Bei den alten Griechen fängt es an

Wie schon bei der Hyazinthe fängt fast alles bei den alten Griechen an. Da begehren Götter oder Nymphen schöne Jünglinge. Sie schmachten, verschmähen oder werden verschmäht, verfluchen und lassen sich schlussendlich doch von der Schönheit weichklopfen. Und wieder einmal lassen sie die Toten in Form von Blumen wiederauferstehen. Eigentlich eine schöne Geste.

Aber schön der Reihe nach.

 

Narzisse (Bild: a.sansone)

Wie die Narzisse (vielleicht) zu ihrem Namen kam

Hier dürfen Sie sich ganz nach Belieben bedienen. Es gibt, wie so oft, nicht nur die eine Wahrheit.

Gefällt Ihnen eine nüchterne Erklärung? Oder ist Ihnen die romantisch verklärte, oder doch eher die göttlich-mythische lieber? Sie dürfen wählen, denn am Ende bleibt eines unbestritten:

Diese Blume, besonders die poetische Form (Narcissus poeticus), ist einfach wunderschön.

(Abb. aus Wildblumen aus Griechenland, Mediterraneo Edition)

 

 

 

  • Der Name leitet sich von gr. narkao=betäubend (Duft); Narke= Krampf, Erstarrung -ab. Angeblich sorgte der betäubende Geruch für Erstarrung. Punkt. Aus. Basta.

  • Namensgeber ist der schöne griechische Jüngling Narkissos, den die Götter begehrten, der sie aber verschmähte. Lesen Sie mehr von den Irrungen und Wirren aus der antiken griechischen Götterwelt.

 

Narziss, dem sein eigener Anblick mehr wert war, als der einer hübschen Nymphe

Hierzu gibt es viele unterschiedliche Versionen. Eines ist allerdings allen gleich: Narkissos, der schöne Jüngling, liebt nur einen Menschen; nämlich sich selbst.

  • Aus den Metamorphosen von Ovid: Narcissus und Echo "Die Bergnymphe Echo liebte den schönen Jüngling Narkissos. Da er ihre Liebe nicht erwiderte, magerte sie zu einem Skelett ab, das zu Felsgestein wurde. Nur ihre Stimme blieb erhalten; so entstand das Echo. Narkissos/Narziss, in sein eigenes Spiegelbild im See vernarrt, ertrinkt. Die Nymphen wollen den toten Jüngling Narkissos begraben, finden aber statt seiner Leiche diese weiße Blume (Blütenbeschreibung: weiße Blütenblätter, gefärbtes Zentrum und Nebenkrone). Seither heißt sie: Dichternarzisse, Narcissus poeticus, benannt nach dem Jüngling und dem Dichter Ovid.

  • Narkissos/Narziss: Sohn des Flussgottes Kephissos und der Nymphe Leiriope, verschmähte die Nymphe Echo und verliebte sich (als Strafe der Götter) in das eigene Spiegelbild, das er in einer Quelle erblickte. Da er sein eigenes Ich nie erreichen konnte, starb er vor unbefriedigtem Verlangen. Als der schöne Jüngling endlich tot war, bedauerten dies die Götter und verwandelten seinem Leichnam in eine Blume.

  • Narziss, in sein eigenes Spiegelbild im See verliebt, greift mit der Hand danach. Dabei zerstört er mit den Wellen natürlich das perfekte Abbild. Darüber erleidet er einen so großen Schock, dass er tot umfällt.

Alles nicht so eindeutig, sagt einer, der sich mit der Etymologie der Pflanzennamen auskennt, nämlich Helmut Genaust. Er nimmt an, dass (ebenso wie bei der Hyazinthe) möglicherweise auch andere Pflanzen als Narzisse bezeichnet wurden. "Auf Grundlage der antiken Angaben kann angenommen werden, dass zu verschiedenen Zeiten offenbar ganz unterschiedliche Pflanzen-Sippen mit Hyakinthos oder Narcissos gemeint waren."

Alles sentimentaler Heldenquatsch sagt ein anderer, der sich ebenfalls mit den historischen Quellen der Pflanzen auskennt, Wolfgang Seidel. "Der klassische Mythos ist ad hoc entstanden, denn die Endung -ssos stammt aus einer viel früheren Sprach- und Kulturschicht." Namen, die also aus einer noch früheren altmediterran-frühantiken Welt stammen. Von den Griechen eingemeindet und ausgeschmückt.

Nachdem Narzissen im ägyptischen Totenkult bereits eine bedeutende Rolle spielten, mag er Recht haben. Uns darf es gleich sein; Hauptsache die Blumen tragen einen hübschen Namen

Damit nicht genug, gibt es für die Narzisse mehr als nur einen volkstümlichen Namen. Das beginnt schon bei der

  • Osterglocke Narcissus pseudonarcissus, der rein gelben frühen Narzisse, die allerdings wirklich oft genug Ostern einläutet.
  • Osterbluame
  • Pankrazerl
  • Aprilrosen
  • Saffertnägeli

Die Narzisse und ein Ausflug zu deren botanischen Wurzeln

Die Pflanzen der Gattung Narzissen (Narcissus) sind Stauden mit Zwiebeln oder Knollen. Sie gehören zu den Narzissengewächsen (Amaryllidaceae). In der gleichen Familie ist Schneeglöckchen, Märzenbecher oder die Allium-Arten beheimatet.

Wie die Tulpe hat sie Perigonblätter (3+3), die röhrig verwachsen sind. Die Früchte sind Kapseln. Bezeichnend für die Narzissenblüte ist die (unterschiedlich ausgebildete) Nebenkrone mit krausem Rand.

Achtung: Giftig in allen Teilen; die Narzisse findet in der Homöopathie Verwendung.

Wildarten stammen aus mehreren Kontinenten – Europa, Asien und Nordafrika. An die 50 Wildarten gibt es alleine und die Züchtungen bestehen bereits aus Tausenden von Sorten. Diese sind in 12 Klassen (Divisionen) aufgeteilt.

Kaiserkrone mit Narzissen als ...

Kaiserkrone mit Narzissen als Gefolgschaft (Bild: a.sansone)

Die Narzisse und ihr Siegeszug in die Gärten

Etwa im gleichen Zeitraum wie Hyazinthe und Tulpe landete auch die Narzisse in den botanischen Gärten Europas. Nun wurde begeistert gekreuzt, gezüchtet, gehandelt, getauscht. Das Ergebnis - eine Vielzahl an Sorten, die seinesgleichen sucht. Ein kleiner Überblick gefällig?

Es gibt Trompetennarzissen, Osterglocken, gefüllte Narzissen, Straußnarzissen und die bekannte Dichternarzisse. Kennzeichen sind gespaltene Krone, volle Krone, kleine Krone; die Blütenfarben reichen von Reinweiß über Weiß mit gelbem Schlund, bis zu rosafarben, orange und sogar rot. Gartenfreund, was willst du mehr?

Lesetipp: Ideen für einen Frühlingsgarten

Einige Beispiele:

  • Reinweiß: Narcissus "Erlicher", Narcissus "Silver Chimes" Narcissus papyraceus oder Narcissus "Chivalry", die Engelstränen-Narzisse. Besonders schön ist " Paperwhite", eine Tazettenhybride, auch als Weihnachtsnarzisse bekannt.
  • Weiß-gelb: Narcissus "Geranium", Narcissus "Flower Record", Narcissus "Magnificum"
  • Gelb-orange: Narcissus "Soleil d'Or", Narcissus "Bantam"
  • Gelb: Zwergnarzissen und als Gegenstück: Narzisse Jonquille, mit 40 cm die längsten.
  • Gelb: Narcissus bulbocodium, die Reifrock-Narzisse; eine zierliche Trompete.

Gartentipp: Alle Narzissen mögen eine Prise Volldünger in der Blütezeit.

 

 

In diesen Gartenplanungen ist die Narzisse ein Star!

Narzissen in Hülle und Fülle

Dichternarzisse Narcissus poeticus (Bild: a.sansone)

So hat man lange Freude an den Narzissen

Am besten pflanzt man sie zeitlich gestaffelt an.

  • Für die ersten Frühlingstage nimmt man Trompetennarzissen. Dazu gehören die am frühesten blühenden (großkronigen) Osterglocken, auch gelbe Narzisse genannt, Narcissus pseudonarcissus. Viele Gartenzüchtungen - Blüte gelb, Nebenkrone so lang wie die äußeren Perigonblätter - stammen von Narcissus pseudonarcissus ab.
  • DichternarzissenNarcissus poeticus, und ihre zahlreichen Hybriden blühen gegen Frühjahrsende und stammen von der in Südeuropa beheimateten Art Narcissus poeticus ab.

Narcissus serotina (Bild: adele sansone)

Wo gibt es noch wilde Narzissen?

Die Narzisse liebt feuchte Wiesen und fette Matten oder Fluss-Auen. Sie kann bis 2000m hochsteigen. In den Alpen gibt es zerstreut Vorkommen. Hier handelt es sich um die zarte weiß blühende Dichternarzisse. Blütezeit von Mitte Mai bis Mitte Juni.

  • In Deutschland: Eifel, Hundsrück, Westalpen
  • Im Karst, in den Karpaten, in Südtirol
  • im Salzkammergut gibt es natürliche Narzissenwiesen.
  • In der Schweiz bekannt sind die Narzissenwiesen bei Montreux.

Wilde Arten im südlichen Europa:

  •  In Griechenland: Narcissus poeticus, Narcissus tazetta, Narcissus tazetta ssp. aureus und narcissus serotinus. Eine besonders interessante Art ist Pancratium maritimum, die Dünen-Trichternarzisse oder Meereslilie genannt.
  • In verschiedenen anderen Mittelmeergebieten: die Tazette Narcissus tazetta, Narcissus payraceus, Narcyssus poeticus und Pancratium illyricum.

Narzissenfeste - Frühlingsfreude pur

In Gegenden, wo es noch üppige Narzissenvorkommen gibt, werden zur Hochblüte gerne Narzissenfeste zelebriert. Mit geschmückten Prinzessinnen, geschmückten Blumenwagen und mehr. Überschäumende Frühlingsfreude kann man das nur nennen.

 

Bekannt und berühmt:

Die Reifrock-Narzisse - ein besonderes Kleinod

Narcissus bulbocodium (Bild: a.sansone)

Narziss: Namensgeber für mehr als eine Zeiterscheinung?

Wer von Narziss spricht, muss sich auch mit dieser Kehrseite dieser allzu schönen Medaille befassen.

Als Narziss oder Narzisst wird aus psychologischer Sicht ein Mensch bezeichnet, der ganz auf sich selbst bezogen ist. Jemand, der nur sich selbst bewundert und liebt und der Empathie unfähig ist. Fast scheint es so, als wäre heute die Welt nur mehr voller Narzissten und Narzissmus ist in der medialen Branche sowieso zum Kult geworden. "Ichbezogenheit" und "Selbstverliebtheit" wachsen mit jeder Castingshow, mit jedem Starkult. Sehr zum Leidwesen der jeweiligen Partner dieser oft charmanten und blendenden Persönlichkeiten.

Kein Wunder, dass sich seit der Antike Dichter, Maler und heute Psychologen und Psychotherapeuten damit befasst haben.
Ein paar Beispiele:

  • Fresken aus Pompeji
  • Caravaggio
  • Ovid: Metamorphosen (Echo und Narkissos)
  • Christoph Willibald Gluck: Echo und Narziss
  • Hermann Hesse: Narziss und Goldmund
  • Sigmund Freud: Zur Einführung des Narzissmus
  • Reinhard Haller: Die Narzissmusfalle

Quellen

  • Teufelsgeige und Witwenblume, Pichler/Geiser/Zuber; Christoph Merian Verlag, 2010 Bern
  • Die Weltgeschichte der Pflanzen, Seidel; Eichborn, 2012 Köln
  • Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, Genaust; Nikol Verlag, 2012 Hamburg
  • Mythologisches Wörterbuch
Adele_Sansone, am 13.03.2014
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/wie-mache-ich-einen (Wie mache ich einen Garten in Weiß?)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Mainau - Tulpen, Rosen, Mammutbäume - gute Gründe für einen Besuch ...)

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