Die Schwestern Trish (Abigail Schrader) und Jessie (Samantha Lester) befinden sich auf dem Rückflug von New York nach Los Angeles, als das Flugzeug in Turbulenzen gerät und bruchlanden muss. Sie zählen zu den wenigen Überlebenden des Fluges und sehen sich mitten in der Einöde einem weiteren Schrecken gegenüber: Offenbar landeten sie ausgerechnet auf dem streng geheimen Armee-Testgebiet Area 407, wo ein Monster sein Unwesen treibt und das kleine Grüppchen weiter dezimiert. Die Überlebenden können sich in eine Hütte flüchten, stecken dort aber hoffnungslos fest. Über Funk wird ihnen Rettung versprochen, wofür sie aber zum Flugzeugwrack zurückgehen müssten - vorbei an dem blitzschnell zuschlagenden Monster...

Trailer "Area 407" in HD - Ein Fall für den Dino-Flüsterer ... demnächst auf RTL!

Wieder einmal Found footage

Wenngleich "The Blair Witch Project" 1999 das Rad nicht neu erfand, verhalf der sensationell erfolgreiche Billigstreifen dem so genannten "Found footage"-Genre zum Durchbruch. Dabei wird suggeriert, beim Filmmaterial handle es sich um einen Dokumentar- oder Amateurfilm, der - meist nach dem Ableben des Filmemachers - zufällig aufgefunden worden sei. Und wie es nun einmal in der Natur der Sache liegt, versuchten seither zahlreiche Nachahmer, den "Blair Witch Project"-Hype zu wiederholen. Wenigen gelungenen Genrevertretern wie "Cloverfield" oder [REC] geling dies. Die meisten "Found footage"-Filme zeichnen sich jedoch durch sprichwörtlich billige Machweise aus. Der vorliegende Horrorfilm "Area 407" (ursprünglich"Tape 407" benannt) gesellt sich zur mittlerweile kaum noch überschaubaren Flut letztklassiger "Blair Witch Project"-Klone.

 

Dabei beginnt der Film durchaus vielversprechend mit einem clever inszenierten Flugzeugabsturz. Parallel zur harten Landung schlagen aber auch die Hoffnungen des Zuschauers unsanft am Boden der Realität auf. Anstatt eines originellen Monsters oder einer vage angedeuteten Gefahr, werden die Überlebenden von einem dem Kinobesucher aus "Jurassic Park" bekannten Velociraptor gejagt. Leser meiner Film- und Buchrezensionen wissen, dass ich Spoiler tunlichst vermeide, und auch in diesem Fall halte ich mich an meine eiserne Regel. Denn der Trailer nimmt praktisch den gesamten Handlungsverlauf bereits vorweg und enthüllt sogar das Monster in seiner, nun ja, ganzen Glorie. Ein völlig unverständlicher Schachzug, da somit jeglicher Überraschungseffekt wegfällt. Die richtige Herangehensweise hätte das Regie-Duo Dale Fabrigar und Everette Wallin bei "Cloverfield" studieren können: Vage optische Andeutungen und geheimnisvolle Dialoge. Mehr bräuchte es nicht, um Spannung zu erzeugen.

 

Freilich: Dergleichen hat "Area 407" nach dem Flugzeugabsturz ohnehin nicht zu bieten. Die Überlebenden fallen sich gegenseitig und dem Zuschauer durch redundante Handlungen und Dialoge auf die Nerven und werden einer nach dem anderen vom Monster erledigt. Dabei wiederholt sich das Schema ein ums andere Mal, insbesondere die Unart, durch wackelige Kameraeinstellungen das Geschehen nur unscharf zu umreißen oder gänzlich Off-Screen zu verlegen (etwa, wenn ein Darsteller kreischt und in der Dunkelheit vom Monster weggezerrt wird). Einer der Gründe hierfür tritt im Verlaufe des Films immer deutlicher hervor: Das offenbar sehr niedrige Budget erlaubte keine aufwändigen Spezialeffekte oder Ortswechsel.

 

Angeblich wurde "Area 407" in nur fünf Tagen gedreht. Das fertige Resultat erweckt auch den entsprechenden Eindruck: Nicht nur die allzu simplen Dialoge und größtenteils schwachen Schauspielleistungen enttäuschen, sondern vor allem die Absenz von Atmosphäre und Spannung. Ärgerlich, denn der Plot hätte genug Möglichkeiten für einen zwar billig inszenierten, aber halbwegs spannenden Film geboten. Aus der ganzen Prämisse wird aber rein gar nichts herausgeholt und stattdessen in den gängigen Klischees gewühlt. Selbst der verkrampft auf "überraschend" getrimmte Schluss lockt keinen Hund unterm Ofen hervor.

 

Letztendlich wirft dieser Found-Footage-Horror jede Menge Fragen auf, beantwortet aber praktisch keine einzige davon. Woher der Dinosaurier stammt, was es mit dem Testgebiet auf sich hat, inwiefern die Armee involviert hat, wird nicht beantwortet. Wie Subgenre-Primus "Cloverfield" hinlänglich bewies, muss nicht jede Frage bis ins kleinste Detail beantwortet werden. Zumindest einige Anhaltspunkte benötigt der Zuschauer dennoch, damit sein Interesse aufrechterhalten bleibt. Leider ist dies bei "Area 407" nicht der Fall. Vielmehr drängt sich der Verdacht auf, die Macher hätten ihr ursprünglich "Tape 407" betiteltes Projekt noch rasch umbenannt, nachdem sie vom "Area 51"-Mythos erfuhren. Zudem erinnern die Motive der Filmplakate verdächtig an "Jurassic Park 3" sowie "Godzilla". Gegen geschicktes Marketing ist ja nun wirklich nichts einzuwenden. Wenn sich aber das Filmprodukt selbst als komplett hohles Konstrukt entpuppt, scheint wieder einmal das Marketing über die Qualität des Produkts gesiegt zu haben.

 

Fazit: Wer nicht jeden Found-Footage-Film gesehen haben muss und zudem gewisse Qualitätsansprüche hegt, kann sich "Area 407" bedenkenlos schenken.

Originaltitel: Area 407 (Alternativtitel: Tape 407)

Regie: Dale Fabrigar, Everette Wallin

Produktionsland und -jahr: USA, 2011

Filmlänge: ca. 90 Minuten

Verleih: -

Deutscher Kinostart: -

FSK: -

Autor seit 6 Jahren
837 Seiten
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