Alzheimer-Medikament führt zur Revolte

Cover "Planet der Affen: Prevolution"Will Rodman (James Franco) forscht bei einem großen Pharmakonzern an einem Medikament gegen die Alzheimer-Krankheit. Seine leidenschaftliche Arbeit hat private Gründe: Sein Vater (John Lithgow) leidet an der tückischen Krankheit und muss seither von einer Pflegerin betreut werden. Einen Durchbruch scheint er mit dem Virusstamm namens ALZ-112 erzielt zu haben, der zerstörtes Gehirngewebe wieder aufbaut sowie die Intelligenz fördert, wie sein Forschungsteam bei Versuchen mit Schimpansen feststellt. Leider sind die Nebenwirkungen eklatant, weshalb das Projekt eingestampft wird und die Versuchstiere eingeschläfert werden.

 

Nur ein Schimpansenbaby überlebt durch Zufall und wird von Will zu Hause aufgezogen. Sein Vater, der vor seiner Erkrankung begeistert die Werke von Shakespeare las, tauft das Junge auf den Namen Cäsar (CGI-Modell animiert von Schauspieler Andy Serkis). Will ist von der überragenden Intelligenz des Affen verblüfft und sieht eine Chance, die Demenz seines Vaters zu stoppen. Heimlich versorgt er sich mit Restbeständen des ALZ-112-Medikaments und injiziert seinem Vater die Viren.

 

Tatsächlich geschieht das Unglaubliche: Er gesundet nicht nur vollständig, sondern verfügt über bessere intellektuelle Leistungen als je zuvor! Die anfängliche Harmonie im Hause Rodman wird aber getrübt, als Cäsar auf polizeiliche Anordnung in ein schäbiges Tierheim verfrachtet werden muss. Der hyperintelligente Schimpanse befindet sich plötzlich in einer für ihn völlig fremden Umgebung, in der er von normalen Artgenossen umgeben ist, die ihn ablehnen. Von den Missständen im Tierheim und der Enttäuschung ob des "Verrats" seines Ziehvaters enttäuscht beschließt er, eine für die Menschheit folgenreiche Revolte anzuzetteln...

Trailer "Planet der Affen: Prevolution"

Anders als Tim Burton - zum Glück!

Die Skepsis unter Filmfans war groß, als Gerüchte von einem neuen "Planet der Affen"-Teil die Runde machten. Schließlich hatte 2001 Regie-Exzentriker Tim Burton ("Alice im Wunderland", "Ed Wood") mit seinem Affenzirkus eine der größten cineastischen Enttäuschungen des Jahres abgeliefert. Und dann sollte auch noch der in Punkto Blockbuster unbeleckte Rupert Wyatt ("The Escapist") die Geschickte der 90 Millionen Dollar teuren Produktion leiten. Was anderes, außer einem weiteren Schrottbuster könnte dabei schon herauskommen?

 

Loses Remake von "Eroberung vom Planet der Affen"

Mit "Planet der Affen: Prevolution" liefert Wyatt eine höchst schlagfertige Antwort. Sein Reboot der beliebten Filmserie überrascht nämlich auf angenehme Weise. Im Gegensatz zu Tim Burton orientierte er sich nicht an Franklin Schaffners Originalversion, sondern - sehr lose - an der 1972 entstandenen Fortsetzung "Eroberung vom Planet der Affen" von J. Lee Thompson. Vierzig Jahre zuvor führte der hyperintelligente Schimpanse Cäsar eine Revolte der Affen gegen die sie unterdrückenden Menschen an, was in einem ironischen Zirkelschluss zu den Ereignissen des Kassenknüllers von 1968 mit Charlton Heston in der Hauptrolle zurückführt - Zeitreisenparadoxa inklusive.

 

Dabei legt "Planet der Affen: Prevolution" aber weitaus mehr Wert auf das Herausarbeiten der späteren Konflikte und bettet die Story in einen tragischen Kontext ein: Der Protagonist agiert mit besten Absichten, wenn er ein Heilmittel gegen die bösartige Alzheimer-Krankheit finden möchte, die seinen geliebten Vater zu einem Schatten seiner Selbst degradiert (was übrigens auch in "Deep Blue Sea" als eigentliches Motiv der leidenschaftlichen Forschungsarbeiten diente). Dabei fungiert Wissenschaftler Will Rodman als tragischer Held. Denn der von ihm entwickelte Virenstamm bekämpft die Krankheit anfangs tatsächlich erfolgreich und würde nicht nur dem Pharmakonzern riesige Gewinne bescheren, sondern vor allem der Menschheit einen großen Dienst erweisen. Irgendwelche negativen Folgen, etwa in Hinsicht auf militärische Nutzung, sind nicht zu befürchten. Trotzdem setzt er jene Ereignisse in Gang, die schließlich zur Katastrophe führen sollen.

 

Schimpanse mit Cäsarenwahn?

Indem Regisseur Wyatt den Fokus auf den Minikosmos eines dysfunktionalen Familienverbandes aus Sohn, dementen Vater und hyperintelligenten Schimpansen richtet, haucht er seinem "Planet der Affen: Prevolution" jenes Leben ein, das den meisten Blockbustern der letzten Jahre gänzlich fehlte. Die Palette der abgedeckten Gefühle reicht von Liebe und Zuwendung über Kränkung bis hin zu abgrundtiefem Hass. Wer die Qualität von Filmen an der Anzahl von Explosionen, üppigen Dekolletes und sinnbefreiten Dialogen misst, sollte um diesen Streifen einen weiten Bogen machen. Ausgerechnet in einem Science-Fiction-Streifen rund um einen intelligenten Schimpansen findet man mehr Herz als in den meisten übrigen Hollywood-Produktionen. Der Zuschauer kann gar nicht umhin, Sympathien für den schlauen, aber einsamen Cäsar zu empfinden, der als einzigartiges Geschöpf heranwächst und schlussendlich - wenn auch unfreiwillig - von seinem Ziehvater und dessen Freundin verstoßen wird. Kann man es ihm verübeln, wenn er verbittert den Kampf gegen das Unrecht aufnimmt?

 

Überhaupt ist Cäsar einer der berührendsten Performance-Capture-Charaktere der Filmgeschichte. Schauspieler Andy Serkis, berühmte geworden als Gollum in der "Herr der Ringe"-Trilogie, verkörpert nach "King Kong" erneut einen der Sprache nicht mächtigen Affen. Und abermals verleiht er der künstlichen Figur eine dermaßen überzeugende Minik, dass jedes gesprochene Wort ohnehin überflüssig wäre. Ein Blick in Cäsars Gesicht genügt um zu verstehen, was in seinem Kopf vor sich geht.

"Planet der Affen: Prevolution": Viel Herz und Gefühl

An innerer Spannung liefert "Planet der Affen: Prevolution" ein großartiges und überzeugendes Filmwerk ab, das den Grundstein für ein Sequel legt, auf das man sich freuen darf. Falls man in Wyatts Streifen Schwächen suchen möchte, sind diese eher nebensächlicher Natur. Etwa die sehr klischeehaften Figurenzeichnungen der Tierheimbetreiber als Sadisten oder Freida Pintos Rolle, die mit "optischer Aufputz" leider hinreichend umrissen werden kann.

 

Dafür stellt der in "127 Hours" bestechende Jungstar James Franco erneut sein Talent unter Beweis, wobei er - wenig überraschend - vom wesentlich älteren und routinierteren Briten John Lithgow (unter anderem "Cliffhanger", "Footloose") in gemeinsamen Szenen an die Wand gespielt wird. Zudem wäre es eine erfreuliche Abwechslung, wenn private Konzerne und deren Aktionäre und Geschäftsführer nicht ausschließlich als geldgierige, über Leichen gehende Bestien porträtiert werden würden, wie es leider auch hierbei wieder einmal der Fall ist. Darauf, dass der deutsche Titel pseudo-origineller Käse ist, muss man ohnehin kaum noch hinweisen.

 

Doch sollen diese Mäkeleien niemanden davon abhalten, "Planet der Affen: Prevolution" anzuschauen und endlich mal wieder einen durchaus niveauvollen, spannenden Blockbuster mit viel Herz und Gefühl zu erleben.

Originaltitel: "Rise of the Planet of the Apes"

Regie: Rupert Wyatt

Produktionsland und -jahr: USA 2011

Filmlänge: ca. 105 Minuten

Verleih: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Deutscher Kinostart: 11. August 2011

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Autor seit 6 Jahren
835 Seiten
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