Die Wacholderdrossel - Steckbrief

Turdus pilaris lautet der lateinische Name der Wacholderdrossel. Das "turdus" zeigt an, dass sie wie die Amsel - auch Schwarzdrossel (Turdus merula) genannt – zu den Drosseln gehört.

In der eintönigen Winterlandschaft oder im weißen Schnee fällt die Wacholderdrossel besonders auf, denn mit ihrer kontrastreichen Färbung ist sie unter den Drosseln die bunteste.

Sie ist etwa so groß wie eine Amsel (ca. 22-27 cm), kann aber deutlich schwerer werden (bis zu 120 Gramm).

Die Wacholderdrossel hat einen rotbraunen Rücken, eine dunkelgelb gefärbte Kehle und Brust mit schwarzen Tupfen, die Flügel sind dunkelbraun und weiß umrandet. Auffällig sind der blaugraue Kopf und der gelbe Schnabel mit der im Winter schwarz gefärbten Spitze.

Männchen und Weibchen sind bei den Wacholderdrosseln kaum zu unterscheiden. Die Weibchen sind etwas grauer und insgesamt etwas weniger bunt gefärbt als die Männchen.

"Laut und nervend" - aber das mit Sinn

Charakteristisch für die Wacholderdrossel ist ihr Ruf, der mit dem Geräusch einer Rassel verglichen wird: Laut und schnarrend klingt er, man bezeichnet ihr "tschack tschack tschack" oder "schack schack schack" auch als Schackern.

Im Volksmund nennt man die Wacholderdrossel deshalb Schacker, Schachtdraussel oder Schreidrossel. Von lieblichem Drosselgesang kann bei ihr keine Rede sein.

Die Wacholderdrossel scheint da jedoch eher praktisch zu denken, denn ihr lauter und als "nervend" bezeichneter Ruf soll vor allem dafür sorgen, Feinde vom Brutplatz fernzuhalten. 

Es scheint das Motto der Wacholderdrossel zu sein: "Gemeinsam sind wir stärker!" Selten sieht man die Vögel alleine, vor allem im Frühjahr und Winter sind sie in größeren Schwärmen unterwegs. Sie brüten häufig in Kolonien und teilen sich einen Schlafplatz. Das macht auch Sinn: Denn gemeinsam leben die Drosseln wesentlich sicherer.

Wo kann man Wacholderdrosseln sehen?

Die Wacholderdrossel kann man vor allem in halboffenen Landschaften sehen, zum Beispiel in Parks und Gartenanlagen oder auf Streuobstwiesen.

Im Frühjahr und Sommer gehören Regenwürmer zu ihrer bevorzugten Nahrung, deshalb sucht sie sich im Mai oder Juni einen Brutplatz in der Nähe feuchter Wiesen mit kurz wachsendem Rasen. Sieht man sie bei der Nahrungssuche über das Gras hüpfen, fühlt man sich an eine Amsel erinnert.

Auch das Nest der Wacholderdrossel ähnelt dem Amselnest, sie baut es auf Bäumen wie der Birke, Weide oder Erle, Eiche, Lärche oder Fichte meistens hoch oben am Stamm.

Wenn sie in den kalten Monaten keine Regenwürmer finden kann, weicht die Wacholderdrossel auf Obst und Beeren aus. Wacholder, Sanddorn, Holunder, Weißdorn, Vogelbeeren – wählerisch ist die Wacholderdrossel nicht. Mehr als 45 verschiedenen Früchte und Beeren konnte man auf ihrem Speiseplan bereits nachweisen.

Woher hat die Wacholderdrossel ihren Namen?

Immer noch wird behauptet, dass die Wacholderdrossel deshalb so heißt, weil sie besonders gerne Wacholderbeeren frisst. Das stimmt jedoch nicht: Ebenso wie bei anderen Vogelarten sind Wacholderbeeren bei der Wacholderdrossel eher weniger beliebt, werden von ihr kaum verzehrt. Viel lieber mag sie zum Beispiel Sanddorn, Weißdorn oder Vogelbeeren.

Tatsächlich weist auch die alte volkstümliche Bezeichnung für die Wacholderdrossel auf den Wacholder hin: Krammetsvogel hat man sie früher genannt, auch Kranevitevogel oder Krammsvogel. Kranawitu ist der Wacholder, die Krammetsbeere die Wacholderbeere.

Möglicherweise ist der Name der Wacholderdrossel aus einem ganz anderen Grund entstanden als aus ihrer vermeintlichen Vorliebe für Wacholderbeeren.

Noch vor einigen Jahrzehnten galt die bunte Drossel als besonderer Leckerbissen für Feinschmecker. Vor allem im Herbst und Winter, wenn ihr zartes Fleisch durch den Verzehr von Beeren angeblich besonders würzig schmecken sollte, hat man Wacholderdrosseln massenhaft gefangen und auf Märkten verkauft. Zum Abschmecken des Vogelbratens nahm man nach alten Rezeptbüchern auch gerne ein wenig Krammet, also Wacholder.

Erst langsam konnte sich der Bestand der Wacholderdrossel wieder erholen.

Heute steht sie wie alle heimischen Vogelarten unter Schutz, darf also nicht gefangen oder gar getötet werden.

Vielen Menschen fällt die Wacholderdrossel erst im Winter auf – warum ist das so?

Ist die Wacholderdrossel denn gar kein in Deutschland heimischer Vogel?

Kommt sie nur als Durchzügler oder Wintergast zu uns?

Eine echte Einheimische ist die Wacholderdrossel wirklich nicht: Ursprünglich stammt sie aus der sibirischen Taiga, hat sich erst vor etwa 200 Jahren nach Süd- und Westeuropa ausgebreitet. Seit Anfang/Mitte des 19. Jahrhunderts ist sie allerdings auch in Deutschland ein recht häufig anzutreffender Brutvogel.

Die Wacholderdrossel ist eher scheu. Wenn im Winter das Nahrungsangebot knapp wird, wenn Schnee liegt oder in Gebieten, wo Beerensträucher fehlen, wagt sie sich eher in die Nähe des Menschen. Ab und zu kommt sie sogar in Gärten oder ans Vogelhaus.

Nordische Wacholderdrosseln – meist aus Skandinavien – sind bei uns in Deutschland im Winter häufige Überwinterungsgäste. Die nordischen Drosseln sind meist etwas größer als unsere heimischen Wacholderdrosseln. Diese verbringen die Wintermonate meist in Süd- oder Mitteleuropa, gerne auch am Mittelmeer.

Leider ist der Zug in den Süden nicht ungefährlich für die Vögel. In ihren Überwinterungsgebieten, z.B. in Frankreich, dürfen Wacholderdrosseln leider immer noch gejagt werden.

Die Wacholderdrossel hat es schwer ...

Erst langsam hat sich ihr Bestand in den letzten Jahren von der intensiven Bejagung erholt, in manchen Gebieten Deutschlands soll er sogar inzwischen wieder deutlich zurückgehen.

Die Wacholderdrossel ist die Drossel mit der geringsten Lebenserwartung. Viele Vögel sterben schon im ersten Jahr, die Brutverluste sind mit 60 Prozent sehr hoch.

Kollektive Kotattacken als effektive Survivalstrategie

Kein Wunder, dass die Wacholderdrossel eine ganz besondere Überlebensstrategie entwickelt hat – Naturschützern und Vogelforschern gibt sie dabei noch einige Rätsel auf.

Ob Habicht, Bussard, Falke, Marder, Waschbär, Fuchs oder Hauskatze: Greift ein Feind die Vögel an, dann setzen sich Wacholderdrosseln gemeinsam zur Wehr. Sie fliegen Attacken auf den Angreifer und bespritzen ihn mit Kot.

Diese "Kotbomben" können verheerend wirken: Die ätzende Harnsäure verklebt Greifvögeln die Federn und macht sie flugunfähig. Ohne menschliche Hilfe müssen die Angreifer verhungern.

Geniale "Erfindung" oder normaler biologischer Vorgang?

Vogelforscher sind sich nicht ganz einig: Die gemeinschaftlichen Kotattacken der Wacholderdrosseln seien eine ganz normale Reaktion, die man auch von anderen Vogelarten kennt, behaupten die einen. Durch Angst und Erregung würde es im Fall einer Bedrohung bei den Vögeln spontan zu Darmentleerungen kommen.

Andere Ornithologen vermuten in der Abwehrstrategie eine geniale "Erfindung" der Wacholderdrosseln. Irgendwann müssten die Vögel diese wirkungsvolle Methode der Feindesabwehr zufällig entdeckt haben. Durch Nachahmung habe sie sich dann rapide unter den Drosseln ausgebreitet. Für diese Vermutung spricht, dass die Kotbombardements vor 1970 bei deutschen Wacholderdrosseln noch kaum bekannt waren. Auch begrenzten sich die Attacken anfangs nur auf ganz bestimmte Gebiete, dehnten sich erst dann nach und nach auch auf andere Regionen Deutschlands aus.

Wirkungsvoll scheint das Kotbombardement auf jeden Fall zu sein: In Gebieten mit erfolgreicher Feindesabwehr hat die Zahl der Wacholderdrosseln explosionsartig zugenommen.

Wacholderdrosseln in den Garten locken

Wer die Wacholderdrossel gerne einmal aus der Nähe sehen und sie in den eigenen Garten locken möchte, der kann ihr im Winter vor allem mit Äpfeln und (ungeschwefelten) Rosinen eine Freude machen. Wie die anderen Drosseln ist auch die Wacholderdrossel ein Weichfutterfresser, mag also keine Körner oder Meisenknödel.

In wärmeren Monaten soll man sie auch mit einem Vogelbad locken können, denn die Drosseln baden sehr gerne.

Wer den Wacholderdrosseln - und allen anderen Vögeln - wirklich etwas Gutes tun möchte, der bietet ihnen einen möglichst naturnahen Garten mit vielen vogelfreundlichen Sträuchern.

Amsel, Drossel, ... ja, welche Drossel ist es denn?

Amsel, Wacholderdrossel, Singdrossel, Misteldrossel, Rotdrossel oder Ringdrossel?

Drosseln im Vergleich: 

Beim Unterscheiden der verschiedenen Drosselarten hilft die informative Website des NABU (Naturschutzbundes) oder das Vogellexikon des LBV (Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.)

Michaela, vor 8 Tagen
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Bildquelle:
Fotolia.com Datei: #14658901 | Urheber: (Kleine Vogelkunde - heimische Wintervögel erkennen)
M. Steininger - Die Persönliche Note (Streuobstwiesen erhalten = aktiver Tier- und Pflanzenschutz)

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