Blitzblau am Zwetschkenbaum

Prunus domestica/Kultur-Pflaume - eine kleine botanische Vorstellungsrunde

Prunus (Pflaume) ist der Gattungsname einer Vielzahl von Obstgehölzen, die in der Familie der Rosengewächse Rosaceae zu Hause sind. Natürlich auch die Vorgänger der Kulturpflaume Prunus spinosa und Prunus cerasifera.

Zur Gattung Prunus gehören auch noch Kirsche, Weichsel, Pfirsich, Mandel, Aprikose/Marille, Nektarine, alles Steinfrüchte, aber auch Ziergehölze, wie etwa der Kirschlorbeer. 430 Arten werden auf fünf bis sechs Untergattungen aufgeteilt. Uns interessiert allerdings hier nur die blaue Abteilung.

Pflaumen/Zwetschken gibt es in den Gärten seit der Römerzeit.

  • Die heimische älteste Sorte, bereits seit dem Mittelalter kultiviert ist die "Hauszwetschge".
  • Die Bäume werden fünf bis 8m hoch.
  • Sie sind fruchtbarer, wenn zwei Sorten in unmittelbarer Nachbarschaft sind.
  • Sie lieben gemäßigtes Klima, leichte nährstoffreiche Böden.
  • Die Blüte ist 5-zählig, reinweiß. Sie stehen zu 2-3 beieinander, kurz gestielt:
  • Blütezeit: Ende April
  • Erntezeit je nach Sorte von Mitte Juli bis Oktober
  • Aus den etwa 25 Zwetschkensorten nur drei Sorten genannt: Frühzwetschke Katinka: Juli; Schönberger Zwetschke: August; Hauszwetschke: Ende August-Anfang September.

 

Zwetschkenblüte mit blitzblauem Himmel

Zwetschkenblüte mit blitzblauem Himmel (Bild: a.sansone)

Die zehn wichtigsten Fakten über Prunus domestica - die Kultur-Pflaume/Zwetschke

  1. Schlehen und Zwetschken sind eng miteinander verwandt. Die Kulturpflaume Prunus domestica ist, -so nimmt man heute an - aus einer Kreuzung von Schlehe Prunus spinosa und Kirschpflaume Prunus cerasifera (Heimat Kleinasien, Kaukasus) entstanden.
  2. Die Steinfrüchte der Schlehe (deren Kerne) finden sich bereits in den Pfahlbausiedlungen aus der Jungsteinzeit.
  3. pronos gr. = früh; prunus lat. = Bezeichnung für Pflaumenbaum; vor Linné wurden nur die Kulturpflaumen/Zwetschken (Prunus domestica), ihre Unterarten und der Schlehdorn (Prunus sylvestris/Prunus spinosa) damit bezeichnet.
  4. Es gibt sieben Unterarten der Kultur-Pflaume - die Edel-Pflaumen (Prunus domestica subsp. italica), die Zwetschken (Prunus domestica subsp. domestica), die Mirabellen (Prunus domestica subsp. syriaca)Kriechen-Pflaumen (Prunus domestica subsp. insititia) und die

    Halbzwetschken (Prunus domestica subsp. intermedia).

  5. Unterschied Pflaume - Zwetschke: Die Pflaume ist rundlicher, meist auch größer. Das Fruchtfleisch der Pflaume zerfällt beim Erhitzen, verliert viel Saft. Für Kuchenbelag ist also die Zwetschke, deren Fruchtfleisch fest bleibt, besser geeignet.

  6. Welche Schreibweise ist richtig? Zwetsche (deutsch), Zwetschke (österr.), Zwetschge (bair., schwäb., schweiz.)? Alle richtig und keine Bange, schmecken tun sie mit jeder Bezeichnung. Noch mehr Regionalität gefällig? Zwetschkenmus heißt in Österreich Powidl. Powidl braucht man für Germknödel (Dampfnudeln), Powidltascherl und Buchteln (Wuchteln, Ofennudeln oder Rohrnudeln). Die Nordfriesen brauchen es jedoch für ihre leckere Friesentorte.
  7. In Österreich gibt es sogar eine "Zwetschkenregion" Auf 1.000 m Seehöhe liegen die Obstgärten der Tiroler Orte Stanz und Grins, von hier stammt die "Stanzer Zwetschke". Der Zwetschkenanbau weist hier eine lange Tradition auf, die im Herbst auf Hochtouren läuft. Berühmt sind die vielen Edelbrände, die aus ihr hergestellt werden. Auch die regionale Schokolade, die Tiroler Edle, wird mit Stanzer Zwetschkengeist gefüllt.
  8. Woher kommt die blaue Farbe? Alle blauen Früchte und Gemüse enthalten Anthocyane, sekundäre Pflanzenstoffe, die das Immunsystem stärken. Bestes Beispiel für das gesunde Blau sind die Enziane.
  9. Fördern Zwetschken wirklich die Verdauung? Da in Zwetschken viel Pektin enthalten ist, das im Magen aufquillt, aber auch viel Fruchtzucker, erleichtert es die Verdauung. Fructose-empfindliche Esser müssen allerdings aufpassen.
  10. Im Gegensatz zu vielen Gemüse- und Obstsorten lassen sich Zwetschken im Kühlschrank gut aufbewahren. Der helle wachsartige natürliche Belag schützt sie gut. Erst direkt vor dem Verzehr waschen oder abreiben.

Schnelle Lösung bei üppiger Zwetschkenernte - Einfrieren

Wer selbst einen Zwetschken- oder Pflaumenbaum sein eigen nennt, der kann sich die Ernte noch ganz gut einteilen. Eine gewisse Menge gezielt pflücken, verarbeiten, oder vom Baum naschen und in ein paar Tagen erneut frische Früchte pflücken.
Was aber tut man, wenn man von Nachbarn, Freunden oder der Familie eimerweise beschenkt wurde? Nach dem dritten Zwetschkenkuchen streikt auch die netteste Familie.

Der absolute Schnelltipp lautet: Zwetschken einfrieren.

Die Früchte kurz abspülen, halbieren und die Kerne entfernen. Ich verpacke sie bereits in der passenden Stückzahl für Kuchen in Gefriertüten oder Dosen. Für Obstknödel werden sie als ganze Frucht eingefroren. Möchte man Marmelade oder Gelee später damit machen, muss man sie entkernen und vor dem Einfrieren in kleinere Stücke schneiden. Wenn alle mithelfen, keine Hexerei. Aber am besten dünne Schutzhandschuhe verwenden, sonst hat man schöne braune Finger von der Gerbsäure.

Von der Blüte bis zur Frucht - Pflaume/Zwetschke

Wer so reich blüht (Bild: a.sansone)

Quellen

  • Bäume, Banfi/Consolino; Kaiser Verlag, 2006 Klagenfurt
  • Bäume Mitteleuropas, Roloff/Weisgerber/Lang/Stimm; Wiley-VCH, 2010 Weinheim

Kreative Ideen, was man mit Zwetschken alles kochen und backen kann

Zwetschkenmarmelade und Gelee: Mal mit Orange, mal mit Apfel

Beim ersten Versuch war ich noch skeptisch. Zwetschke mit Orange einkochen? Seither weiß ich, dass Orange, ob als Saft oder auch mit Fruchtfleisch, das spezielle Aroma der eingekochten Früchte noch verstärkt und nicht dominiert.

Deshalb ist diese Marmelade zur Lieblings-Zwetschkenmarmelade meiner Familie geworden.

 

Zwetschkenmarmelade mit Orange

Zutaten:

  • 1 kg Zwetschken, entsteint gewogen
  • 3 Orangen (Bio-Orangen, ungespritzt)
  • 500g 2:1 Gelierzucker
  • 250g 3:1 Gelierzucker

Zubereitung:

Die Zwetschken waschen, halbieren und entsteinen. Vierteln und in kleine Stücke/Streifen schneiden. Mit dem Gelierzucker 1:2 in den Marmeladekochtopf geben. Nun den Saft von 2 Orangen auspressen und dazufügen. Die verbliebene Orange wird geschält und in Spalten geteilt. Die Spalten nun recht fein schneiden. Von der Orangenschale das Weiße entfernen und gut ein Viertel der Schale/Zeste in ganz schmale Streifen schneiden. Eventuell noch in kleinere Stücke schneiden, wenn die anderen Esser das bitterherbe Aroma der Schalen nicht so mögen. Unsere Familie allerdings liebt es. Das Ganze nun mit dem restlichen Zucker beifügen. Aufkochen und knapp 4 Minuten kochen lassen. Ein Schuss Rum am Ende der Kochzeit (kein Muss) rundet das Ganze ab. Noch heiß in die Gläser einfüllen. Ergibt eine fruchtig-frische Zwetschkenmarmelade.

 

Früchte (Bild: https://pagewizz.com/was-es...)

Zwetschkengelee mit Apfel

Ganz ehrlich, kaum werden die Zwetschken reif, fallen natürlich auch die ersten Äpfel halbreif von den Bäumen. Von Hagelkörnern angeschlagen, vom Apfelwickler angebaggert; kurz - ganz edel ist was anderes. Aber zum Wegwerfen sind diese Äpfel auch zu schade. Deshalb kann man sie, gemeinsam mit Zwetschken, super auf diese Weise verarbeiten.

Zusatz: Wer kein Fallobst hat, kann auch trüben Apfelsaft aus dem Geschäft dazu verwenden.

Zutaten:

  • 1 kg Äpfel (Fallobst) - ergibt etwa 300 ml Saft
  • 700g Zwetschken
  • 1 Zitrone (Bio, ungespritzt)
  • 20g Kandiszucker
  • 250g 3:1 Gelierzucker

Zubereitung:

Die Äpfel waschen, die schlechten Stücke ausputzen und nur grob in Stücke schneiden. Mit 1/4l Wasser und einem Esslöffel Zucker in den Kochtopf geben. Kurz aufkochen und dann 30 Minuten leicht köcheln lassen. In einem Sieb den Saft durchlaufen lassen. Es sollte die Menge von ca. 300-350ml Apfelsaft ergeben.

In der Zwischenzeit die Zwetschken waschen, entsteinen und vierteln. Nun gießt man den gewonnenen Apfelsaft über die Zwetschkenmasse. Die Zitrone auspressen und den Saft unterrühren, ebenfalls den Gelierzucker einrühren. Auch hier kann man Zitronenschale gerieben oder ganz fein geschnitten zugeben. Ich nehme ein Viertel von der Schale. Einige Stunden kühl ziehen lassen. (Kann auch über Nacht sein.)

Kurz nach dem Aufkochen fügt man noch den Kandiszucker zu. Knapp 4 Minuten kochen lassen. Noch heiß in die Gläser einfüllen. Ergibt ein fruchtig-frisches Zwetschkengelee, das auch gut zu Fleischspeisen passt.

 

Noch mehr an Einmach-Ideen liefert dieses Buch:

Glücksmomente in Gelee & Konfitüre 

Adele_Sansone, am 08.09.2014
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