Cover: Tucker & Dale vs EvilIrgendwo in den Appalachen: Eine Horde College-Studenten, unter ihnen der etwas durchgeknallte Chad (Jesse Moss) sowie die hübsche Allison (Katrina Bowden), möchten beim Campen einfach nur abhängen und den Studentenstress hinter sich lassen. Dummerweise haben sie das Bier zu Hause vergessen, weshalb sie an der nächsten Tankstelle halten und sich mit dem unverzichtbaren Utensil eindecken. Dort begegnen sie Dale (Tyler Labine) und Tucker (Alan Tudyk), zwei typischen Hillbillys, die grimmig dreinblicken, lächerliche Klamotten tragen und mit scharfen Werkzeugen hantieren. Klar, dass die Hinterwäldler den Studenten unheimlich sind und diese schnellstmöglich die Biege ans Reiseziel machen.

 

Wie es der Zufall will, campen sie in der Nähe jener Ferienhütte, die Dale und Tucker gekauft haben. Beim mitternächtlichen Nacktbaden im angrenzenden See schlägt sich Allison den Kopf an einem Stein an und droht zu ertrinken. Beherzt springt Dale ins Wasser, zieht sie raus und bringt sie gemeinsam mit Tucker in die Hütte, um sie zu versorgen. Dabei werden sie von Allisons Freundin beobachtet, die das Geschehen falsch interpretiert und glaubt, das Mädchen sei von den unheimlichen Hinterwäldlern niedergeschlagen worden und werde entführt.

 

Der Beginn eines verhängnisvollen Missverständnisses. Denn die Studenten, von zig Horrorfilmen und Urban Legends indoktriniert, fühlen ihre schlimmsten Ängste bestätigt. Nämlich, dass es sich bei Dale und Tucker um mörderische Sadisten handle. Beim Versuch der "Befreiung" Allisons fließt Blut - nicht zum letzten Mal, denn die missverständliche Situation schaukelt sich immer mehr hoch...

Trailer "Tucker & Dale vs Evil"

Der nächste "Shaun of the Dead"?

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Horrorkomödie die zuletzt inflationäre Anzahl jener Splatterfilme aufs Korn nehmen würde, in der sadistische, oft sogar kannibalistische Hinterwäldler Jagd auf unschuldige Studenten machen. Was der britische Streifen "Shaun of the Dead" fürs Zombie-Genre, könnte Eli Craigs (nicht zu verwechseln mit "Hostel"-Mastermind Eli Roth) "Tucker & Dale vs Evil" fürs Subgenre der "Mutanten im Hinterland jagen und fressen hübsche Studenten" (unter anderem in "Wrong Turn") werden: Der komödiantische Gegenentwurf zu den gewohnten Konventionen.

 

Unerhört: Nette Hillbillys!

Dabei beginnt der Film so, wie man es von einschlägigen Splatterwerken her kennt: Vergnügungssüchtige Studenten fahren im Auto Richtung Wildnis, um sich die Hucke vollzusaufen und den Alltag hinter sich zu lassen. Schon bald haben sie eine Begegnung der unheimlichen Art mit wortkargen, mürrisch dreinblickenden Hinterwäldlern in Latzhosen und abgewetzten Holzfällerhemden. Doch an diesem Punkt dreht Eli Craig zunächst die Sichtweise, später auch den Spieß um. Aus dem Blickwinkel der Hillbillys betrachtet wirken die Studenten völlig fremd, unnahbar und arrogant. Ein Annäherungsversuch des im Grunde äußerst schüchternen Dale bei der Vorzeigeblondine Allison endet mit der panischen Flucht der jungen Leute. Denn dass hinter dem grobschlächtigen, zottelbärtigen Redneck ein liebenswerter Mensch steckt, kann sich keiner der Studenten vorstellen.

 

In weiterer Folge nimmt die Handlung eine fürs Genre untypische Wendung: Die letztendlich in pure Gewalt mündende Aggression geht vom jungen Chad aus, während die Hillbillys Tucker und Dale friedliche und hilfsbereite Menschen sind. Dies erkennt auch Allison, die nach dem Erwachen aus der Ohnmacht glaubt, in der Ferienhütte gefangen genommen worden zu sein, um Opfer der schrecklichen Gelüsten der vorgeblichen Monster zu werden. Sobald sie den ersten Schrecken überwunden und den gehemmten Dale besser kennen gelernt hat, sympathisiert sie mit ihnen. Leider enden die Versuche, ihren Collegefreunden begreiflich zu machen, dass die beiden grobschlächtig wirkenden Typen harmlos sind, in einer Reihe weiterer Missverständnisse.

 

Grandiose Horrorparodie:"Tucker & Dale vs Evil"

Wie schon Simon Peggs "Shaun of the Dead" nimmt auch "Tucker & Dale vs Evil" das parodierte Genre ordentlich auf die Schaufel, spart aber nicht mit Splattereinlagen, die freilich im Kontext des Plots amüsant statt ekelhaft wirken. Trotz des komödiantischen Hintergrunds versteht es Eli Craig wunderbar, seine Protagonisten glaubwürdig zu charakterisieren und dem Zuschauer ein Stückchen weit einen Spiegel vorzuhalten. Denn auf den ersten Blick wirken Dale und Tucker wie typische Genrevertreter der Kategorie "hinterwäldlerische Sadisten", während man bei Allison auf eine zickige, eingebildete Blondine schließen würde. Ein Irrtum, wie sich später herausstellt, da Allison, fabelhaft naiv von Katrina Bowden verkörpert, einfühlsam und intelligent ist und sich bemüht, den Konfliktherd mittels Psychologie zu löschen - was zur vielleicht witzigsten Szene des ohnehin bereits brüllend komischen Filmes führt.

 

Obligatorischer Bösewicht

Überhaupt hat Regisseur Eli Craig bei der Auswahl der Schauspieler ein glückliches Händchen bewiesen. Neben Katrina Bowden glänzen Tyler Labine (demnächst in "Planet der Affen: Prevolution" zu bewundern) und Alan Tudyk ("Transformers 3") als Dale und Tucker.

Falls man ein Härchen in der vorzüglich angerichteten Suppe finden möchte, so eignet sich der Showdown dafür. Hier zaubert der Film eher unmotiviert einen Bösewicht aus dem Hut und erklärt seine Enttarnung mit einem grotesken Zufall, den man unmöglich ernstnehmen kann und somit in bester Tradition der parodierten Werke steht.

Doch derlei Kleinigkeiten schmälern den überaus positiven Gesamteindruck von "Tucker & Dale vs Evil" nicht, den man nicht nur Horrorfans, sondern jedem an witzigen Filmen Interessierten ans Herz legen kann. Denken Sie bei Ihrem nächsten Ausflug ins Hinterland daran: Auch hinter dem mürrischen Ossi könnte ein netter Kerl stecken...

Originaltitel: "Tucker & Dale vs Evil"

Regie: Eli Craig

Produktionsland und -jahr: Kanada 2010

Filmlänge: ca. 89 Minuten

Verleih: Universum Film GmbH

Deutscher Kinostart: 10.2.2011

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Autor seit 6 Jahren
837 Seiten
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