Es geht los! Schneeschmelze - die ersten Blumen apern aus!
Schneeschmelze

Schneeschmelze (Bild: a.sansone)

Ab wann kann man die ersten blühenden Bergblumen entdecken?

Bereits im Februar/März kann man an sonnenexponierten Stellen die erste blühende Schneeheide, Erica carnea entdecken. Auch der Zwergbuchs, der eigentlich ein Kreuzblümchen ist, nämlich Polygala chamaebuxus, blüht schon (Bild). WinDer Frühlings-Krokus, Crocus vernus, folgt kurz darauf.

Im April stehen an bereits aperen (schneefreien) Plätzen die Küchenschellen. Ob Frühlings-Küchenschelle Pulsatilla vernalis (zart weiß bis fliederfarben), Schwefel-Küchenschelle auch Schwefel-Anemone genannt, Pulsatilla alpina subsp. apiifolia, in Schwefelgelb oder die Wiesen-Küchenschelle, Pulsatilla pratensis, in dunkelviolett; sie alle sind eine Pracht und keiner der Besucher verrät, wie bei den Pilzen, den Fundort. Da hilft nur eines; sich selbst auf die Suche zu machen. Lesetipp: Küchenschellen

 

Pulsatilla - Küchenschelle

Schwefelanemone (Bild: adele sansone)

Womit haben die Alpenblumen zu kämpfen?

Der Schöpfer hat es den pflanzlichen Bewohnern der Berge wahrlich nicht leicht gemacht. Kann ein Tier über die harten Wintermonate noch seine Beine in die Hand nehmen und in tiefere Tallagen absteigen, ist eine Pflanze zum Dableiben verdonnert. Heftig zu schaffen machen ihnen:

  • hohe Temperaturunterschiede
  • die intensive Sonnenstrahlung
  • Niederschläge
  • Winde

 

Austrocknung und Frost sind die vordringlichen Gefahren, denen es zu trotzen gilt. All dies beeinflusst das Pflanzenwachstum. Dadurch ergeben sich auch mit fortschreitender Höhe die verschiedenen Vegetationsstufen und die unterschiedlichen Überlebens-Strategien.

Mehr zu diesem Thema

 

Ab Mitte Mai bis Anfang Juni ist die Hochblütezeit der alpinen Frühlingspflanzen

Je nach Höhenlage und Schneereichtum geht es meist Mitte Mai in den Bergen so richtig mit dem Blühen los. Aber Achtung vor Schneefeldern oder Rinnen, die es oftmals noch zu queren gilt.

Die frühesten Blüher, teils noch mitten im schmelzenden Schnee, sind:

Frühlings-Krokus, Alpenglöckchen, Aurikel, die verschiedenen rosafarbenen Primeln, die weißblühende Silberwurz und der Alpen-Hahnenfuß und der zierliche Frühlings-Enzian.

Was von weit noch unscheinbar aussieht ... kann von nah ein Traum sein

Blick von weit (Bild: a.sansone)

Diese Alpenblumen findet man in Schneetälchen

  • Echtes Alpenglöckchen, Soldanella alpina, ein Primelgewächs, bis 15 cm hoch, Blätter rundlich, zartlilafarben gefranste Glöckchen. Es wächst auf Kalk. Seine kleinere Schwester
  • das kleine Alpenglöckchen, Soldanella pusilla, blüht sogar schon vor der Schneeschmelze und leitet an seinem Stängel entlang die Wärme auf den Boden, um den Schnee aufzuschmelzen. Es bevorzugt kalkarme Schneetälchen.
  • Zwerg-Primel, Primula minima, eine fast stängellose rosafarbene Primel folgt kurz darauf.

 

Soldanella alpina (Bild: adele sansone)

Pioniere auf Schutt und Geröll

  • Aurikel, Primula auricula, Primelgewächse, wird bis 30 cm hoch, typisch sind die wie mit Mehl bestäubten mattgrünen fleischigen Blätter, die Blüten zitronen- bis goldgelb, im Schlund weiß. Ohne sie ist eine Wanderung zu den ersten Alpenblumen nicht vollständig.
  • Stängelloses Leimkraut, Silene acaulis, die rosa Pölsterchen stechen überall hervor.

stängelloses Leimkraut (Bild: adele sansone)

Diese Bergblumen lieben die alpinen Rasen

  • Frühlings-Krokus, Crocus vernus, Schwertliliengewächse, weiß bis zartlila, bis 15 cm hoch, typisch der leuchtend gelbrote Griffel.  Krokus
  • Silberwurz, Dryas octopetala, Rosengewächse, ein Rasen bildender Zwergstrauch. Blätter immergrün, eiförmig und gezahnt, Unterseite weißfilzig, Blüten weiß mit goldenem Schlund, acht (octopetala=achtblättrig) Kronblätter - typisch sind auch die Früchte mit dem fedrigen silberglänzenden Griffel, die wie ein kleiner Haarschopf aussehen.
  • Alpen-Hahnenfuß (Ranunculus alpestris) weißblühend wie die Silberwurz, allerdings nur mit 5 Kronblättern. Die Blätter sind glänzend nierenförmig und drei- bis fünflappig.
  • Frühlings-Enzian Gentiana verna, auch "Schusternagerl" genannt, Enziangewächse, bis 10 cm hoch, grundständige Blattrosette, Blätter lanzettlich, spitz, Stängel aufrecht, einblütig, Krone tiefblau.

Diese beiden Enziane folgen zeitlich dicht auf das Schusternagerl, deshalb kann man mit Glück alle gleichzeitig blühend erleben.  Enzian

  • Breitblättriger Enzian, Gentiana acaulis; er wächst auf Silikat. Neben den typischen Streifen sind auch deutlich grüne Flecken im Schlund.
  • Clusius Enzian, Gentiana clusii, ein Enzian auf ganz kurzem Stiel, allerdings ohne grüne Punkte und auf Kalkböden anzutreffen. Wird deshalb auch oft Kalk-Enzian genannt.

Frühlings-Enzian, Mehlprimel, breitblättr. Enzian (Bild: adele sansone)

Feuchte Standorte Hoch- und Niedermoore

  • Mehlprimel (Primula farinosa), Primelgewächse, bis 20 cm hoch, die Blätter oberseits grün, unterseits weiß, Blütenfarbe rosa mit einem gelben Schlund.
  • Alpen Fettblatt Pinguicula vulgaris
  • Sumpf-Dotterblume Ranunculus ficaria
  • Alpenglöckchen Soldanella alpina und Soldanella pusilla

Lesetipp: Was versteht man unter Hochmoor, Niedermoor, Sumpf?

Quellen

... eigene Erfahrungen und erworbenes Wissen um die Vielfalt der alpinen Flora

  • Flora Helvetica, Lauber/Wagner; Haupt Verlag, 2014 Bern
  • Alpenpflanzen in ihren Lebensräumen, Mertz; Haupt Verlag, 2008 Bern

Bekenntnis einer begeisterten Bergblumen-Wanderin

Ich muss gestehen, jedes Frühjahr aufs Neue stehe ich voller Bewunderung vor den frisch erblühten Alpenblumen. Die Schönheit und Klarheit der Farben freut mein Auge, die Zartheit und Winzigkeit so manches Blümchens rührt mein Herz. Bewunderung mischt sich mit Zärtlichkeit für diese Überlebenskünstler.

Wer in die Berge geht und seinen Blick nicht nur nach oben oder in die Weite schweifen lässt, sieht, was da alles Wunderbares am Wegrand auf ihn wartet.

Ehrlich gestanden: So manche mühselige Höhenmeter habe ich beim Bergwandern nur geschafft, weil ich mich von Blume zu Blume den Berg hochgekämpft habe. Alpine Blumen als Doping, sozusagen. Garantiert (fast) ohne Nebenwirkungen.

Einzige echte erwähnenswerte Randerscheinung dabei ist mein Alpenblumen-Album!

Achtung: gefährlich sind Schneefelder und Rinnen

Schneefelder und Rinnen

als sträflich unterschätzte Gefahr beim Wandern

im Frühjahr und Frühsommer.

Sie wissen als Erste Bescheid, wenn es wieder frisches Grün, Blau und Gelb auf den Bergen zu sehen ... und zu genießen gibt:

 Murmeltiere

Wo kann man bereits zeitig im Frühjahr Alpenblumen erleben?

Hier sind einige Wanderempfehlungen:

Das alles blüht im Sommer auf den Bergen.

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Auch Verblühtes kann wunderschön sein.

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Adele_Sansone, am 25.03.2014
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Bildquelle:
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