Cover "Lost Horizon"Mit Triaden ist nicht gut Reis essen

Hongkong im Jahr 1936: Abenteurer Fenton Paddock hat auch schon bessere Zeiten gesehen. Ein Jahr zuvor war er noch Offizier der Englischen Krone gewesen. Dann zerstörte eine Tragödie seine hoffnungsvolle Karriere, wie auch sein Privatleben. Als Pilot und Schmuggler schlägt er sich durch, legt sich dabei aber mit den Triaden an und wird als Fischfutter im Hafenbecken versenkt. Doch der zähe Engländer denkt nicht daran, den Ganoven diesen Gefallen zu tun und entkommt seinem tödlichen Gefängnis.

Wenig später ereilt ihn der Hilferuf des Gouverneurs Lord Weston: Sein Sohn Richard, ehemals bester Freund Fentons, ist spurlos in Tibet verschwunden. Auf Grund heikler diplomatischer Verwicklungen darf Weston keine britischen Truppen einschalten. Deshalb bittet er Fenton, nach Richard zu suchen. Dieser stimmt zu, muss aber notgedrungen Kim, die Nichte eines alten Freundes, mit auf die Reise nehmen. Doch nicht nur die Triaden machen den beiden das Leben schwer: Auch die Nazis unter Führung der skrupellosen Wissenschaftlerin Hanna Gräfin von Hagenhild sind in Tibet hinter Richard her...

Deutscher Trailer "Lost Horizon"

"Geheimakte Tunguska"-Nachfolger "Lost Horizon"

Kein zweiter Indiana Jones

1930er-Jahre, Tibet, Abenteurer im besten Alter, mystische Artefakte, von Nazis verfolgt. Klingt nach einem Indiana-Jones-Film, ist es aber nicht. Die Softwareschmiede "Deep Silver" bedient sich zwar kräftig beim populärsten Mann mit Schlapphut und Peitsche, vermeidet es aber geschickt, das Erfolgsrezept lediglich abzukupfern. Denn Fenton Paddock hält nichts von Markenzeichen oder coolen Sprüchen. Er ist ein ehemaliger britischer Soldat, der völlig unbeabsichtigt ins Abenteuer seines Lebens rutscht und mit Archäologie und dem Erwerb von Wissen nichts am Hut hat.

 

Trotzdem erinnern die Storyline und die Aufmachung an Steven Spielbergs "Indiana Jones"-Filme. Seien es die Schauplätze, die Bösewichte in Form von Nazis, die Reiserouten symbolisierenden Landkarten oder die erwähnten Artefakte: Wer sich immer schon einmal gewünscht hat, ein solches Abenteuer als Computerspiel zu zocken, kommt hier voll und ganz auf seine Kosten. Bereits das Menü zeugt vom Ursprung der Plotidee: Ein Filmpalast im Stile der Vorkriegszeit weckt sofort Lust einzutreten. Dazu gesellt sich ein filmreifes Intro, das eine der Stärken des Spieles herausstreicht: Die fabelhaft animierten Zwischensequenzen.

 

Von den "Geheimakte Tunguska"-Machern

Verwundern sollte dies freilich nicht. Hinter "Lost Horizon" steckt immerhin das Team hinter den Adventuregames "Geheimakte Tunguska" und dem Nachfolger "Geheimakte Tunguska 2", zwei der besten Genrespielen der letzten Jahre, die noch dazu aus Deutschland stammten, das man nicht gerade mit der Produktion von unterhaltsamen Computerspielen assoziiert. Ironischerweise muss das Spiel deshalb auf die Abbildung historisch korrekter, aber verfassungswidriger Hakenkreuze verzichten und greift auf das Schwarze Kreuz des Deutschen Kaiserreichs zurück. Auch der Deutsche Gruß wurde entsprechend entfernt, was dem einschüchternden Charakter des Nazismus an Schärfe nimmt.

 

Dafür verwöhnt "Lost Horizon" über weite Strecken hinweg mit einer spannenden Geschichte, die der Spieler immer wieder aktiv vorantreiben muss. Wie in vielen Adventuregames mittlerweile üblich, können zeitweise zwei unterschiedliche Figuren gesteuert werden, die sogar interagieren, indem sie dem jeweils anderen Gegenstände zuschanzen. Ob diese tatsächlich relevant sind, muss der Spieler herausfinden.

 

Einsteigerfreundlich

Von den teils knackigen Rätseln aus "Geheimakte Tunguska" ist dieses Game weit entfernt. Mit schlichtem Ausprobieren knackt man jedes Rätsel, womit sich "Lost Horizon" als äußerst einsteigerfreundlich präsentiert. Geübte Zocker dürften bereits nach mehreren Stunden den Abspann sehen, zumal die Dialoge übersprungen werden können und großteils aus seichtem Geplaudere ohne Witz und Esprit bestehen. Auch in diesem Punkt hängt "Geheimakte Tunguska" das 2010 veröffentlichte "Lost Horizon" klar ab. Ninas Dialoge waren einfach geschliffener, pointierter und amüsanter zu verfolgen.

 

Und um abermals zu mäkeln: Die Zwischensequenzen und Hintergrundgrafiken sind vorzüglich geraten und ein echtes Highlight des Genres. Umso enttäuschender fällt das Charakterdesign aus: In den Gesichtern spiegeln sich keinerlei Emotionen wieder. Jeder trägt die exakt selbe ausdruckslose Mimik zur Schau, die Steven Seagal zur Ehre gereichen würde: Ob nun erfreut, verärgert, überrascht oder traurig - der Gesichtsausdruck bleibt stoisch. Das hat neben den "Geheimakte Tunguska"-Spielen beispielsweise "Runaway 3: A twist of fate" wesentlich überzeugender gemeistert.

 

Nicht ganz perfekter Adventure-Spaß

Während das Charakterdesign objektive Ansichtssache darstellt, kann man über den Fortlauf der Story geteilter Meinung sein. Denn ohne zu viel verraten zu wollen: Letztendlich wird es äußerst mystisch und esoterisch.

 

Fazit: "Lost Horizon" hätte das Zeug zum ganz großen Knaller gehabt, fällt gegenüber den erwähnten "Geheimakte Tunguska" und "Runaway 3: A twist of fate" doch etwas ab. Freilich handelt es sich bei dieser Feststellung um Jammern auf denkbar hohem Niveau. Denn "Deep Silver" liefert mit diesem Game wieder einmal ein erstklassiges Adventure ab, dem gegen Schluss hin etwas die Luft ausgeht, anstatt die Spannungsschraube noch einmal kräftig zu drehen. Der Wiederspielwert ist nicht nur dadurch gering. Auch den Dialogen mangelt es an Substanz und Witz.

 

Eingedenk der Schwächen ist "Lost Horizon" jedem Adventure-Fans ans Herz zu legen und hält in den Extras eine erfreuliche Überraschung bereit. Welche das ist, muss der geneigte Zocker selbst herausfinden. So viel "Geheim"krämerei muss im Rahmen des Genres sein...

Spieletitel: Lost Horizon

Hersteller: Deep Silver

Erstveröffentlichung: 2010

Plattformen: Windows XP/ Vista / 7

USK-Einstufung: Ab 12 Jahren

Systemanforderungen:

  • Pentium IV Single Core oder kompatibler Prozessor
  • 512 MB RAM
  • DirectX 9-kompatible Grafikkarte
  • DVD-Laufwerk
  • 4,5 GB Festplattenspeicher
  • Maus

Bitte beachten Sie: Diese Angaben erfolgen ohne Gewähr!

rainerinnreiter, am 25.07.2011
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Bildquelle:
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schreibspass bei Pagewizz (Destiny und Avatar – SchauSpiele des Lebens?)

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