Ein paar Worte vorab – ein paar Ungerechtigkeiten übers Mostviertel

Das Mostviertel gehört zu jenen Teilen Österreichs, die wenig Aufhebens von sich machen. Kein Schloss Schönbrunn, keine Bregenzer Schaubühne in einem See, kein Skywalk wie am Dachsteingebirge.

Oder anders gesagt: Der See im Mostviertel heißt Lunzer See und besitzt eine niedliche Seebühne, das Schloss im Mostviertel ist die Schallaburg, und in der Nähe von Göstling wandert man durchs Mendlingtal und bewundert eine der letzten Holztriftanlagen Mitteleuropas. (Mir ist bewusst, dass eine solche Verknappung vor Ungerechtigkeit trieft – und ich bitte ausdrücklich um korrigierende Hinweise und Nachhilfe: Wo ist das Mostviertel welt"männisch"? Es interessiert mich wirklich!)

Diese Niedlichkeit muss man mögen, oder man wendet sich ab und ignoriert sie. Meine Frau und ich, wir mögen es, das Mostviertel. Liebe auf den ersten Blick, sozusagen.

Einfach reinzoomen …

100 Jahre Gasthaus Kothmühle

Was wir nun alles im Mostviertel unternommen haben, will ich an anderer Stelle beschreiben; hier soll es erst einmal um unsere Unterkunft gehen, die Kothmühle. Und das war nun eher eine Sache von "Liebe auf den zweiten Blick" …

Die Ankunft

Das Hotel Kothmühle liegt in einer Kurve, in einer Senke, rechts der Straße. Ums Haar wären wir, aus Richtung Neuhofen an der Ybbs kommend, vorbeigehuscht, aber das Navi bestand darauf: "Sie haben Ihr Ziel erreicht!" Linker Hand ein dunkles Mischwäldchen, davor eine Tischtennisplatte, ein Weinfass, eine Grillstation, Tennisplätze. 

Nie allein nach dem Äußeren urteilen …

Jetzt, vor den Toren des Vier-Sterne-Wellness-Relax-undwasweißichnochnichtalles-Hotels, waren wir skeptisch. Die Kothmühle besitzt vier oder fünf "Module", genau lässt sich das nicht sagen – nur, dass es von außen eigenartig wirkt. Die Architekturmoden der Jahrzehnte haben ihre Spuren hinterlassen. Ein eigenwilliger, unruhiger Mix, Anklänge eines Vierkanthofes, beliebige Sachlichkeit, spitze Giebel, Dachgauben, Pfannen und Platten … wie gesagt: Unruhe, die sich auch auf den ankommenden Gast übertragen kann.

… sondern …

Das alles ist wie vergessen, wenn man an die Rezeption tritt. Keine große Lobby, eher der Eingang wie aus einem alten englischen Movie. Aber die jungen Damen in Tracht strahlen vor Freude, dass wir (ausgerechnet wir!) ihr Haus beehren. 

Wir haben uns oft gefragt, wie sie das nur hinkriegen in Österreich, dieses Gefühl, dass man wirklich, wirklich willkommen ist. Diese Herzlichkeit. Meine Frau meint: Die sind so. Und ich glaube mittlerweile, da ist was dran. 

Wie auch immer: Das Personal der Kothmühle ist aufmerksam und flink. Die Kellner registrieren mit souveränem Blick, wie ein jeder Gast behandelt werden will – ohne dass sie sich dabei verbiegen, ohne dass es unecht wirkt oder servil. Der Zimmerservice ist unaufdringlich und arbeitet gründlich.

Historisches

Hundert Jahre hat die Kothmühle bereits auf dem Buckel, und gestartet ist sie 1912 als Gasthof. Johann Scheiblauer hatte um eine Konzession fürs Gast- und Schankgewerbe gesucht und auch erhalten, da das Gasthaus, so die Begründung, "von allen größeren Ortschaften weit entfernt liegt und eine ziemlich befahrene Bezirksstraße vorbeiführt, auf welcher die Besitzer des Gebirges ihre Produkte nach den größeren Ortschaften zu liefern haben und zur Sommerzeit eine Erholung dort am Platze sein dürfte". Im übrigen liege gegen die Familie des Antragsstellers "in keiner Weise etwas Nachteiliges" vor. Na, bitte!

Mehr als hundert Jahre Kothmühle

Das Haus wird heute in der vierten Generation in Familienbesitz geführt. Und das bedeutet? Ich vermute mal: dass sich über solch eine lange Zeit nur halten kann, was verlässlich ist. 

Die Außenanlage

Sie ist etwas ganz Besonderes, die Außenanlage! Ein Schwimm-Biotop in einem 2 ha großem Garten! 2006 wurde der in der heutigen Form angelegt, das war zwei Jahre, nachdem die Wellnesslandschaft auf 800 Quadratmeter ausgebaut worden war.

Kleinere, mit Rosen geschmückte Refugien, eine Feuerstelle mit Kräutergarten, ein Jogging- und Spazierweg entlang der Birnbaumzeile, eine romantische Schaukel für zwei am oberen Hang, aufgehängt unter einem Birnbaum, von der aus man einen betörenden Blick auf die gesamte Anlage genießen kann … der Garten ist traumhaft. Schauen Sie sich einfach in aller Ruhe die Bilder an.

Die 2 ha große Außenanlage der Kothmühle liegt hinterm Haus. (Bild: © alle Fotos: johannes flörsch)

Die Zimmer

Das Hotel bietet verschiedene Kategorien an. Unsere Empfehlung: Buchen Sie ein Genießerzimmer! Genießerzimmer haben einen Balkon zur Außenanlage und bieten den schönsten Ausblick auf den Garten. Obstkorb, Tee-Station und Fruchtsaft inklusive!

Absolut sauber, absolut großzügig: ...

Absolut sauber, absolut großzügig: ein Genießerzimmer mit Blick in den Garten

Sauna, Wellness, Schwimmbecken

Schon um 6 Uhr in der Früh öffnet der Wellnessbereich – Schluss ist erst am Abend um 23 Uhr, und am Abreisetag dürfen ihn die Gäste noch bis 17 Uhr benutzen! 800 Quadratmeter groß, mehrere Innen- und eine Außensauna in einer Blockhütte, ein stimmungsvoller Pool, in dem sich wirklich schwimmen lässt und nicht nur "planschen", und ein Fitnessraum mit den typischen und (soweit ich das beurteilen kann) qualitativ hochwertigen Geräten. 

Zusammengefasst: Morgens vors Haus treten und eine erste Joggingrunde absolvieren zum Warmwerden. Danach auf die Fitnessgeräte, in der Sauna die Verspannungen rausschwitzen und anschließend ins Becken tauchen, bevor man sich auf der Wiese, im Garten, niederlässt und den Tag … halt, erst gibt's ja noch Frühstück. Wunderbares, umfangreiches Frühstücksbuffet!

Speisekarte vom 26. April 2015

Jeden Morgen lag an unserem Platz eine vierseitige Infobroschüre mit Angeboten, Tipps, Wettervorhersagen und dem Hinweis aufs Abendmenu. Sehr schön!

Auf besonderen Wunsch … vegan in der Kothmühle

Noch haben sie es nicht auf der Speisekarte, aber sie können's schon, die Köche der Kothmühle: die Wünsche ihrer Gäste nach einer veganen Kost erfüllen. Zum Frühstück stellt man bereits ganz selbstverständlich Sojamilch, Sojajoghurt und vegane Aufstriche bereit! Prima!

Abends gab es Fünf-Gang-Menüs. Das schmeckte im Grunde alles sehr lecker, schien uns aber auch ein kleines bisschen überambitioniert.

Zugegeben: Restaurantkritik ist insofern niemals gerecht, als sie nur einen winzig kurzen Zustand beschreibt (den unseres Aufenthalts); es kann also sein, dass nur wir die Bemühungen der Küche zwar schätzten, aber auch gedacht haben, dass weniger vielleicht mehr gewesen wäre. Konkret: Es gab leckere Aufstriche als Amuse gueule – und vielversprechende, aber seltsam fad schmeckende Krautwickel. Und dass ein Frühstücksei nicht richtig hart gekocht werden konnte verbuchten wir lächelnd unter der Rubrik "Mysterienspiel".

Im Restaurant

Der Vollständigkeit halber: Die Kothmühle fungiert auch als Seminar-Hotel. Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass es sich dort ausgezeichnet tagen lässt. Die beiden Gruppen, die während unseres Aufenthalts dort untergebracht waren, vermittelten jedenfalls diesen Eindruck.

Fazit

Wenn ich Österreich unbedingt etwas ankreiden wollte, dann seinen Mangel an Meer; etwas anderes fällt mir sonst nicht ein. Mit anderen Worten: Meine Frau und ich sind jedes Mal ausnahmslos gerne hier. Die Tage in der Kothmühle machten da keine Ausnahme. Wir wurden herzlich aufgenommen, freundlichst umsorgt und in jedem Wunsch unterstützt.

Die Wellnessanwendungen haben wir nicht "untersucht"; deshalb gibt es dazu auch kein Urteil. Und auch wenn wir keinen direkten Einblick in die Tagungsräume geworfen haben, so scheinen mir die Kothmühle, seine Lage, Umgebung und das Freizeitangebot ein herausragender Ort für Seminare, Fortbildungen, Workshops etc. zu sein.

Hier unsere Wertung der Kothmühle:

Freundlichkeit: 😀😀😀😀😀

Sauberkeit: 😀😀😀😀😀

Essen: 😀😀😀 – 😌

Wellnessbereich: 😀😀😀😀 – 😀

Erholungswert: 😀😀😀😀😀

Etwas absolut Besonderes, sozusagen das High-light, ist die Außenanlage der Kothmühle. Sie hat ohne jegliche Einschränkung 😀😀😀😀😀 verdient und bekommt von meiner Frau ein Krönchen obendrein. Bitteschön: 👑!

Hier geht's zum ersten Teil unseres Mostviertelbesuchs.

Nachtrag

Den Tankwart hat es wirklich gegeben; nur war er nicht Tankwart, sondern eine freundliche Dame, die ein Gasthaus hoch über dem Mostviertel betreibt. Als sie hörte, dass wir in der Kothmühle untergekommen waren, beglückwünschte sie uns zu unserer Wahl – sie hatte dort viele Jahre zuvor gelernt. Die Dame konnte indes nicht ahnen, dass wir keine "Wahl" gehabt hatten: Die Unterkunft im Hotel Kothmühle war vom Tourismusverband als Unterkunft während einer Pressereise zur Verfügung gestellt worden; die Tage im Mostviertel, die ich hier und in den beiden anderen Beiträgen schildere, kamen mit Unterstützung des Tourismusverbands Mostviertel zustande. Und die Tankwart- und Anfahrt-Geschichte, die ich hier als "Rahmen" benutzt habe, ist der schreiberischen Freiheit geschuldet, die ich für mich in Anspruch genommen habe.

Mostviertel Tourismus GmbH • Adalbert Stifter Str. 4 • 3250 Wieselburg • T 0043/7416/521 91

Beruhigend
jofl, am 16.07.2015
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Bildquelle:
johannes flörsch (Kurzporträt Wachau)
johannes flörsch (Kurzurlaub im Elsass: Familienurlaub für alle Sinne)
a.sansone (Lechweg - Wie es ist an einem Wildfluss zu wandern)
Eigenwerk (Kann man im Sommer auf die Zugspitze?)

Autor seit 5 Jahren
119 Seiten
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