Storchschnabelgewächse - eine Familie der falschen Namen

Geraniaceae (Storchschnabelgewächse) heißt die Pflanzenfamilie, zu denen die Gattungen

  • Geranium
  • Erodium und
  • Pelargonium

gehören.

Wer sich in blau, violettfarbene oder rosafarbene Blüten verliebt, kommt an der Familie der Storchschnabelgewächse (Geraniaceae) nicht vorbei. Was aber ist Geranie? Was Pelargonie? Von Erodien haben Sie überhaupt noch nie was gehört? Dann ist es an der Zeit, ein wenig Licht der Aufklärung in diesen botanischen schnabeligen Wortwirrwarr zu bringen.

Der dieser Familie den Namen gebende Storchschnabel ist eigentlich übersetzt ein Kranichschnabel und erst die Pelargonie macht den Storch echt.

Wie bitte? Nur Geduld, Aufklärung folgt.

Die Pflanzenfamilie besteht aus 300 Arten, aufgeteilt in 14 Gattungen, ein- oder zweijähriger Stauden, einige sind sogar immergrün und die Arten kommen in allen gemäßigten Klimazonen vor. Was allerdings bei uns so gerne auf Balkonien steht, stammt ursprünglich aus Südafrika.

Die verschiedenen Storchschnabel-Arten zeichnen sich nicht nur durch ihre hübschen Blüten aus, sondern auch durch das Blattwerk und den kissenartigen Wuchs.

 

Storch, Kranich und Reiher - Schnabel

Storchschnabel (Bild: lizzyliz / Pixabay)

Der Storch, der erst ein Kranich und am Ende sogar ein Reiher war

Wer sich die Mühe macht und den sprachlichen Wurzeln nachforscht, der findet immer wieder interessante Ergebnisse. Bei allen Arten dieser Familie befindet sich am oberen Ende der Frucht ein schmales schnabelähnliches Gebilde, weshalb drei der Gattungen und die Familie nach langschnäbeligen Vögeln benannt wurden.

Geranium in Deutsch als "Storchschnabel" bezeichnet, kommt von lat. geranion, griech. geránion, grános, dem Kranich. Die Frucht dieser Pflanzenfamilie gleicht einem langgeschnäbelten Vogelkopf, aber dem Ursprung nach müssten sie eigentlich Kranichschnabel-Gewächse heißen.

Pelargonium wurde 1792 für eine Gattung der Geraniaceae Südafrikas eingeführt. Ursprünglich benannte man die Pflanzen Geranium africanum, später (1738) allerdings führte der niederl. Botaniker Johannes Burman den neuen botanischen Namen Pelargonium ein, nach gr. Pelargos=Storch. Ha, da ist er endlich!

Erodium, eine ebenfalls heimische Gattung von Storchschnabelgewächsen, kommt wiederum von gr. erodiós=Reiher. Vogel Nummer drei!

Hier schnabelt es schon ganz ordentlich!

Ob der Wechsel im allgemeinen Sprachgebrauch von Kranich zu Storch darauf zurückzuführen ist, dass es in Griechenland und Rom öfter Kraniche gab, in heimischen Breiten jedoch mehr Störche? Wer kann das schon heute noch sagen? Immerhin nahm man als nächsten Vogel auch noch den Reiher in die Familie auf.

Abschließend könnte man schlicht und einfach sagen, den Botanikern hat es allmählich gereicht und schlussendlich hieß es bei den Geraniaceae:

"Ach halt doch einfach den Schnabel!"

 

Was ist Geranie - was Pelargonie?

Es ist keine Hexerei. Man muss auch keine botanisch-hochwertige Schulung absolvieren. Es ist ganz einfach - Augen auf. Der Unterschied zwischen Geranie und Pelargonie:

  • Die Blüten sind 5-zählig und radiär symmetrisch => Geranie

  • Die Blüten haben zwei obere Blütenblätter, die sich durch eine andere Farbe oder Zeichnung von den drei unteren Blütenblättern abheben (zweiseitig symmetrisch/auch zygomorph genannt) => Pelargonie
Geranie contra Pelargonie

Geranienblüte (Bild: a.sansone)

Der Siegeszug der Pelargonien - die historischen Wurzeln

 

  • Älteste Aufzeichnungen um 1600 besagen, dass erste Pflanzen im Bot. Garten der Universität von Leiden (damals Leyden) gezüchtet wurden.
  • Mitgebracht, bzw. geschickt hat sie vom Tafelberg in Südafrika der für die Niederländische Ostindien-Kompanie als Arzt und begeisterter Botaniker arbeitende, gebürtige Deutsche, Paul Hermann (1646-1695).
  • Neuerliche Erwähnung, dass Exemplare 1690 von Kapland in den Bot. Garten in Leyden gebracht wurden. Kein Wunder, denn Hermann wurde 1679 dorthin als Leiter des "Hortus academicus" berufen.
  • Dass Geranium africanum bereits 1687 erwähnt wurde, liegt an den regen Sendungen von Kapstadt aus, die von Hermann organisiert wurden.
    *Quellen: Pflanzenjäger; Hielscher/Hücking; Piper
  • 1738 wird die Gattung vom niederl. Botaniker Johannes Burman erstmals Pelargonium genannt.
  • Pelargonium (von Linné noch als Geranium africanum bezeichnet) 1792 Name für eine Gattung der Geranien Südafrikas eingeführt.
  • Die Gattung ist hübsch, interessant, aber nicht weiter aufregend.
  • 150 Jahre später bringt der engl. Major Stevens aus Südafrika eine Tinktur aus Kapland Pelargonien- Wurzelnals Heilmittel gegen Tuberkulose mit. Er gedachte, einen breiten Handel damit aufzuziehen. Viele Züchtungen erfolgten, das Heilmittel wurde jedoch später verboten, aber die Pflanze begann dafür ihre Karriere als Zierpflanze - bis heute.
  • Allerdings erlangt die Tinktur, die ihm damals so vielversprechend erschien, wieder reges Interesse als Heilmittel. Die unaussprechliche Heilpflanze "Umckaloabo" ist schlicht und einfach Pelargonium reniforme / sidoides. Der gute Major stevens war nur seiner Zeit voraus.

Storchschnabel als Heilpflanze?

Ausgerechnet die Art mit dem übelsten Geruch Geranium robertianum, das Ruprechtskraut oder auch stinkender Storchschnabel genannt, wurde als Heilpflanze verwendet.
Der Name soll auf den hl. Robert oder Ruprecht, Erzbischof von Salzburg im 7. Jhdt. zurückgehen. Er hat den Gebrauch der Pflanze empfohlen.

Natürlich kann allerdings die Bezeichnung auch auf lat ruber= rot zurückgeführt werden. Die Pflanze, besonders die Stängel, aber auch die Blätter (im Herbst) sind rot überlaufen.

Tatsache: Sie riecht etwas unangenehm. Doch ihre Bitterstoffe (Ellagitannine), Geraniin, ätherische Öle und Harz sind blutstillend und wundheilend.

Geranium pratense Wiesenstorchschnabel
Der Boom, heimische Wildpflanzen als Genuss- oder Nahrungsmittel neu zu entdecken,

macht auch vor dem Storchschnabel nicht halt. Von April bis Juli können junge Blätter roh für Wildsalate oder Quark, Gemüsefüllungen und Suppen geerntet werden. Die Blüten eignen sich als essbare Dekoration.

Da die Blätter aber für ungeübte Sammler jenen des gelben tödlich giftigen Eisenhuts Aconitum loctonum ähneln – muss ich davon abraten.

 

Geranium - heimische Arten

Geranium sanguineum (Bild: a.sansone)

Heimische Storchschnabel-Arten

In aller Gemeinsamkeit haben sie doch unterschiedliche Ansprüche. Manche Arten sind behaart, drüsig, andere glatt. Sie besiedeln Hochstaudenfluren, Fettwiesen, trockene Hänge, feuchte Wiesen, Schatten (Geranium robertianum kann anhand seiner Blattgelenke die Blüten nach dem Licht ausrichten).

Seltene Arten:

 

  • Geranium argenteum Silber-Storchschnabel
  • Geranium nodosum Knotiger Storchschnabel
  • Geranium phaeum brauner Storchschnabel
  • Geranium columbinum Tauben-Storchschnabel
  • Geranium dissectum geschlitzter Storchschnabel 

 Häufige Arten:

  • Geranium molle weicher Storchschnabel
  • Geranium lucidum glänzender Storchschnabel
  • Geranium pratense Wiesenstorchschnabel
  • Geranium palustre Sumpf-Storchschnabel
  • Geranium pusillum kleiner Storchschnabel
  • Geranium robertianum stinkender Storchschnabel
  • Geranium rotundifolium rundblättriger Storchschnabel
  • Geranium sanguineum Blutroter Storchschnabel
  • Geranium sylvaticum Waldstorchschnabel

 

Die Blüten sind 5-zählig (Blütendiagramm: (K 5 B 5 S 5+5 )) und radiär symmetrisch. Interessant und namengebend sind die Früchte, die eben einem Reiher-, bzw einem Storchschnabel ähneln und mit einem raffinierten Schleudermechanismus die Samen ausschießen.

botanische Bezeichnungen

Wer sich dafür interessiert, was sich immer wiederholende Begriffe, wie

  • sylvaticum, sylvestris
  • pratense
  • palustris
  • rotundifolium

bedeuten, der kann sich bei Botanische Begriffe und ihre Bedeutung ausreichend einlesen:

Gattung Erodium - Reiherschnabel

  • Erodium cicutarium gewöhnlicher Reiherschnabel

Die Blätter sind gefiedert, die Blüten eher klein und zierlich. Auf den ersten Blick kann man ihn mit Ruprechtskraut verwechseln. Allerdings liebt er sonnige und sandige Standorte.

Auch in der Frucht unterscheiden sich Gattung Geranium und Erodium. Beide haben eine Frucht mit Schleudermechanismus. Der Reiherschnabel hat aber eine Bohrfrucht (ähnlich Pulsatilla). Bei Trockenheit ist die Granne aufgerollt, bei Feuchtigkeit streckt sie sich und schraubt sich weiter in den Boden. Steife Borsten mit Widerhaken verhindern das Herausdrehen.

Geranien für den Garten

Geranium-Arten und Züchtungen sind bestens geeignet für Staudenbeete und Steingärten. Durch ihren buschigen Wuchs sind sie auch als Solitärpflanze sehr hübsch. Fast jeder Boden ist geeignet. Nährstoffhaltig, humusreich, sandiger Lehm; auch Schatten wird von einigen Sorten gut vertragen. Teilweise sind es Züchtungen aus Geranium grandiflorum aus Nordasien, Kaukasus. Farblich variieren die Sorten von weiß, fein gemustert über zartestem Rosa, Blautöne bis purpurfarben, dunkelviolett.

Fortpflanzung: am besten Stecklinge oder Stockteilung im Herbst.

(Bild: a.sansone)

Am Balkon oder im Topf ihre Lieblings-Pelargonie

In Kisten, Kästen und Ampeln hängen oder stehen vorwiegend die Hybridformen (Zuchtformen) der ursprünglich aus Südafrika stammenden Gattung Pelargonium. Die Gattung, die zu den Geraniaceae gehört, umfasst alleine an die 280 Arten, die vorwiegend in Südafrika und Namibia beheimatet sind.

Die echten Pelargonien haben zwei obere Blütenblätter, die sich durch eine andere Farbe oder Zeichnung von den drei unteren Blütenblättern abheben (zweiseitig symmetrisch). Die Blätter der Pelargonien sind oft aromatisch und enthalten Öle oder harzartige Tropfen. Sogar Pflanzen mit sukkulenten Stängeln gibt es darunter.

Es gibt sie einfach, gefüllt, zweifarbig Blüten – in fast allen Farben.

Pflanzbedingungen:

Universalerde mit Substrat mit Langzeitdünger ist ideal. Pelargonien mögen keine nassen Füße, auch kein Wasser von oben. Der Standort sonnig bis leichter Schatten, der Boden soll durchlässig sein.

 

Pelargonien - vier Gruppen

Man kann die Pelargonien in vier große Gruppen einteilen mit unzähligen Sorten. Urväter/mütter sind Pelargonium x hortorum Züchtungen. Nur die Duftpelargonien - oft Duftgeranien genannt -, umfassen noch ursprüngliche Arten.

  • Edelpelargonien/Pelargonium grandiflorum-Hybriden: eintriebig, holzige Stängel, große nierenförmige Blätter, große Blüten in Dolden
  • Zonalpelargonien/Gürtelpelargonie: damit ist die braune Zeichnung auf den Blättern gemeint. Aufrecht, buschig verzweigt, samtige Blätter. Gefüllte oder ungefüllte Blüten in starken Farbtönen.
  • Hängepelargonien/Efeupelargonien: kriechende, hängende Stängel, dicke glänzende Blätter, farbig zartere Tönungen
  • Duftpelargonien: Nicht die Blüte, oft unscheinbar, sondern der Blattduft spielt hier die Hauptrolle. Meist fiederblättrige Arten.

Link zu Auswahl Duftpelargonien

Hübsche Pelargonien in Töpfen und Kistchen

(Bild: Hans / Pixabay)

Botanisches Glossar: Was ist typisch für Storchschnabelgewächse?

  • Storchschnabelgewächse/Geraniaceae
  • Blätter wechselständig mit Nebenblättern; handförmig geteilt; Grundblätter 7 Blattlappen, Stängelblätter fünflappig
  • Stängel behaart
  • 5 Blütenkronblätter - die Staubblätter können am Grunde verwachsen sein
  • 5 Kelchblätter
  • Fruchtknoten oberständig aus 5 Fruchtblättern
  • Frucht ist eine Kapsel, typisch zum langen Schnabel geformt und besitzt einen Schleudermechanismus
  • Abb. Wikipedia
Adele_Sansone, am 13.05.2014
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Bildquelle:
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