einer Laune heraus begannen diese jungen Leute Mützen und Hauben zu häkeln, zu stricken. Alles urfade Erinnerungen an einen madigen Handarbeitsunterricht aus kindlichen Zeiten und siehe da: Die Erfolgsgeschichte war geboren. Diese Mützen, hätte Mama sie gehäkelt, wären nur mit einem gequälten "Danke" in Empfang genommen worden und in der untersten Schublade verschwunden.

Aber weil eine so urcoole Geschichte dahintersteckt: Jungs häkeln auf Reisen, verkaufen ihre erste Mütze in Japan und nennen sie deshalb Boshi (Jap. Mütze), ach, wie originell – reißen sich die Kids und die Generation 17+ so darum, dass man die dörfliche Oma-Generation sogar für die kommerzielle Produktion einspannen muss. So what!

Nun aber mal zur "my selfmade boshi" Mützenproduktion =>

So wird es eine selfmade boshi

Man nehme das Label, (Bild: a.sansone)

Eine Boshi - sprich "Mütze" selber häkeln - keine Hexerei

Eines muss man den Jungs lassen: die Anleitungen in ihren Büchern sind simpel, nachhäkelbar und ansprechend im Design. Beide Bücher "myboshi Mützenmacher" und "mützenundmehr" können mit gutem Gewissen weiter empfohlen werden.

Ein halbwegs geübter Häkler, Jungs - auch ihr seid hier gefragt - braucht kaum länger als zwei bis drei Stunden am Stück, um so eine Mütze zu häkeln.

Man kann getrost in seine Wollrestekiste greifen oder die passenden Farben für die aktuelle Winterjacke kaufen, eine Häkelnadel Nr. 6 und los geht es.

Tipp: Immer wieder nach den ersten Runden eine Passprobe machen. Jeder Häkler arbeitet anders. Wer locker häkelt, nimmt lieber eine dünnere Nadel. Wer die Wolle mit Krampf durch die Schlingen zwingt, der holt sich die Häkelnadel eine halbe Stärke dicker und schon passt es wieder.

Boshi = Häkelmütze = cool = leicht zu machen

trendig rosa für Girls (Bild: a.sansone)

Kreativität hat seinen Wert. Auch die Boshi-Boys müssen beim Bäcker ihre Brötchen bezahlen.

Grundanleitungen liefern die my Boshi Brothers aber nun auch online.

  • Wer eine der Boshi- Mützen häkeln will, besorgt sich eines der Bücher und hat damit eine solide Grundlage für ganz viele Geschenke oder leiht es aus der öffentlichen Bücherei aus.
  • Wer sich ein Buch aus der Bücherei ausleiht, kann ruckzuck ein Mütze häkeln. Wenn man sich die Anleitung notiert, ist für "Wiederholungstäter" alles klar.

 

Blick in die Buchhandlungen - oh myboshi - was es da alles gibt!
Vom Buch bis zur Wolle oder ...

Vom Buch bis zur Wolle oder Häkelnadel - alles da! (Bild: a.sansone)

myboshi No 3 mit myboshi-Wolle

(Bild: adele sansone)

 

Anmerkung: Wenn ich teste, dann gründlich. Mütze No 3 habe ich mit der Original-myboshi-Wolle gehäkelt. Dieses Mischgarn, 70 % Acryl, 30 % Wolle, ist farblich zwar echt toll, mir persönlich aber vom Griff her zu kompakt. Mir ist ein weicheres Wolle/Mischgarn lieber.

Wenn es trotz Anleitung nicht passt

Ein Rat, den man immer geben kann, ist sich nicht zu 100% auf die Anleitung zu verlassen. Man kann sie als Grundlage nehmen, aber nicht als total verlässliche Ansage.
Noch einmal: Nimm einfach eine Häkelnadel größer, wenn du sehr fest häkeln solltest. Außerdem muss man eventuell ein oder zwei Reihen mehr an Zunahmen machen.

Die Länge der Mütze hängt vom Kopf ab, für den die Mütze passen soll. Auch von der eigenen Vorliebe. Der eine mag die Ohren frei, der andere hat es gerne schön warm um die Ohren.  Am besten probieren lassen.

Tipp: Das erste Boshi-Modell häkelt man am besten für sich selbst. Man kann ein wenig üben, der eigene Kopf ist zum Anprobieren, ob die Maschenzahl so passt auch meistens dabei und bis man für seine Liebsten häkelt, ist man schon gut eingeschossen.

Wenn es eine Überraschung sein soll, an einer gut passenden Mütze immer wieder vergleichen, denn kein Kopf ist gleich.

Anmerkung. ich habe drei verschiedene Mützenmodelle aus "mützenundmehr" gehäkelt und bin damit problemlos klar gekommen. Ich bin kein Häkellaie, aber auch kein Profi, sondern gesundes Mittelmaß. Reste verwerten allerdings macht so wirklich Spaß.

Die fabelhaften Boshi-Boys

Häkeln ist doch nichts für Jungs? Thomas Jaenisch und Felix Rohland sehen das natürlich ganz anders, denn sie sind die cleveren Boshi-Gründer. Aktuell stehen sie an der Spitze der Handarbeitsbewegung, ihre Bücher sind Bestseller. Alle wollen ihre bunten Mützen; entweder kaufen oder selbst häkeln.

Und so begann ihre Erfolgsstory: Die Jungs lieben den Schnee, die Berge und den Winter. Sie studieren und jobben nebenher als Skilehrer. Eine Fahrt mit 40 europäischen Skikollegen vor einigen Jahren nach Japan besiegelt ihr Schicksal. Denn abends in der Unterkunft ist es so fad, dass sie sich glatt von einer spanischen Kollegin das Häkeln beibringen lassen.

"Da gab es diese Frotzeleien, Männer häkeln nicht und so", erklärt Thomas Jaenisch. "Also wollten wir das mal ausprobieren. Uns war so langweilig." Die Jungs häkelten. Und häkelten und häkelten.

In Tokio fanden zwei Australier: "Hey, coole Mützen!" Für knapp zehn Euro verkauften Thomas und Felix ihre ersten selbst gehäkelten Mützen.  Zu Hause verkauften sie dann Mützen an Freunde und Bekannte. Im Frühjahr 2009 gründeten sie ihr Label myboshi; auf Japanisch heißt Mütze "Boshi".

Das kleine Etwas, das Besondere an den Boshis - der Konfigurator

Das Internet ist einfach das Instrument der jungen Generation. Deshalb war das Erfolgsrezept ein Konfigurator, wo sich der Kunde aktuell seine eigene Mütze zusammenstellen kann: Konfigurator für Form, Farben, Muster. Aus den ganzen Modellen kann man sich so durch die eigene Farbauswahl wirklich "myboshi", also sein ganz individuelles Mützenmodell herstellen lassen. Genial.

Spätestens nach zwei Wochen liegt die individuelle Boshi im Briefkasten. Normalpreis: ab 45,00 € aufwärts.

die HäkeldamenDie beiden häkeln nicht mehr selbst, denn die Mützen-on-Demand werden outgesourct, sprich "Häkelomas" aus der Region häkeln für die Jungs. Bis zu 40 Frauen arbeiten auf 400-Euro-Basis für myboshi. Pro Boshi verdient eine Heimarbeiterin etwa sieben Euro; das ergibt einen Stundenlohn von weniger als 6 Euro netto! Hier setzt auch Kritik an, denn die Wolle macht keine 10 Euro pro Mütze, bleiben über 30 Euro für Werbung, Logistik und Gewinn über. Kommentar von Thomas Jaenisch: "Der lohn stimmt so zum Glück nicht, ansonsten ein schöner artikel" (Sobald aktuellere Daten da sind, wird das natürlich richtig gestellt.)

Boshi und mehr

Weil diese Mützenkreationen vor allem vom Zeitgeist leben, also flott hergestellt werden müssen, kamen die beiden natürlich auch an den Rand ihrer Kapazitäten.

Clever genug starteten sie den Weg in die Handarbeitsecke. Ihr erstes Buch zum Nachhäkeln ihrer Boshis war so ein Renner, dass der Nachfolger "mützenundmehr" eine logische Fortsetzung war.
Wer verrückt genug auf die handgearbeiteten bunten Mützen ist, mag auch noch andere Accessoires. Taschen, Schals, Handytaschen und mehr. Diese lassen sich aber in Handarbeit, selbst wenn es Niedriglöhne sind, kaum mehr preiswert herstellen. Also ab ins eigene Stübchen, selber seine Boshi und seinen Schal herstellen.

Da in den Büchern sogar einige "myboshi" Labels zum Aufnähen drin sind, steht der trendigen Eigenproduktion fast nichts mehr im Wege - außer zwei linken Händen? Auch das lässt sich durch etwas Übung bald beherrschen.

Also - eins, zwei, los! Auf zur ersten Boshi!

Thomas Jaenisch und Felix Rohland

"Alter Schwede" Die Urväter des Mützenbooms

Die Idee von Thomas Jaenisch und Felix Rohland mit ihrer Mützenlinie ist wirklich super! Die einzelnen Modelltypen abwechslungsreich und trendig. Aber die Jungs als Erfinder eines neuen Häkelbooms hinzustellen, ist dennoch überzogen. Die beiden schwedischen Freeride-Profis Kaj Zackrisson & Sverre Liliequist haben bereits im Jahre 2001 mit selbst gehäkelten Mützen ihr Label Kask gegründet. 1995 häkelte Sverre bereits seine erste Mütze. Der Grund für den Häkel-Start war ebenfalls Langeweile bei schlechtem Wetter. Kask » History

Es gibt auch weibliche Konkurrenz - das Label "mai"

Anne Tu Quoc aus Freiburg produziert gestrickte Mützen, Handmade in Switzerland. Seit 2006, 2007. Ein bisserl ist da schon gemogelt beim Handmade, denn die Form der Mütze wird längst nicht mehr von Anne selbst mit zwei oder 5 Nadeln, einem Nadelspiel, Masche für Masche händisch gestrickt, sondern mit einer Strickmaschine unterstützt. Wir wollen nicht kleinlich sein. Bommel, etc. wird händisch gefertigt und angenäht.
Die ersten Schritte kamen mithilfe der älteren Generation zustande, Nachhilfe von Tante und Großmutter. Die erste Mütze fiel optisch so ansprechend aus, dass man sie nach der Marke fragte. Die ersten Aufträge trudelten in Arosa von Freunden und Bekannten ein. Sie fertigte die Mützen passend zur jeweiligen Winterjacke an. Die Folge: Nun gründete sie wirklich ein Label "mai" vietnamesisch für Kirschblüte, eine Verbeugung zum Herkunftsland ihres Vaters. Mit Website und Katalog geht es nun mittels Heimarbeiterinnen munter weiter. www.mai-style.ch

Eine gute Idee bleibt nie allein

Weitere Konkurrenz aus Deutschland. Hatnut

Klingeling ... unter dem Weihnachtsbaum

Damit dann die myboshi unter dem Weihnachtsbaum so richtig zur Geltung kommt, noch ein wenig weihnachtliche Nachhilfe:

Oder einmal ein blühendes Geschenk machen - Wie wäre es mal mit dem Weihnachtskaktus?

Adele_Sansone, am 27.09.2013
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Bildquelle:
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