Immerhin lassen sich bereits mehrere Schlussfolgerungen aus dem Trailer ziehen: Zum einen hat Joel offenbar seine "Drohung" wahr gemacht und Ellie das Gitarre spielen beigebracht. Entscheidender ist natürlich, dass aus der noch etwas kindlichen Ellie eine reife, durch ihre Erfahrungen abgebrühte Überlebende geworden ist, die nach Rache sinnt.

(Achtung: Nachfolgende Zeilen enthalten Spoiler zum ersten Teil!)

Was der Grund für diese Rache sein könnte, ist nicht weniger Spekulation als der gesamte Handlungsverlauf seit Teil 1. Obwohl Joel wieder mit von der Partie zu sein scheint, sollten sich "The Last of Us"-Fans nicht unbedingt auf seine ersehnte Rückkehr verlassen. Beim Spieleentwickler "Naughty Dog" kann man nie sicher sein, ob diese nicht eine ausgefuchste Finte in petto halten, um die Erwartungen des Spielers über den Haufen zu werfen. Streng genommen irritierte bereits "Uncharted 4: A Thief's End" zahlreiche "The Last of Us"-Fans, hatten diese doch weniger mit dem vierten Teil rund um Nathan Drake, als vielmehr mit einer raschen Fortsetzung des überwältigend erfolgreichen Survival-Games gerechnet.

Könnte Joel lediglich in einem Tagtraum Ellies auftauchen und längst Opfer der furchtbaren Pilzerkrankung geworden sein? Oder vielleicht von marodierenden Banden ermordet worden, was Ellies Rachegelüste erklärte? Apropos "erklären": Joel hätte Ellie gegenüber reichlichen Erklärungsbedarf, der ihre miese Laune rechtfertigen könnte. Kenner des ersten Teils wissen: Die "Fireflies" wollten Ellie opfern, obwohl das damals blutjunge Mädchen alles daran gesetzt hatte, sich zu ihrem Hauptquartier durchzuschlagen.

Könnte man es Ellie vergällen, jedes einzelne Mitglied der paramilitärisch agierenden Vereinigung auslöschen zu wollen, von deren Anführerin sie hinters Licht geführt worden war?

Aus dem ersten Trailer geht jedenfalls hervor, dass Ellie und Joel erneut von Ashley Johnson und Troy Baker gesprochen werden und sich die USA nach wie vor in einem postapokalyptischen Alptraum befinden. Überraschender ist der Zeitpunkt der Ankündigung von "The Last of Us 2": Der Knalleffekt wäre bei einer Spielemesse wie etwa der Gamescom vermutlich größer gewesen. Andererseits hatten viele Fans wohl schon die Hoffnung auf eine Fortsetzung aufgegeben und dürfen sich umso mehr auf das heiß ersehnte Sequel freuen, das als krönender Abschluss der PlayStation Experience 2016 präsentiert wurde und so ziemlich jede andere Spielevorstellung torpedierte. Selbst die Ankündigung von "Uncharted: The Lost Legacy", einer Erweiterung des (angeblich) letzten Nathan-Drake-Abenteuers, blieb letztlich eine Randnotiz, konzentrierte sich doch das Medienecho voll und ganz auf "The Last of Us 2".

Wenngleich Teil 1 immer noch als "Naughty Dogs" Meisterwerk gilt, war es zuletzt die geplante Verfilmung, die für unrühmliche Schlagzeilen sorgte. Seit 2014 befindet sich eine Filmadaption unter der Regie von Sam Raimi ("Spiderman") mit Maisie Williams ("Game of Thrones" als Protagonistin Ellie in der Planungsphase und war von Neil Druckmann, Creative Director des Spiels, mehr oder weniger für tot erklärt worden. Allerdings lehren gerade Games wie "The Last of Us", dass die Toten mitunter wiederkehren – insofern sollte eine Wiederaufnahme der Arbeiten an der Verfilmung nicht verwundern.

Ob Fans des Spiels sich zuerst an der Fortsetzung erfreuen oder sich von der Leinwandadaption enttäuschen lassen können, steht derzeit in den Sternen. Zwar arbeitet "Naughty Dog" offenbar mit Hochdruck an "The Last of Us 2". Doch gerade dieser Entwickler ist für seinen Perfektionismus bekannt, was 2017 als möglichen Veröffentlichungstermin ausschließt. Noch wurde kein definitives Erscheinungsdatum genannt, vor 2018 dürfen Fans nicht mit einer Rückkehr von Ellie und Joel rechnen. Doch falls das Sprichwort "Was lange währt, wird endlich gut" zutreffen sollte, wird "The Last of Us 2" ohnehin der erhoffte Kracher. In der Zwischenzeit können Fans zum wiederholten Male den ersten Teil zocken oder sich beim nach wie vor überraschend beliebten Multiplayer erproben.

rainerinnreiter, am 04.12.2016
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Bildquelle:
Eizo (Gaming-Monitore im Visier)
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