Der 21. Juli 2011 markiert das Ende einer Ära. Der 135. Flug eines Space Shuttle war zugleich der letzte. Dreißig Jahre nach dem Jungfernflug der 2003 verunglückten Columbia, landete die Atlantis sicher in Cape Canaveral. Das Medieninteresse war denkbar gering, ebenso das öffentlichte. Unverständlicherweise, denn es war nicht einfach nur der letzte Flug eines hoffnungslos veralteten Trägersystems, sondern zugleich das Ende der bemannten US-Weltraumfahrt. Etwas mehr als 40 Jahre nach der historischen Mondlandung sind die USA nicht mehr in der Lage, aus eigener Kraft Astronauten ins All zu befördern. All die blühenden Weltraumutopien sind endgültig ausgeträumt. Die Bürokraten haben über die Visionäre gesiegt.

Space Shuttle im Orbit

Space Shuttle im Orbit (Bild: http://pixabay.com/)

Der lange Abstieg der NASA

Zufall oder nicht: exakt 42 Jahre zuvor, am 21. Juli 1969 Mitteleuropäischer Zeit, betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond und bescherte sowohl den USA, als auch der der NASA eine jener leider selten gewordenen Sternstunden, die die Menschheit wenigstens für wenige Stunden einte. Viele Milliarden Dollar und jahrelange Arbeit waren nötig, um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen. US-Präsident John F. Kennedy als Initiator des Programms konnte seinen Triumph über die bis dahin in der Weltraumforschung führenden Sowjets freilich nicht mehr erleben.

 

SDI: Flop, und doch ein Erfolg

Dabei sollte der Mond nur die Zwischenstation für das eigentliche Ziel darstellen: Den Mars! US-Astronauten sollten auf dem Roten Planeten landen und - so darf spekuliert werden - unter anderem nach Spuren ehemaligen Lebens suchen (an dessen Existenz der Artikelautor keinen Zweifel hegt). Wie wir heute wissen, sollte es hierzu nicht mehr kommen, wofür vor allem ein Faktor verantwortlich war: Die praktisch unbegrenzten Mittel des über die Erde hinausreichenden Arms des militärisch-industriellen Komplexes in Form der NASA wurden beschnitten und Anfang der 1980er-Jahre unter US-Präsident Ronald Reagan teilweise in das SDI (Strategic Defense Initiative)-Programm umgewidmet.

De facto war somit das Ende der bemannten Weltraumfahrt und der kühnen Träume von der Eroberung des Sonnensystems beendet. SDI erwies sich in seiner technischen Ausführung wenig überraschend als Totalflop, war aber zugegebenermaßen ein genialer Bluff gegenüber dem Ostblock, der sich in den Bankrott rüstete und schlussendlich überraschend friedlich implodierte. 

14 tote Space-Shuttle-Astronauten

Mit dem Space Shutlle wurde erstmals eine wiederverwertbare Raumfähre entwickelt, deren eigentlicher Zweck enorme Kostenersparnis sein sollte. Wie bei staatlichen Projekten üblich, erwies sich das Gegenteil der guten Absichten. Die Kosten schossen in die Höhe, sodass die insgesamt fünf flugtüchtigen Space Shuttles die Erwartungen nie erfüllen konnten. In Erinnerung blieben einzig und allein die Unglücke der Challenger (1986) und Columbia (2003), die insgesamt 14 Astronauten das Leben kostete und jeglichen Weltraumträumereien endgültig das Rückgrat brachen.

Doch selbst ohne die Shuttle-Katastrophen war das Weltraumprogramm zunehmend unpopulärer geworden. Zum einen wurden die hohen Kosten kritisiert, die kaum handfeste Resultate brachten. Zum anderen war die Euphorie nach der Mondlandung längst abgekühlt und nur halbherzig mit unhaltbaren Versprechungen einer bemannten Marslandung am Köcheln gehalten worden.

 

Ende der bemannten Raumfahrt

Seit dem 21. Juli 2011 können die USA somit aus eigener Kraft ihre Astronauten nicht mehr in den Weltraum befördern. Was vor Jahrzehnten für Aufsehen gesorgt hätte, wird heute mit Erleichterung aufgenommen. Denn, so der Tenor, gibt es auf der Erde nicht weitaus drängendere Probleme? Dabei betrug das Budget der US-Army 2009 fast das Zehnfache (!) des NASA-Budgets. Darin sind natürlich nicht die laufenden Kosten der militärischen Interventionen mit einberechnet. Ganz zu schweigen von "nicht nachvollziehbaren Geldflüssen", wie der damalige Verteidigungsminister Don Rumsfeld im Rahmen einer Pressekonferenz zugab. Diese fand pikanterweise am 10. September 2001 statt, also am Vortag von 9-11. Zufall?

Vom Hoffnungsträger zur Enttäuschung: Die NASA

Die Gegenwart der bemannten Raumfahrt findet jedenfalls nicht mehr in den USA statt. Der geplante Space-Shuttle-Nachfolger "Multi-Purpose Crew Vehicle" liegt ebenso auf Eis, wie die immer wieder verschobene Marslandung. Für die am 29. Juli 1958 gegründet NASA scheint es zumindest derzeit keine blühende Zukunft zu geben. Anstatt Impulse zu setzen, gleicht die Weltraumbehörde immer mehr einer typischen Verwaltungshochburg, die damit beschäftigt ist, ihre eigene Existenz zu legitimieren, koste es den Steuerzahler, was es wolle. Von kühnen Plänen haben sich die Bürokraten längst verabschiedet.

 

Blamable Pressekonferenz: Die gefloppte Sensation

Symptomatisch für den lethargischen Zustand der NASA war die Pressekonferenz am 2. Dezember 2010. Damals hatte die Behörde die Präsentation eines astrobiologischen Fundes angekündigt, der "Auswirkungen auf die Suche nach Beweisen für außerirdisches Leben haben wird". Kein ernsthafter Beobachter hatte damit gerechnet, dass ein Alien vor die Kameras treten würde. Gehofft wurde aber etwa auf Hinweise für bakterielles Leben auf anderen Himmelskörpern wie den Jupitermonden Ganymed oder Europa. 

Tatsächlich erwies sich die Aufregung als Sturm im Wasserglas: Die Verlautbarung der Astrobiologin Wolfe-Simon, wonach sie im Mono Lake (Kalifornien) Bakterien gefunden habe, die Arsen statt Phosphor in der DNA verankert hätten, sorgte zunächst tatsächlich für Aufsehen. Seither wurde es um die angebliche Sensation verdächtig ruhig, und mehr noch: Viele Wissenschaftler bezweifeln die Forschungsergebnisse inzwischen. Völlig berechtigt wurde die NASA dafür kritisiert, offensichtlich voreilig eine zweifelhafte Sensation in die Welt hinausposaunt zu haben, ohne sie hieb- und stichfest beweisen zu können.

Mit gemessenem zeitlichen Abstand betrachtet (und eingedenk der Enttäuschung des Artikelautors, der am 2. Dezember 2010 voll Spannung die Pressekonferenz via Live-Stream verfolgt hatte) erscheint die Vorgangsweise der NASA wie eine Verzweiflungsaktion und als Schlussakt zahlreicher Pannen und völliger Perspektivenlosigkeit. Schließlich möchte US-Präsident Obama künftig verstärkt auf private Unternehmen setzen.

Abkehr vom Weltraum

Gewiss: Der teilweise Rückzug aus der Weltraumforschung sowie die völlige Abkehr von kühnen Visionen sind enttäuschende Einschnitte für ältere Generationen wie den Artikelautor. Gar so überraschend kommen sie aber nicht. Die erstaunlichen Fortschritte in der Weltraumforschung entstanden auf Basis eines heute nicht mehr existierenden Wettstreits der Systeme. Längst übt sich die Menschheit in Bescheidenheit - und mit ihr die sie lenkenden (und ausbeutenden) Regierungen.

Wissenschaftliche Neugierde lässt sich schwerer begründen, als aufgeblähte Etats für das Wohl von wem auch immer. Begeisterung für diverse "präventive" Militärschläge ist schneller geschürt, als das Einschwören auf ein ehrgeiziges Ziel, dessen Früchte noch dazu erst nachfolgende Amtsinhaber ernten würden.

Derweil trösten sich manche Weltraumbegeisterte mit der äußerst vagen Hoffnung auf die Ankunft extraterrestrischer Lebewesen in ihren Raumschiffen. Eine wohl vergebliche Hoffnung wenn man davon ausgeht, dass auch auf anderen bewohnten Planeten korrupte Eliten ihr phantasieloses Unwesen treiben...

Start eines Space Shuttle

Start eines Space Shuttle (Bild: http://pixabay.com/)

Autor seit 7 Jahren
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