Holistisches versus materialistisch-reduktionistisches Weltbild

Gemäß dem bisherigen Welt- und Menschenbild folgen alle Prozesse in der Natur einer linearen, mechanistischen Logik. Entsprechend setzten die im klassischen Welt- und Menschenbild verhafteten Wissenschaftler alles daran, die materielle Welt zu erforschen, indem sie deren "Gegenstände" in immer kleinere Einheiten zerlegten, also auf immer kleinere Einheiten reduzierten. Ziel war, ihre angeblich unteilbaren Bausteine zu erkennen, und mit dem Finden der Atome war dieses Ziel scheinbar erreicht. Dann wurde von der Quantenphysik gezeigt, dass Atome aus noch kleineren Bestandteilen bestehen, den Elementarteilchen, dass man aber aufgrund des Wellencharakters der Elementarteilchen nicht mehr von einer materiellen Struktur ausgehen kann. Das heißt: Auf der Ebene der Elementarteilchen finden sich Informations- und Wahrscheinlichkeitsfelder, die mit Energie und Materie nichts zu tun haben. Materie existiert überhaupt nicht, sondern nur eine einheitliche räumliche Struktur aus Quantenwellen, die alles im Universum verbindet. Wirklichkeit impliziert mit anderen Worten zwar die Möglichkeit, sich unter bestimmten Umständen als Materie und Energie zu manifestieren, aber sie ist nicht die Manifestation selbst, sondern stellt vielmehr eine fundamentale Verbundenheit dar, bei der Alles mit Allem zusammenhängt. Wir verstehen folglich nur, was die Welt "in ihrem Innersten zusammenhält", wenn wir sie als eine Ganzheit betrachten, deren Elemente durch ihre wechselseitigen Beziehungen vollständig bestimmt sind. Man kann auch sagen, dass anstelle von statischen Materie-Teilchen kreative Prozesse existieren. Das bedeutet – wie es der Physiker Hans-Peter Dürr formuliert hat - dass die Wirklichkeit als etwas Geistiges charakterisiert werden kann. Das neue holistische (ganzheitlichen) Weltbild beruht also auf Erkenntnissen der Quantenphysik, die besagen, dass die Grundlage der Welt nicht materiell ist, sondern geistig.

Kosmischer Informationsaustausch als Basis allen Lebens

Wenn man davon ausgeht, dass die – geistigen – Prozesse auf der subatomaren Ebene die Materie erst hervorbringen, folgt daraus, dass der Geist nicht-lokal ist. Das heißt: Der Geist ist weder auf das Hirn noch auf den Körper beschränkt, sondern kann als ein sich ausdehnendes, überall und jederzeit existierendes Informationsfeld beschrieben werden. Auf der Ebene der subatomaren Teilchen findet mit anderen Worten im gesamten Universum ein ständiger Austausch von Informationen statt. Informationen sind allgegenwärtig und offenbar so bedeutsam, dass ohne sie dieses Universum mit all seinen Lebewesen und evolutionären Prozessen nicht existieren würde. Das bedeutet auch, dass eine permanente Wechselwirkung besteht zwischen den subatomaren Teilchen, den Quanten, der Außenwelt und denen unseres Körpers, über die wir aktiv und untrennbar in die Kommunikation des Universums eingebunden sind. Und diese Kommunikation auf der subatomaren Ebene ist für uns nicht weniger überlebenswichtig wie die Verfügbarkeit von Sauerstoff. So saugen wir mit jedem Atemzug Abermilliarden Quanten aus dem Universum in uns hinein und befördern sie mit jedem Ausatmen wieder zurück in den Kosmos. In letzter Konsequenz führt dieser Prozess des Nehmens und Gebens dazu, dass wir alle unsere Organe und Eigenschaften mit allen Menschen auf der Welt teilen.

Die Rolle des menschlichen Gehirns

Was die Rolle des menschlichen Gehirns in diesem Prozess der Informationverarbeitung betrifft, so geht die sogenannte Quantologie, die sich im wesentlichen an den Theorien des Physikers Jean Charon orientiert, davon aus, dass das menschliche Gehirn selbst keine informationsspeichernde Funktion besitzt, sondern dass alle von einem Individuum generierten Informationen, wie zum Beispiel die zu Lebzeiten gemachten Erfahrungen, dezentral in den Elektronen des physischen Körpers gespeichert sind. Das Gehirn hätte folglich die Aufgabe, über elektromagnetische Impulse die benötigten Informationen aus dem Speicher der Elektronen abzurufen und für deren optimale Organisation und Koordination innerhalb des Körpers zu sorgen. Der Wissenschaftsphilosoph Ervin Laszlo hat eine andere, Physik und Philosophie verbindende Konzeption entwickelt, wonach Informationen gar nicht im Körper gespeichert werden, sondern jenseits davon, nämlich im kosmischen Informationsfeld. Das heißt: Für Laszlo ist es unerklärlich, wie das Gehirn allein auf Grundlage elektrochemischer Prozesse seine enormen Leistungen vollbringen sollte. Quasi um sich zu entlasten, speichert deshalb seiner Meinung nach unser Gehirn all die Dinge, die wir erleben, im "kosmischen Internet" ab und liest sie auch von dort wieder aus. Und das ist deshalb möglich, weil auch das menschliche Bewusstsein mit Quantenverschränkungen arbeitet, also mit über Zeit und Raum hinweg verbundenen Quanten, die über Resonanzphänomene und damit durch das wechselseitige Übertragen von Impulsen miteinander kommunizieren. Das Gehirn kann folglich auf der Basis der Wechselwirkung zwischen verschränkten Quanten Informationen in das kosmische Internet hineinsenden und aus ihm auch wieder herauslesen. Laszlo vergleicht deshalb das Gehirn mit einem Quantencomputer.

Quanten, Gehirn und Bewusstsein

Ich möchte an dieser Stelle Überlegungen des Hirnforschers und Nobelpreisträgers John Eccles aufgreifen, die zeigen, wie Quanten auf unser Gehirn einwirken und dabei in Wechselwirkung treten mit Nervenzellen, aber auch mit dem Bewusstsein, dem "menschlichen Geist". Ansatzpunkt für diesen Prozess sind Zellen der Großhirnrinde, nämlich die Pyramidenzellen, genauer: deren Fortsätze, die Dendronen. So besitzt eine Zelle bis zu 10 000 Schaltstellen zu Nachbarzellen: die Synapsen, und diese wiederum enthalten winzige Säckchen – sogenannte Vesikel –, die gefüllt sind mit Neurotransmittern, also chemischen Botenstoffen, die Nervenimpulse auf nicht elektrische Art übertragen. Erreicht nun ein Nervenreiz die Zelle, öffnen sich die Vesikel und setzen diese Botenmoleküle frei. Diese durchqueren den Spalt, der die Synapsen zweier Nachbarzellen trennt, und leiten so den Reiz weiter. Dies ist allerdings abhängig von der Einflussnahme der sogenannten Psychonen, mentaler Einheiten, die in ihrer Gesamtheit das Bewusstsein bilden. So wirkt, indem die Psychonen die Dendronen durchdringen, der Geist auf das Gehirn ein. Umgekehrt beeinflusst aber auch das Gehirn den Geist und damit das Bewusstsein. Und für das Zustandekommen dieses wechselseitigen Prozesses zwischen Psychonen und Dendronen, Geist und Gehirn, sind Quanten verantwortlich. Das heißt: Bei der Freisetzung von Botenstoffen und damit der Übertragung von Nervenreizen spielen Quanten eine entscheidende Rolle. So können Quanten einzelne Vesikel veranlassen, ihre Membran zu öffnen und die Neurotransmitter auszuschütten. Resultat sind oft Geistesblitze und damit Überlegungen, die schon große Erfindungen hervorgebracht haben. Und diese neuen, kreativen Ideen werden dann wiederum vom Gehirn über Quantenverschränkungen im "kosmischen Internet" abgespeichert.

Das Universum als Quantencomputer

Die bisherigen Überlegungen zum Informationsfeld im Universum, zum "kosmische Internet", legen die Vorstellung nahe, dass nicht nur das menschliche Gehirn, sondern auch das Universum einen Quantencomputer darstellt, der als Input mit allem gefüttert wird, was jemals passiert, während sein Output das ist, was wir Realität nennen. Und dies bedeutet zweierlei, nämlich zum einen, dass das Universum unvorstellbar große Informationsmengen speichern kann und folglich ein Gedächtnis hat, dass es aber auch aus seiner eigenen Entfaltung lernt. Das heißt: Seit dem Urknall steigt die Informationsdichte ständig an, und jedes Ereignis fügt dem Ganzen neue Informationen hinzu, so dass das Universum immer vielfältiger wird, es immer komplexere Strukturen hervorbringt und letztlich die Entstehung von komplexer DNA, Gehirnen und immer höherem Bewusstsein unausweichlich ist. Dies könnte die Triebkraft hinter der Evolution sein. Zum anderen bedeutet dies, dass - da jede unserer Handlungen, Gedanken und Gefühle dem Universum neue Informationen hinzufügt, das Universum sozusagen "programmiert" und dadurch mitgestaltet - keine Idee, kein Gedanke, keine Liebe jemals verloren geht, sondern als Teil des kosmischen Programms weiterlebt.

Kosmische Gehirne

Die Vorstellung, dass zwischen dem menschlichem Gehirn und dem Universum eine direkte Verbindung, wenn nicht sogar ein Gleichklang, besteht, wird durch Beobachtungen gestützt, die zeigen, dass die Strukturen und die Funktionsweise des Universums denen des menschlichen Gehirns stark ähneln. Das heißt: Im Universum wurden von Fäden gebildete netzartige Strukturen entdeckt, die ähnlich funktionieren wie Nervenfasern und Schaltkreise bilden, die den neuronalen Schaltkreisen im Gehirn entsprechen. Ferner besitzt das Gehirn einen hohen Grad an Konnektivität, also eine hohe interne Bindungsfähigkeit, und diese Konnektivität zeigt sich auch im Kosmos. So entstehen Galaxien, wenn Fäden sich berühren oder einander kreuzen, und ein feinfädiges Netzwerk sorgt sowohl für die Übertragung von Energie als auch für die Weiterleitung von Informationen von einem galaktischen Kern zum anderen. Unser Heimatplanet könnte aber auch selbst ein Gehirn haben, das die menschlichen Gehirne beeinflusst. Dafür spricht, dass das Erdmagnetfeld offenbar einen direkten Einfluss auf unser Gehirn hat und dass unsere Hirnfrequenzen mit den Resonanzfrequenzen der Erde übereinstimmen. Folglich könnte das menschliche Bewusstsein tatsächlich ein "Resonanzphänomen" sein und als solches in Wechselwirkung stehen mit kosmischen Gehirnen. Nichts geschieht also im menschlichen Bewusstsein, ohne dass irgendetwas im Universum darauf reagiert und umgekehrt.

Zur Frage nach der Unsterblichkeit der Seele

Wenn man Bewusstseinsphänomene als Ausdruck der Seele des Menschen betrachtet, könnte man – wie eingangs bereits angedeutet – von einer Unsterblichkeit der Seele nur dann sprechen, wenn das Bewusstsein den physischen Tod des Menschen "überlebt", also unabhängig vom menschlichen Körper weiterexistiert, in welcher Form auch immer. Bei dieser Frage zeigt sich der fundamentale Unterschied zwischen dem materialistisch-reduktionistischen und dem, auf den Erkenntnissen der Quantenphysik beruhenden, ganzheitlichen Welt- und Menschenbild. So ist für die Anhänger des materialistisch-reduktionistischen Welt- und Menschenbildes das Bewusstsein ein Produkt des Gehirns, ist also jede Bewusstseinstätigkeit an Hirnvorgänge gebunden, so dass gleichzeitig mit dem Gehirn auch das Bewusstsein stirbt. Der prominenteste Vertreter dieses Welt-und Menschenbildes, der Physiker und Kosmologe Stephen Hawking, vergleicht in diesem Zusammenhang das Gehirn mit einem Computer, der aufhört zu funktionieren, wenn seine Bestandteile versagen. Und es gibt für ihn keinen Himmel und kein Leben nach dem Tod für kaputte Computer. Dies sei ein Märchen für Leute, die Angst vor der Dunkelheit hätten.

Die Erkenntnisse der Quantenphysik eröffnen eine ganz andere Perspektive. So ist von der Quantenphysik ja gezeigt worden, dass das menschliche Gehirn wesentlich komplexer ist als ein normaler Computer und Potenziale birgt, die noch längst nicht erforscht sind. Ich möchte in diesem Zusammenhang noch einmal die von John Eccles entwickelte These aufgreifen, dass die menschliche Seele an die - oben beschriebenen – Psychonen gekoppelt und deshalb unsterblich sei. Das heißt: Aufgrund ihrer geistigen Natur würden die Psychonen beim Tod des Menschen bestehen bleiben, auch wenn die Nervenzellen mit den Dendronen nach dem Tod vergehen. Rückhalt erhält diese These einer Trennbarkeit von Bewusstsein und Körper bzw. einer Unabhängigkeit des Bewusstseins vom Gehirn durch die vermutete Wechselwirkung zwischen dem menschlichen Bewusstsein und dem kosmischen Informationsfeld auf der Basis von Quantenverschränkungen. Denn dies bedeutet ja, dass – weil zwei miteinander in Wechselwirkung tretende Quantensysteme vom Zeitpunkt der Wechselwirkung an als ein Gesamtsystem betrachtet werden müssen - das menschliche Bewusstsein untrennbar verbunden ist mit dem Informationsfeld im Universum. Daraus könnte man folgern, dass die Seele als rein geistiges Bewusstseinsphänomen in ihrer Verbindung mit dem "kosmischen Bewusstsein" tatsächlich unabhängig von Raum und Zeit ewig weiterleben kann. Man könnte auch sagen, dass alles Geistige unsterblich ist, während die Manifestationen des Geistigen im Materiellen vergehen. (S. zu diesem Artikel auch:

http://pagewizz.com/rezension-zu-volker-j-becker-gottes-geheime-gedanken-29252/

http://pagewizz.com/rezension-zu-rolf-froboese-der-lebenscode-des-universums/

https://www.sein.de/das-universum-ist-ein-riesiges-gehirn/)

 

 

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Autor seit 3 Jahren
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