Sommerflieder im Garten und seine Schmetterlingsbesucher

Admiral (Bild: a.sansone)

Kleines botanisches Glossar über Buddleja davidii, den Schmetterlingsstrauch

Schmetterlingsstrauch/Schmetterlingsflieder/Sommerflieder, Buddleja davidii, gehört (lt. den neuesten Erkenntnissen) zu der Familie der Scrophulariaceae/Braunwurzgewächse (wie etwa auch die Königskerze).

Er ist ein etwa 3+ m hoher Strauch, die Blätter sind gegenständig, lanzettlich zugespitzt, fein gezähnt, unterseits graufilzig, oberseits eher kahl.

Seine Blüten sind zygomorphe Blüten, das sind Blüten mit einer Symmetrie-Ebene, nur scheinbar radiär.; vier Kelchblätter, vier Kronblätter röhrenförmig verwachsen mit Saumund.

Der Blütenstand aus vielen Einzelblüten ist eine lange Rispe. Frucht: Kapsel.
Blütezeit Juli August

 

Was bringt der Schmetterlingsflieder den Schmetterlingen?

Nektar: Die nektarreichen Blüten locken viele Schmetterlinge an, Edelfalter wie Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Distelfalter oder Admiral. Auch Bienen, Hummeln und andere Insekten besuchen ihn gerne.

Für den Erhalt an Schmetterlingen ebenso wichtig sind aber die Raupenfutterpflanzen. Wenn diese in einem Garten mit Sommerflieder fehlen, dann verleitet er höchsten zu langem Anflug und weiter nichts.

Buddleja davidii - Wo stammt der Name her?

Mal kurz auf den botanischen Namen zurück gekehrt: Die Gattung Buddleja ist benannt nach dem engl. Botaniker Adam Buddle (17.Jhdt). Die Artbezeichnung davidii wiederum verdankt er dem franz. Missionar Pater Armand David (1869), der ihn entdeckt hat.

 

Buddleja-Arten

Buddleja alternifolia (Bild: Maggi_94 / Flickr)

Welche Arten an Buddleja gibt es?

Nur kurz angeführt verschiedene Buddleja-Arten (Bilder siehe oben):

Buddleja

  • varabilis
  • alternifolia: blasslila, blüht am vorjährigen Holz, kann man auch zu Hochstamm gestalten
  • asiatica: weiß, frostempfindlich, Kübelpflanze
  • auriculata: frostempfindlich, Kletterstrauch creme orange bis fliederfarveben
  • colvilei:Baum, große Blüten, rosa bis scharlachrot
  • crispa
  • davidii: der hier besprochene Schmetterlingsstrauch
  • fallowiana: frostempfindlich
  • globosa: aus Chile Argentinen, orange, Kübelpflanze
  • lindleyana
  • madagascariensis: kletternd
  • nivea: Zeige flauig weiß, Blüten weiß bis blass purpurfarben
  • saligna: bis 10 m hoch
  • salviifolia aus Afrika
  • x weyeriana: Züchtungen/Kreuzungen aus Buddleja davidii und Buddleja globosa
Vielfältige Besucher am Schmetterlingsflieder

Iphiclides podalirius (Bild: ComputerHotline / Flickr)

Ein Argument von Fred Pearce, einem Verteidiger der pflanzlichen Einwanderer:

"Der Sommerflieder in den englischen Cottagegärten ist mit ein Grund warum sich Schmetterlinge aus dem ländlichen Raum, wo ihnen durch die Agrarindustrie kaum noch Wildblumen-Vielfalt erhalten blieb, in stadtnahe Besiedlungsräume begeben. Auch alte Industriestätten, ehemalige Minen oder aufgelassene Kohlekraftwerke werden durch Pionierpflanzen, wie den Sommerflieder, wieder neu besiedelt. Was also ist so verwerflich an ihnen? Verdrängen sie wirklich oder nehmen sie nur Plätze ein, die kein anderer haben will?"

Aus diesen Gründen wird gegen den Sommerflieder gewettert:

  1. Ein invasiver Neophyt: Der Sommerflieder(Buddleja davidii) wird als invasiver Neophyt eingestuft. «Neophyten sind gebietsfremde Pflanzenarten, die nach dem Jahr 1500 in die Schweiz eingebracht wurden und wildlebend etabliert sind. Invasive Neophyten sind Pflanzenarten, die sich so stark und rasch ausbreiten, dass sie andere für den betreffenden Lebensraum charakteristische Arten verdrängen» (Definition www.infoflora.ch).

  2. Kein Eiablageplatz für Schmetterlinge Viele Menschen pflanzen den Sommerflieder und haben daneben nur Rasenwüste. Der Sommerflieder lockt mit seinem Nektarreichtum die Schmetterlinge an, ist aber nicht als Futterpflanze für Raupen geeignet. Zur Eiablage in der Nähe finden sie dann kaum Pflanzen. Das ist für den Bestand der Schmetterlinge sehr schlecht.
  3. Die Samenstände vom Schmetterlingsflieder bergen tausende Samen, die sich sehr leicht verbreiten. Werden die reifen Samenstände abgeschnitten und (sträflich) wild entsorgt, so breitet sich der Strauch als heimische Pflanzen verdrängender Neophyt (siehePunkt 1) unverhältnismäßig stark aus.
  4. Da der Sommerflieder außerordentlich trockenresistent, hitze- und stadtklimafest und rauchhart ist, gilt er als Erstbesiedler. Entlang von Flüssen verdrängt er einheimischen Uferbewuchs wie Weiden, die im Frühjahr eine wichtige Bienenweide darstellen. 1928 wurden Buddlejapflanzen erstmals in Deutschland auf einer Schotterinsel im Rhein entdeckt. Heute findet sich der Sommerflieder häufig entlang von Bahngleisen und auf brach liegenden Industrieflächen sowie entlang von Uferböschungen.
  5. Und da setzt Gegenkritik an: Nicht heimische Arten werden verdrängt, sondern Böden, die für heimische Arten oftmals zu verseucht oder zu wenig attraktiv sind, werden erstbesiedelt. Der Sommerflieder ist eine Pionierpflanze, das heisst, er siedelt sich gerne dort an, wo nicht oder noch nicht viel wächst, wo es also noch genügend offenen Boden hat (Kiesplätze, Fels- und Mauerritzen, aber auch verseuchte Böden usw.). Die Samen brauchen zum Keimen keine Nährstoffe, sie sind also anspruchslos (Quelle: Fred Pearce/Die neuen Wilden.) Da er nasse Füße nicht mag, wird er den Platz den Weiden gerne bald wieder überlassen.
"Böser invasiver" Sommerflieder an Brachstellen

Buddleja davidii (Bild: anro0002 / Flickr)

Betrunkene Schmetterlinge: wahr oder falsch?

Im Netz haben sich mehrere BloggerInnen dieses Themas angenommen. Ich zitiere einfach und Sie können ja gerne näher nachlesen:

  • Die Gartenbotschafterin fand auf Facebook eine Schlagzeile, die den Sommerflieder als *Falterfalle bezeichnete. Angeblich sollen die Glycoside, die dieser Strauch enthält, schädlich für Schmetterlinge sein -Motto: bekiffte Schmetterlinge
  • Die BloggerIn Waldgarten meint dazu: Diese Beobachtungen habe ich bislang eindeutig nicht gemacht! Mir fallen in der Dämmerung lediglich die Nachtfalter am Sommerflieder auf! Die Taumeligkeit führe ich persönlich auf andere Umstände zurück....

Und den Nachsatz von Waldgarten kann ich persönlich nur mit unterschreiben: Ich habe eindeutig mehr Bedenken wegen der Gifte in der Landwirtschaft, die nicht nur schmetterlings-giftig sind!

Also sollten wir vielleicht die trunkenen Schmetterlinge, die übrigens auch faulendes Obst lieben, eher gelassen hinnehmen.
*An meinem Sommerflieder im Garten konnte ich im Laufe von vielen Jahren weder besonders taumelnde Schmetterlinge, noch Dutzende lauernde Vögel ausmachen. Aber vielleicht liegt das ja auch an meinem Brennnessel-Reichtum in Sommerflieder Nähe? Nur viele schöne Fotos sind entstanden.

Sommerflieder als Heilpflanze und als Kosmetikum

Der Schmetterlingsstrauch wird als wenig giftig eingestuft, am meisten Wirkstoffe sind in den Blättern und den Samen enthalten. Wirkstoffe sind die Glykoside Catalpol, Methylcatalpol, Aucubin und verschiedene Saponine.

Sommerflieder als Heilpflanze:

In China wird der Sommerflieder als Heilpflanze eingesetzt. Die Verwendung in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) Leber- und Bronchialerkrankungen, aber auch Wundheilung bei oberflächlichen Hautverletzungen. Auch die Alternativmedizin nach Dr. Bach nutzt Tropfen aus Sommerflieder (Weeping Butterfly).

Sommerflieder in Naturkosmetik:

In Hautpflegeprodukten wird der wässrige Extrakt der Blüten als Radikalfänger eingesetzt, er schützt außerdem vor UV-Schäden und wirkt entzündungshemmend.

Sommerflieder gerne, aber ...

Wenn Sie natur- und umweltbewusst den Garten gestalten möchten, dann ist es ein Leichtes den "oh Schreck" Sommerflieder mit gutem Gewissen zu vereinbaren.

  • Planen Sie einen kleinen Wildbereich in ihrem Garten ein, wo ausreichend Futterpflanzen für Eiablage und Raupenfutter den ganzen Sommer über stehen bleiben können.
  • Entfernen Sie die abgeblühten Zweige noch ehe die Samen reifen können. Sie haben länger Freude am Strauch, weil er weitere Nachblüten liefert.
  • Entsorgen Sie "nie, nie, nie" Abgeblühtes wild im Wald oder freien Wiesenbereich.
  • Der Sommerflieder bietet die beste Möglichkeit, einige unserer schönsten Falter in Ruhe aus der Nähe betrachten zu können.
  • Tipps zur Pflanzung: Der Strauch sollte freistehend sein, also nicht unter Bäumen stehen, um
    Vögeln keine bequeme Sitzwarte zur Jagd nach den Schmetterlingen zu bieten.

Einheimische Alternativen zum Sommerflieder können sein: Sanddorn, Holunder, Besenginster, Färber-Ginster, Felsenmispel, Zimt-Rose oder andere Wildrosen-Arten.

Diese Pflanzen sind zusätzlich zum Sommerflieder für Raupen nützlich

Wer im Garten Brennnesseln hat, der bekommt auch sicher zahlreichen Besuch von Admiral, Tagpfauenauge oder Kleinem Fuchs. Schwalbenschwanz und Kohlweißling lieben Kulturpflanzen, wie Kohlgewächse, Dill oder Wilde Möhre, andere Kreuzblütler, wo man einige Exemplare den Schmetterlingen überlassen kann. Auch Kapuzinerkresse wird dankbar als Futterpflanze angenommen. Halbschattige Plätze mit Wildbewuchs dienen Zitronenfalter, C-Falter, Ochsenauge als Ei-Ablage. Auch Himbeerpflanzen und Johannisbeeren ernähren so manche Schmetterlingsraupe.

Diese nektarreichen Pflanzen lieben Schmetterlinge noch

Färberkamille, Kartäusernelke, Bartnelken, Kugeldistel, Rittersporn, Rispen-Hortensie, Blutweiderich, Rote Fetthenne, Lavendel, und und und ...

 

Lesetipp: So pflanzen Sie einen Schmetterlingsgarten

Quellen

Neben der eigenen gärtnerischen Erfahrung und Recherchen,unter anderem diese Fachbücher

  • Botanica, Könemann; Verlagsgesellschaft mbH, 2000 Köln
  • Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, Genaust; Nikol Verlag, 2012 Hamburg
  • Das große Bilderlexikon der Gartenpflanzen, Herwig; Südwest Verlag, 1978 München
  • Die neuen Wilden, Fred Pearce; oekom verlag München, 2015
  • Insekten & Schmetterlinge, GU Naturführer, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, 2012 München
  • Schmetterlinge, Steinbachs Naturführer; Ulmer Verlag, 2010 Stuttgart
Adele_Sansone, am 17.07.2018
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (So pflanzen Sie einen Schmetterlingsgarten)

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