Was das überhaupt ist, Hygge?

Hygge ist ein dänisches Wort, das ursprünglich eigentlich aus dem Norwegischen kommt. Hygge beschreibt die typisch dänische Lebensart, es steht für Gemütlichkeit, Genießen und Gemeinsamkeit.

Hygge, das ist achtsames Leben statt Konsum, das ist Tee statt Champagner. Hygge ist die Nähe zur Natur, Arbeit im Garten, Picknick unter Obstbäumen. Hygge ist Kerzenlicht und eine Umarmung am Kaminfeuer. Hygge ist Dankbarkeit und das Hier und Jetzt genießen.

Doch warum muss es eigentlich Hygge sein? - Was die Dänen können, das praktizieren wir Deutschen doch schon lange ... vielleicht ist es uns bisher nur noch nicht so richtig bewusst geworden.

"German Gemütlichkeit" – die deutsche Art der Lebenskunst

Vielleicht hilft es, sich mal mit den Augen der anderen zu sehen. In vielen Ländern gilt Gemütlichkeit als typisch deutsche Lebensart – und wird international durchaus geschätzt und auch als nachahmenswert empfunden.

Beinahe jeder kennt wohl den berühmten Song aus Walt Disneys "Dschungelbuch": "Probier's mal mit Gemütlichkeit".

Warum? Es ist ganz einfach: "... mit Ruhe und Gemütlichkeit vertreibst du deinen ganzen Sorgenkram." Klingt doch nicht schlecht, oder?

Gemütlichkeit: Ein ganz besonderes Wort

"German Gemütlichkeit": Ein "untranslatable word", ein nicht zu übersetzendes Wort, sei die Gemütlichkeit, behaupten die Engländer. Auch die Franzosen ersparen sich die Übersetzung und sprechen schlicht von "La Gemütlichkeit". "Gymytlig" machen die Schweden daraus.

Die deutsche Gemütlichkeit ist ein ganz besonderes Wort und lässt sich tatsächlich kaum in andere Sprachen übersetzen. Nur das dänische Hygge ist ein Begriff, der dem Wort Gemütlichkeit ungefähr entspricht.

Gemütlichkeit hat nicht nur eine einzige konkrete Bedeutung, sie lässt sich schwer in Worte fassen.

Wenn man im Deutschen von Gemütlichkeit spricht, dann kann das vieles bedeuten: Behaglich, bequem, heimelig oder angenehm. Entspannt, gelöst, gelassen.

Gemütlichkeit, das verrät schon das Wort, tut nicht nur dem Körper, sondern auch der Seele (dem Gemüt) gut.

Gemütlichkeit ist eine zwanglose, gesellige Atmosphäre, frei von Sorgen und Konflikten.

Man macht es sich und anderen gemütlich, das bedeutet: Man sorgt für eine Atmosphäre, in der man sich selbst und in der sich andere wohlfühlen. Gemütlichkeit hat viel mit Geborgenheit zu tun, mit Wärme, auch mit Zugehörigkeit und sozialer Akzeptanz. Gemütlichkeit kann man alleine oder mit anderen gemeinsam erleben.

Ein gemütlicher Mensch ist ruhig, freundlich und umgänglich.

"German Gemütlichkeit": So geht's!

Wie machen wir Deutschen es uns denn ganz konkret gemütlich? Wie lässt sie sich beschreiben, die "German Art of Gemütlichkeit"?

So sieht man uns international – German Gemütlichkeit, das bedeutet:

Genießen können!

Biergärten und Bier: Das Bild zum Artikel "Gemütlichkeit" in der englischen Wikipedia zeigt "a typical German beergarden scene", eine typische deutsche Biergartenszene.

Geselligkeit, Feste und Feiern: Das berühmte deutsche Oktoberfest ist weltweit bekannt – nicht zuletzt durch den populären Wiesn-Hit: "Ein Prosit der Gemütlichkeit".

Brot: Im Ausland liebt man nicht nur die deutsche Brezel, sondern schwärmt auch von der riesigen Auswahl an deutschen Brotsorten. Man staunt darüber, dass Deutsche morgens, abends und manchmal sogar auch noch mittags Brot essen. Wer schon einmal selbst Brot gebacken hat, der wird vielleicht zustimmen: Irgendwie hat auch das mit Gemütlichkeit und Wohlbehagen zu tun.

Eine wohltuende Atmosphäre schaffen - und erleben

Schlösser und Fachwerkstädte: Viele Touristen betrachten Deutschland mit seiner großen Zahl an Schlössern und Fachwerkstädten als verzaubertes Märchenland, in dem man fast an jeder Ecke Vergangenheit und Geschichte(n) erleben kann. Publikumsmagnet ist das weltweit bekannte Schloss Neuschwanstein in Bayern, als Geheimtipp gilt vielen Deutschland-Besuchern inzwischen auch Hohenzollern in Baden-Württemberg.

Wälder: Ob Schwarzwald, Thüringerwald, Taunus oder Spessart: Die Deutschen lieben ihren Wald, halten sich oft und gerne im Grünen auf. Im Ausland schätzt man uns deshalb als besonders naturverbunden und umweltbewusst.

Wasser: Die Deutschen lieben die Nähe zum Wasser, so sieht man es zumindest international. Ob Küste, Badeseen, Heil- oder Erlebnisbäder – in Deutschland weiß man, dass Wasser einfach gut tut.

Weihnachtsmärkte: Für viele Deutschland-Touristen sind sie immer noch das Symbol deutscher Gemütlichkeit – die deutschen Weihnachtsmärkte mit festlich geschmücktem Weihnachtsbaum (auch der ist eine typisch deutsche Tradition!), Glühwein, Stollen und Lebkuchen. Deutschland im Winter sei "magisch", so verrät man sich unter Deutschland-Reisenden, und die deutschen Weihnachts- und Christkindlmärkte seien unbestritten die schönsten Weihnachtsmärkte der Welt.

Und auch das – so behaupten Deutschland-Besucher aus aller Welt - ist ein Stück deutsche Gemütlichkeit:

Der deutsche Dackel.

Lederhosen: So praktisch und bequem!

Die deutsche Sauberkeit. (Touristen staunen über "Straßen, auf denen so gut wie kein Müll zu sehen ist!")

Die vielen Feiertage und Ferientage. (Außer den Dänen kann sich niemand in Europa über so viele Urlaubstage im Jahr freuen wie die Deutschen.)

Die deutsche Bescheidenheit: Ein Deutschland-Tourist beschreibt es in einem Blog-Beitrag mit folgenden Worten: "Die Deutschen sind eher reserviert. Sie sind gut, sie wissen, dass sie gut sind, müssen das aber nicht jedem erzählen."

"German Gemütlichkeit" ist Lebenskunst:

Deutsche sind dafür bekannt, hart zu arbeiten, nehmen sich aber dennoch Zeit für Gemütlichkeit. Es sich gemütlich machen, das braucht durchaus auch etwas Engagement und Eigeninitiative. Sich wohlfühlen, für sich sorgen, es sich gut gehen lassen – das ist praktizierte Selbstfürsorge und laut neuesten psychologischen Erkenntnissen eine besonders wertvolle Eigenschaft!

Das Lebenstempo ein bisschen drosseln: In unserer schnelllebigen Gesellschaft tut Gemütlichkeit gut, denn sie bedeutet, die Dinge zur Abwechslung auch mal langsamer und bedächtiger anzugehen.

Gemütlichkeit ist eng verbunden mit dem, was man im Englischen als Quality Time bezeichnet: Zeit, die man wirklich nutzt und auf bereichernde, also "qualitätsvolle" Weise verbringt.

Um es noch einmal mit den Worten von Balu und Mogli aus dem "Dschungelbuch" zu sagen:

"Hast du das jetzt kapiert? Denn mit Gemütlichkeit kommt auch das Glück zu dir!"

Michaela, vor 29 Tagen
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Bildquelle:
Bildautor: Vera Kratochvil (Interessantes und Kurioses rund um alte deutsche Weihnachtsbräuche)
M. Steininger - Die Persönliche Note (Der Deutsche Schäferhund: Seine Geschichte, sein Wesen – und was ih...)

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