2223Silybum_marianum_Mariendistel_3 (Bild: Michael Wunderli / Flickr)

Mariendistel - botanischer Steckbrief

Die Mariendistel (Silybum marianum) ist ein Korbblütler (Asteraceae). 

Auffallend ist bereits im Jugendstadium die große Blattrosette mit den milchig gestreiften gelappten Blättern (siehe Namensgebung). Die oberen Blätter sind stängelumfassend, alle sind mit Dornen versehen. Ihr Blütenstiel wird 60 bis 150 cm hoch.

Die dekorativen Körbe sind 4 bis 5 cm lang und stehen einzeln auf langen Stielen. Ein typisches Merkmal sind die in spitzen Dornen auslaufenden Hüllblätter (Brakteen). Die Blüten (Röhrenblüten) sind purpurfarben. Die Achänenfrüchte sind glänzend schwarz mit grauen Flecken und tragen an der Spitze einen 15 bis 20 mm langen Pappus.

Wo stammt die Mariendistel her?

Sie stammt aus den Mittelmeergebieten, Nordafrika und SW-Asien, wo sie auch heute noch weit verbreitet ist. Auch auf jeder der Mittelmeerinseln ist sie zu finden.

Eines der Hauptangebiete in Mitteleuropa für medizinische Zwecke liegt in Niederösterreich (Waldviertel). siehe Abb.

 

Frage: Haben Mariendisteln Dornen oder Stacheln?

 

Wer schon mehr von botanischen Spitzfindigkeiten infiziert ist, der weiß - ein Dorn ist ein umgewandeltes Blatt, Nebenblatt, Hüllblatt oder Zweig. Folgerichtig sind diese spitzen Enden der Hüllblätter eindeutig ein Dorn (8 bis 15 mm lang und 6 bis 10 mm breit) und keine Stacheln.

Hüllblatt in Dorn auslaufend - Mariendistel (Bild: a.sansone)

Wie die Mariendistel zu ihrem Namen kam

Mariendistel:

  • Distel: Pflanzen, die am Stängel und an den Blättern spitze Ausläufer tragen.
  • Mariendistel: Unter Einfluss des Christentums erlangten viele Pflanzen ihre Namen. Hier besagt die Legende, dass auf der Flucht vor Herodes, als Maria im Schutz eines Distelfeldes das Kind, Jesus, stillte, ein Tropfen Muttermilch auf ein Distelblatt tropfte. Daher rühren die *milchweißen Flecken entlang der Blattnerven.

Im Mittelmeerraum existieren noch andere Disteln mit milchig-fleckigen Blättern, etwa auf Mallorca und Menorca die Milchfleckdistel, Galactites tomentosa, mit zartlila Blütenköpfen.

Der botanisch-wissenschaftliche Name Silybum marianum wiederum setzt sich aus

  • gr/lat. Silybum,sillybus/sillybon=Sippe der Distelförmigen, silybos=Quaste und
  • lat. =Maria geweiht, zusammen.

Weitere Trivialnamen:

  • Christi Krone, Donnerdistel, Fieberdistel, Frauendistel, Heilandsdistel, Marienkörner oder Stechkörner

*Botanische Auflösung: Drückt man mit dem Finger über eine dieser marmorierten Stellen, dann verschwindet die Farbe aus der weißen Ader. Des Rätsels Lösung: Die Epidermis auf dem Mariendistel-Blatt ist an diesen Stellen abgehoben und bildet darunter luftgefüllte kleine Polster. Infolge der veränderten Lichtbrechung erscheinen diese Bereiche weiß.

Silybum marianum/Mariendistel

Mariendistel markanter Kopf mit Brakteen (Bild: a.sansone)

Im Garten die Mariendistel ins rechte Licht gerückt

Sie haben in Ihrem Garten einen Bereich, wo Sie eine Pflanze dekorativ einsetzen wollen? Dann ist die Mariendistel wunderbar dafür geeignet. Ein sonniger Platz und eher sandiger durchlässiger Boden sind ideal. Wenn die Mariendistel von einzelnen nieder wachsenden Pflanzen umgeben ist, dann kann Sie ihnen vom Frühsommer bis Herbst durch ihre Gestalt und ihre Blüte viel Freude bereiten.

Die Mariendistel ist zweijährig und sät sich gerne selbst wieder aus. Die unverwechselbaren Keimlinge (siehe Abb.) kann man ohne große Mühe versetzen. Wer sie im Herbst mit etwas Schutz versieht, kann sich im Frühjahr über eine neue Distel freuen.

Schon die üppigen Blattrosetten sind ein Hingucker.

Mariendistel - aus klein wird prächtig

Mariendistel mt geschlossenem Blütenkopf (Bild: a.sansone)

Mit welchen Pflanzen kann ich die Mariendistel kombinieren?

Sie wollen, dass die Mariendistel (2-3 Pflanzen) schön im Blickpunkt stehen? Dann würde ich sie in Kombination mit folgenden Pflanzen empfehlen, die ihr zu Füßen liegen:

Wenn Sie im Herbst bereits Ausschau nach den jungen Keimlingen halten und sie hochpäppeln, dann haben Sie für lange Zeit ein nicht alltägliches Schmuckstück im Garten. Die verblühten Disteln sind sowohl dekorativ als auch natürliches Vogelfutter.

Um Schmetterlinge, Hummeln und Bienen müssen Sie sich auch nicht weiter kümmern, denn die kommen von selbst.

Ist die Mariendistel eine Heilpflanze, oder doch nicht?

Wie immer streiten sich die Geister und die Experten. Für die Einen ist die Mariendistel die "Leberpflanze" schlechthin, für die Anderen höchstens eine Unterstützung einer klassischen Therapie. Sanfte Medizin für die Leber oder Humbug?

Wie auch immer. Faktum ist:

  • Schon Plinius und Dioskurides haben "silybum" als eine distelartige Arzneipflanze erwähnt. Pharmazeutische Anwendung fanden die Wurzel, das Kraut und die Früchte.
  • Silymarin ist der aus den Früchten der Mariendistel gewonnene Wirkstoff, der leberschützend, leberstärkend und entgiftend wirken soll.  Die Früchte werden ausgepresst, das fette Öl kann in der Nahrungsmittelindustrie weiter verwendet werden, der Pressrückstand enthält die therapeutisch wichtigen Verbindungen.
  • Gesichert ist der Einsatz bei Knollenblätterpilz-Vergiftungen.
  • Möglicherweise ist Silymarin in der Form hochdosierter Infusionen auch gegen Hepatitis C einsetzbar. Studien am Wiener AKH laufen dazu.
  • Allerdings: In insgesamt 13 sogenannten randomisiert-kontrollierten Studien konnten die Cochrane-Wissenschaftler keinen Hinweis auf einen medizinischen Vorteil derMariendistel erkennen. Weder schien Mariendistelextrakt die Leber-Patienten vor einem verfrühten Tod zu bewahren, noch traten seltener Begleiterkrankungen aufgrund des Leberleidens auf.

    Immerhin schienen Nebenwirkungen durch die Einnahme von Mariendistelextrakt nicht vermehrt aufzutreten.

Die klassische Medizin setzt Mariendistelpräparate nur zur ergänzenden Behandlung von chronisch-entzündlichen Lebererkrankungen ein. 

Alternativ-Mediziner hingegen vertrauen etwas mehr auf die Heilkräfte der Pflanzen.

Kann man die Mariendistel aus dem Garten für Tees verwenden?

Wer nun also die Mariendistel im eigenen Garten quasi als vorbeugende Medizin für übermäßigen Alkoholkonsum anbauen will, der ist am falschen Dampfer. Denn da genügt es nicht nur eine Pflanze anzubauen, sondern es bräuchte viele.

Kann ich die Mariendistel dennoch verwenden?

Die Samen der Mariendistel enthalten das wertvolle Silymarin. Dieses ist jedoch in Wasser schwer löslich. Nur etwa 25% des Wirkstoffes landen im Tee. Wer also nur als kleine Unterstützung für seine Leber Tee aus Mariendistelsamen trinkt, kann nicht allzu viel falsch machen.

Anmerkung: Allerdings sollte, wie bei allen Heilpflanzen, auch wirklich die Anwendung kontrolliert erfolgen. Sich also den Rat aus der Apotheke, vom Heilpraktiker über Dauer und Dosierung der Anwendung einholen.

Der Leber Gutes tun - ganz einfach

Wer seiner Leber und damit auch seiner Gesundheit etwas Gutes tun will, der kann sich einfach auf die natürlichen Bitterstoffe besinnen.

Viele Blattsalate versorgen uns mit den anregenden Bitterstoffen, die Leber, Gallenblase und Bauchspeicheldrüse guttun. Und das können Sie ganz einfach in Ihren Speisezettel einbauen. Am besten als Vorspeise ein paar Bissen - dann tut das Essen doppelt gut.

Nebeneffekt: Wer mit Bitterstoffen seine Verdauung ankurbelt, wird rascher satt und nimmt dadurch automatisch kleinere Portionen und weniger Kalorien zu sich. Na? Ist das kein Argument? In den folgenden Pflanzen sind Bitterstoffe

  • Chicorée
  • Radicchio
  • Rucola
  • Endivie
  • Artischocken
Mariendisteln in Massen

Chardon-Marie (Silybum marianum), Mediterranean Milk Thistle (Bild: PescalunePhoto / Flickr)

Quellen

Neben der eigenen gärtnerischen Erfahrung ...

  • Kosmos Atlas Mittelmeer- und Kanarenflora, Schönfelder; Franckh-Kosmos Verlag, 2011 Stuttgart
  • Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen, Verlag das Beste, 1980 Stuttgart
  • Heil-, Gewürz-, Nutz- und Giftpflanzen im Botanischen Garten der Universität Innsbruck, Bortenschlager/Vergörer, 2004 Innsbruck
  • Was blüht am Mittelmeer, Schönfelder; Kosmos, 2005 Stuttgart
  • Guida alla Fiora e alla Fauna della Sardegna, Casu/Pinna/Lai/Colomo; Ed. Archivio Fotografico Sardo, 2007 S. Colomo
  • Das große Bilderlexikon der Gartenpflanzen, Herwig; Südwest Verlag, 1978 München

 

 

 

Noch mehr an Korbblütern/Asteraceae finden Sie hier

Adele_Sansone, am 05.06.2016
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Bildquelle:
Heike Nedo (Bitterstoffe helfen beim Abnehmen)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Warum haben Rosen keine Dornen?)

Autor seit 5 Jahren
270 Seiten
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