Kalkkögel

Kalkkögelblick von der Axamer Lizum aus (Bild: a.sansone)

Die Kalkkögel als "Nordtiroler Dolomiten"

Ein Blick von Innsbruck Richtung Süden verwirrt so manchen Betrachter. Ein Gebirgsblock wirkt so anders, als die ihn umgebenden Berge. Dolomiten sind doch in Südtirol, oder nicht?

Es handelt sich dabei um die Kalkkögel, einen dolomitischen Gebirgsstock, der auch dem geologisch Unkundigen als fremdartig zwischen den ihn umgebenden Gipfeln erscheint, weshalb sie oft auch als "Nordtiroler Dolomiten" bezeichnet werden.

 

Die Gebirgskette Kalkkögel im Kurzporträt

Die Kalkkögel sind eine Gebirgskette, die zu den Stubaier Alpen in Tirol gehört. Dieser aus Dolomitgestein bestehende Gebirgsstock ist ein Teil einer mächtigen geologischen Decke, dem Brennermesozoikum, das bis auf wenige Reste abgetragen wurde. So stehen sie sichtbar neben der Ötztal- und Stubaimasse aus Altkristallin und heben sich dadurch besonders hervor.

Die Kalkkögel mit der Axamer Lizum sind ein Wander- und Klettergebiet, sowie ein beliebtes Skigebiet.

Der höchste Punkt ist die Schlicker Seespitze mit 2.804 m. Weitere Gipfel sind die Saile (Nockspitze) 2.404m, der Ampferstein 2.566m, die Marcheisenspitze 2.620m, Hochtennspitze 2.549m, Große Ochsenwand 2.700m und die Schlicker Seespitze 2.804m. Karte

Die Kalkkögel sind von Grinzens aus über die Kemater Alm und die Adolf-Pichler-Hütte her oder von der Axamer Lizum ausgehend, erreichbar.

1983 wurde das Ruhegebiet Kalkkögel ausgerufen, das mit 77,7 km² fast die gesamten Kalkkögel und umliegende Gebiete umfasst.

tolles Panorama Kalkkögel (Bild: a.sansone)

Eine Rundwanderung in den Kalkkögeln von der Axamer Lizum aus

Die Axamer Lizum ist von Innsbruck aus sowohl mit dem eigenen PKW als auch in der Wandersaison (wie auch in der Wintersaison) mit dem Bus leicht erreichbar.

Von der Axamer Lizum (1.560 m) steigt man am Denkmalbodensteig zum Hoadlsattel (2.264 m) auf. Am Hoadlsattel öffnet sich gegen Südwesten ein schöner Ausblick zur Adolf Pichler Hütte, zum Seejöchl, Gamskogel und vielen anderen Gipfeln der Stubaier Alpen.

Aktuell-Sommer 2016- kann man zum Auf- oder Abstieg zum Hoadl auch derzeit die Standseilbahn benützen!

Dann wendet man sich auf dem Hochtennbodensteig leicht ansteigend zum Hochtennboden. Hier erreicht man eine hochalpine Wiese. Im Sommer von hunderten grasenden Schafen liebevoll betupft. Leicht an- und absteigend geht es über den Widdersberg-Sattel (2.262 m) weiter.

Über das Lizumer Kar wiederum ansteigend, kann man mit genügend Kondition einen kurzen (möglichen) Abstecher zur Schneiderspitze (2.156 m) machen, von der aus man einen wunderbaren Ausblick auf den gesamten Steig hat. Den Steig geradewegs weiter wandert man dann zum Halsl (1992 m). Hier ist der Übergang von der Axamer Lizum ins Stubaital.

Hier könnte der konditionsstarke Bergwanderer also sogar den Brückenschlag ins Stubai - ganz ohne Seilbahnen und störende Seilbahnstützen - ohne weiteres machen.

Vom Halsl aus kehrt man in die Axamer Lizum zurück.

  • Dauer: etwa 4 bis 5 Stunden je nach Kondition
  • Höhenmeter: An- und Abstieg ca. 800 Höhenmeter
  • Wanderstufe: mittel
Alpine Pflanzen - mal klein, mal prächtig

stängelloses Leimkraut mit Besucher (Bild: a.sansone)

Botanisch-alpine Feinheiten in den Kalkkögeln

Das Ruhegebiet Kalkkögel erstreckt sich über mehrere Vegetationseinheiten, von der collin/montanen bis zur hochalpinen Stufe.

  • In tieferen Lagen dominieren Lärchen-Fichtenwälder.
  • Darüber liegen die Gebiete der Zwergstrauchheiden und alpinen Grasheiden, wobei hier beide Alpenrosen-Arten vorkommen: Auf Silikatgestein die Rostrote Alpenrose (Rhododendron ferrugineum), auf Karbonat im Bereich der Kalkkögel selbst die Bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsutum).
  • Die alpinen Grasheiden werden auf Felsabsätzen und in den Schuttrinnen von hochalpiner Pioniervegetation abgelöst.

Führt man diese Wanderung Ende Mai bis Mitte Juni durch, erfreut einen die herrlichste alpine Frühlingspracht. Unter den letzten Schneeresten und in Schneetälchen läutet bereits das Echte Alpenglöckchen (Soldanella alpina) den Frühling ein. Mein Liebling, die mattgelbe Aurikel (Primula auricula) leuchtet mit den Schusternagelen (Gentiana verna) um die Wette. Silberwurz (Dryas octopetala) und Mehlprimel (Primula farinosa) blitzen aus den Matten hervor. Gelegentlich findet man auch noch den Alpen-Hahnenfuß (Ranunculus alpestris). Nach dem endlos langen Winterweiß eine Farbenpracht für das Auge.

Wandert man hingegen in Richtung Hochsommer, übernimmt jahreszeitlich die Alpenrose das Zepter, darauf folgen die alpinen Sommerblüher, wie Arnika (Arnica montana), Gold-Fingerkraut (Potentilla aurea), Sonnenröschen (Helianthemum alpestre) und Gold-Pippau (Crepis aurea).

 

Wer meint, hier auf dem Schotterkegel kann nichts wachsen, irrt

Schotterkegel (Bild: a.sansone)

Nichts kann mit dem Zauber der alpinen Blüten auf kargesten Schuttkegeln mithalten. Das sind die wahren Wunder der Natur. Da stockt dem müdesten Wanderer der Fuß mit dem derben Bergschuh, um nur ja nicht so einen kleinen tapferen Pflanzenzwerg versehentlich zu zertreten.

Pionierpflanzen
Alpen-Thymian/Langhaariger ...

Alpen-Thymian/Langhaariger Thymian/Thymus polytrichus (Bild: a.sansone)

Geologische Spurensuche in der Axamer Lizum

Aber nicht nur der Blumenfreund kann sich an dieser Wanderung begeistern, sondern auch der geologisch interessierte Wanderer. Die Kalkkögel, deren Zacken frappant an die Dolomiten erinnern, sind schon deshalb so interessant, weil hier unterschiedliche Gesteine auf einander treffen. So kann man sich entlang dieser Wanderung auch als geologischer Spurensucher betätigen.

Unter dem Hoadlsattel, bevor der Steig sich die letzte Stufe hinauf windet, wird es bereits interessant. Hier findet man im herumliegenden Geröll Glimmerschiefer (Ötztaler Altkristallin), Quarzite (dem Verrucano zuzuordnen), Dolomitmarmor und Dolomit. Folgt man vom Hoadlsattel dem Hochtennbodensteig, so ist es für den geologisch affinen Wanderer gleich in den ersten 300 Metern besonders spannend.

Man durchquert zuerst mergelige, dünn gebankte Kalke und plattige Marmore der Partnach-Formation (Beckensedimente), bestaunt dann oberhalb des Steiges bis zu circa 30 cm gebankte dolomitische Kalke mit zwischengelagerten, geschieferten Tuffen aus dem Ladin.

Lesetipp: Geologie der Kalkkögel

 

Kalkkögel Falte (Bild: a.sansone)

Besonders attraktiv ist eine auf der Südseite des Steiges in den Himmel ragende Falte, die entlang der Faltenachse durch Tektonik abgeschnitten worden ist und daher besonders auffällt.

Der erste kleine Vorgipfel oberhalb des Steiges ist aus Wettersteindolomit aufgebaut. Am Hochtennboden erreicht man geologisch gesehen das Raibler Niveau. So findet man beim Abstieg Richtung Widdersberg-Sattel zahlreiche Gerölle schwarzen Tonschiefers. Jetzt wandert man hauptsächlich im Bereich des Hauptdolomits weiter, über den Widdersberg-Sattel und dann unter der Nordwand der Marcheisenspitze vorbei. Hier kann man im Geröll bzw. am Fuß der Wand schöne Stromatolithen bewundern, die von den Algenmatten eines seichten Meeres Zeugnis ablegen.

Eine kleine geologische Spurensuche abseits vom üblichen Wanderrhythmus. Aber Achtung: es besteht absolute Suchtgefahr Steine kiloweise nach Hause zu schleppen! 

 

Eine weitaus gemütlichere Tour im Bereich der Kalkkögel, ebenfalls ausgehend von der Axamer Lizum, ist der Butterbründlsteig.

 

Axams

Axams und seine prägnante Kirche (Bild: a.sansone)

Wandern boomt

Würde der sanfte Tourismus auch bei den politischen Vertretern wirklich im Blickpunkt stehen, dann gäbe es hier einige schöne Varianten, auch für Bustouristen und mäßig konditionsstarke Bergwanderer. Was dafür nötig wäre?

  • Die Olympiabahn zum Hoadl fährt wieder auch sommers. (Wie schon viele Jahre zuvor) 2016 aktuell wieder!
  • Das Panoramarestaurant Hoadlhaus hat auch im Sommer geöffnet und bietet, wie im Winter, verschiedene Events an. Der Blick lohnt sich nämlich auch im Sommer und besonders ohne die Seilbahnkonstruktion, die für den Brückenschlag den Blick auf die Kalkkögel unwiederbringlich verändert.
  • Sommertouristen können dann Teile der Wanderwege begehen; Abstiege oder zu anstrengende Aufstiege kann man dann mit der Bahn tätigen.
  • u.s.w. Man muss es nur wollen.

* Im Sommer 2016 sieht man nach Jahren wieder ganze gruppen von Wanderern quer durch die Kalkkögel ziehen; der benutzbarkeit der Olympiabahn ist es sicher gedankt. Viele nutzen es zum Abstieg. Wanderunerfahrene Touristen nutzen es zum in die Berge schnuppern. 

Ein Kalkkögel-Album von 2016 können Sie hier durchblättern.

 

Bergwandern - nicht alleine nur bei Sonnenschein erholsam ...

das erste Grün sich regt - Lizumkapelle (Bild: a.sansone)

Reizwort: Brückenschlag

Ruhegebiet Kalkkögel und Seilbahnpläne? Wie geht das zusammen?

Seit geraumer Zeit geistern Ausbaupläne, die eindeutig den Naturschutzbedingungen eines Ruhegebietes widersprechen, durch die Köpfe der lokalen Politiker und der Seilbahnwirtschaft.

  • Argumentiert wird mit wirtschaftlichen Chancen, ja sogar der nahe Tod des Skigebietes Axamer Lizum wird prophezeit. Umstritten ist erstens die geplante Seilbahn vom Skigebiet Axamer Lizum in die Schlick. Sie würde über das Ruhegebiet Kalkkögel führen.
  • Die Verbindungsbahn soll insgesamt eine Gesamtlänge von 4,7 Kilometer haben. Davon würden etwa 2,5 Kilometer durch das Ruhegebiet Kalkkögel verlaufen. Es sind auch zwei Stützen am Grat im Ruhegebiet geplant. "Das vom Projekt berührte Ruhegebiet Kalkkögel solle überwunden, nicht erschlossen werden", betonte der Axamer Bürgermeister Rudolf Nagl bei einer Präsentation. Seilbahnstützen verändern aber unwiederbringlich einen bisher unberührten Anblick, oder sind die Stützen neuerdings unsichtbar?
  • Der zweite Plan, eine Seilbahn vom heutigen Sonnenlift in Axams direkt auf die Pleisen zu führen und dafür auch im Dorf die entsprechenden Gründe für den nötigen Parkplatz zur Verfügung zu stellen, stößt auf breite Ablehnung.

  • Nur eine von vielen kritischen Stimmen dazu

 

Winter und zu wenige Skifahrer - sieht das so aus?

Parkplatz voll (Bild: a.sansone)

Was weiters dagegen spricht

  • Die bereits vorhersehbaren schneearmen Winter sprechen solchen Intentionen klar entgegen.

  • Auch das Argument der nötigen Auslastung der Lizum ist ein Vorwand, denn wer an den Winterwochenenden, besonders gegen das Frühjahr hin, verzweifelt in der Lizum einen Parkplatz sucht, der weiß, dass die Auslastung des vorhandenen Skigebietes mehr als gut ist.

  • Was die Bevölkerung der angrenzenden Dörfer wirklich von einem enorm verstärkten Winterverkehr haben soll, hat er, der Bückenschlagbefürworter, den Dorfbewohnern noch nicht wirklich erklären können.
  • Auch wer die Rechnung für dieses millionenschwere Projekt schlussendlich bezahlen wird, ist sogar dem Land noch zu offen, siehe Prüfung des Projektes.

Obwohl in einer Umfrage der Bezirksblätter festgestellt wurde, dass die Mehrheit der lokalen Bevölkerung gegen diesen Brückenschlag ist, "Im Stubaital und im Mittelgebirge sprechen sich knapp zwei Drittel gegen den Zusammenschluss der Skigebiete über die Kalkkögel aus." wird von den regionalen Befürwortern/Politikern bereits brav vor den Ortseinfahrten ein "Ja zum Brückenschlag" plakatiert. Nennt sich das dem "Volk aufs Maul schauen" oder eher dem Volk seinen Willen einbläuen wollen?

Der Vollständigkeit halber - hier sind die Befürworter am Wort. Auch eidesstattliche Erklärungen werden zuletzt veröffentlicht. Hier nachzulesen. Hoffentlich sind sie das Papier auch wert, auf dem sie geschrieben wurden.

2015/2016 Stand zum Thema Brückenschlag in den Kalkkögeln:

2015 hat sich (vorerst) die Tiroler Landesregierung entschlossen keine Erschließung zu unterstützen.

"Die Tiroler ÖVP wird einer Änderung des Naturschutzgesetzes zugunsten eines Seilbahnprojekts über die Kalkkögel nicht zustimmen. Das bekräftigte inzwischen auch Landeshauptmann Günther Platter: "Dieses Projekt geht nicht." Im ORF-Interview sagte er, die Gutachten hätten eindeutig ergeben, dass das Projekt verfassungsrechtlich und völkerrechtlich nicht machbar sei ....

Ein zwischenzeitliches Aufatmen sei erlaubt....

2016

Die ARGE Brückenschlag wagt im September 2016 einen erneuten Vorstoß.... nicht schon wieder.

Achtung - Ironie!

Keine Seilbahnstützen zu sehen. So was von fad! (Bild: a.sansone)

Gehen Sie in die Kalkkögel wandern, genießen Sie diese einmalige Bergkette.

Bevor sie uns die letzten unverbauten Gipfel noch mit Stützen, Tunneln oder künstlichen Panoramaplattformen zupflastern.

 

Adele_Sansone, am 08.12.2014
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