Menorca und sein Klima

Ein Mittelmeergebiet mit seinem für uns Touristen erwünschten Klima*, offenbart sich hier. Sonnig, warm bis heiß im Sommer - ideal für den Badeurlaub. Das heißt für die ansässige Pflanzengesellschaft: niederschlagsarme Zeiten, Regen und Wasser in Miniportionen bis gar nicht vorhanden. Die Winter hingegen niederschlagsreich, unter Umständen kann sogar etwas Schnee fallen. Diese Niederschläge dienen als Wasserreserven für die sommerlichen Dürrezeiten. Da muss man sich als Pflanze anpassen. Wer die Dürrezeit nicht aushält, der hält im Sommer (nicht wie bei uns im Winter) eine Pause: Vegetationsruhe, nennt sich das.
Typisch dafür etwa der ab späterem Frühjahr wunderschön rot leuchtende Busch der Phrygana oder Macchie, die Baumartige Wolfsmilch Euphorbia dendroides.

Kurz gesagt:

  • grüner nasser Winter
  • üppig leuchtender Frühling
  • brauner Sommer
  • im Herbst beginnt so einiges zu blühen: etwa die Meerzwiebel

 

* (mediterranes Klima/Zonobiom IV/warmtemperate, dürre- und episodisch frostbelastete Gebiete mit Hartlaubwäldern) G.Grabherr, Farbatlas Ökosysteme der Erde,Ulmer Verlag

 

Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera sowie etwa 146 unbewohnte kleine Inseln bilden seit 1983 die insgesamt 4.992 km² große Autonome Region der Balearen innerhalb Spaniens. Wer gerne mehr an kulturpolitischer und historischer Information zu Menorca wissen möchte, dem kann ich als Lesetipp diesen Link empfehlen.

Auf Menorca wird Umweltschutz groß geschrieben

Das Schützen der Natur und Tourismus und Prosperität müssen sich nicht entgegensprechen, dafür ist Menorca ein gutes Beispiel. Hier hat man zur rechten Zeit die Handbremse angezogen. Seit 1993, Menorca wurde zum Biosphärenreservat erklärt, wird Augenmerk auf ein gutes Gleichgewicht von wirtschaftlicher, touristischer Entwicklung und Erhalt eines naturbelassenen Lebensraums gelegt.

Sanfter Tourismus ist hier kein leeres Schlagwort. Dafür gibt es viele wundervolle Ecken und Winkel zu bestaunen. Man kann sich die Insel rundum erwandern; auch für Fahrräder wurden so einige Routen geschaffen.

Nur einige Tipps:

  • Wanderung durch das Schutzgebiet Albufer d' es Grau
  • Küstenwanderungen am Cami de Cavalls

Mehr dazu Menorca und sein Küstenwanderweg, der Cami de Cavalls

Das alles blüht auf Menorca - und vieles davon auch auf Mallorca, natürlich.

Hier folgt mein ganz aus persönlicher Sicht geschriebener Eindruck von dieser bezaubernden Inselwelt. Meine pflanzlichen Highlights garniert mit einigen wenigen botanischen nützlichen Informationen.

Wandern Sie mit mir quer durch Menorca, sehen Sie die Pflanzen und die Landschaften mit meiner Begeisterung für alles, was da so wächst und grünt und blüht.

 

Wald- und Buschland

Kiefern, Kermeseichen, Mastixsträucher, Steinlinden und Baumheide bilden herrlich dichte Wälder, in deren Schatten es sich auch noch bei höheren Temperaturen gut wandern lässt. Allgegenwärtig ist das sich hochwindende Geißblatt.

Mastixstrauch (Bild: https://pagewizz.com/menorc...)

Felder, Wegränder und Weideland

Schon auf Sardinien habe ich sie flächendeckend kennenglernt, die Milchfleckdistel, Galactites tomentosa. Im Frühling und Frühsommer kleidet sie ganze Landstriche in sanftes Lila. Erst im Sommer wird es borstig und braun. Mannshohe Gräser zieren die Wegränder. Auf Menorca schmiegen sich an die zahllosen Mauerränder Sommerblüher und leuchten um die Wette.

Abgesehen von den gefühlten tausend Kilometern Mäuerchen über die ganzen Landstriche verteilt, brennt sich dieses Bild ins Auge: sanftviolette Schleier über gelblich braunen Böden. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich dieser zarte Schleier als Milchfleckdistel, die tausendfach die Brachflächen bedeckt. Wenn dieses Feld dann auch noch mit den schwarzen menorquinischen Pferden zusätzlich verziert ist, wird der Anblick schon fast kitschig schön.

Auf abgeernteten Getreidefeldern kränzt zeitweise der Klatschmohn die Felder.

 

 

Distelfeld mit Menorquiner (Bild: a.sansone)

An der Küste wird es karg! Tipp: Näher Hinschauen lohnt immer!

Der erste Blick (Bild: a.sansone)

Küstengebiete und ihre Pflanzenwelt

Sie müssen dem Wind trotzen, Sand und Salz aushalten, in jeder kleinsten Nische nach fruchtbarem Boden als Pflänzchensamen quasi Ausschau halten. Kein Wunder, dass so manche dieser Küstenpflanzen sich borstig gebärdet. Die typischen Kugelpolster an Küstenabschnitten (ähnlich etwa in Griechenland) prägen das Bild. Ich persönlich liebe diese Pflanzengesellschaft, so ruppig sie auch drohen mag.

Auf den ersten Blick scheinen diese felsigen Gebiete kaum bewachsen, eintönig, karg. Ein zweiter, naher Blick lohnt - immer!

Dornen, Stacheln, Polsterwuchs, filziges Haarkleid; all das ist nur Tünche, überlebenswichtig. Darunter, darüber und darauf leuchten allerliebste Blüten, die dankbar ihre Besucher begrüßen.

Im Bild Reichardie, Strandflieder

 

 

Lesetipp:

Was blüht unter diesen Stacheln?

An diesem Stachelkugelpolster ...... biss ich mir fast die Zähne aus.

Dorycnium fulgurans, der Backenklee.

Tja, da muss man als botanisch interessierter Laie halt einmal daraufkommen, dass dieses Stachelwesen ein Schmetterlingsblütler sein soll.

Wenn es auch noch ein Balearen-Endemit ist, na bitte.

 

Wie erfreulich, wenn dann in einem Schutzgebiet zu dem (blütenleeren) Polster auch noch ein botanisches Täfelchen existiert. Könnte man das nicht auch am Strand einführen? Scherz!

 

Was blüht auf Menorca in Gelb?

Im Küstenbereich ist Gelb die Hinguckerfarbe. Manchmal plakativ, wie beim Hornmohn, dann wieder winzig in den Polstersträuchern vertreten.

  • Gelber Hornmohn Glaucium flavum
  • Anthyllis hystrix, ein Endemit
  • Tanger-Reichardie Reichardia tingitane
  • Wolfsmilcharten Euphorbium pithuysen, E. dendroides, E. paralias
  • Strohblume Helichrysum rupestre
  • weißfilziges Greiskraut Senecio bicolor
  • Geißkleeartiger Hornklee Lotus cytisoides
  • und als abgrenzende Teppiche am Dünensaum, die unzähligen Blüten der Strand-Hundskamille.

Reichardie (Bild: a.sansone)

In den sandigen Buchten und Dünenbereichen dominieren halophile (salzverträgliche) Pflanzen. Mit fleischig verdickten, meist graugrünen Blättern, breiten sie sich oft in Hundertschaften aus.

  • Stranddistel Eryngium maritimum
  • Strandwinde Calystega soldanella
  • Meerfenchel Crithmum maritimum
  • Meersenf Cakile maritima
  • Strand-Malcolmie Malcolmia littorea
  • Strand-Levkoje Matthiola sinuata
  • Strand-Knöterich Polygonum maritimum
  • Meerzwiebel Urginea maritima
  • Dünen-Trichternarzisse Pancratiom maritimum
  • Wolfsmilcharten Euphorbium
Wir leben gerne am Sandstrand

Strandwinde (Bild: https://pagewizz.com/menorc...)

"Think Pink" lautet hier die Devise - Menorca Blüten in Rosa bis Pink

Was im Frühsommer den Wanderer abseits von Strand sofort empfängt ist das "Wildgladiolen-Begrüßungs-Komitee". Auf fast jedem Landstrich lugt zumindest eine Galdiole als Markierungspunkt hervor. Und mit viel Glück begegnet man ihr üppig blühend auf einer Blumenwiese etwas abseits der Pfade. Ganz Glückliche entdecken an Wegrändern eine Pyramidenorchis.

Die viel kleinere "Sister in Pink" muss man schon zu seinen Füßen suchen und erspähen, das Tausendgüldenkraut; siehe kleine Kostbarkeiten.

  • Wilde Gladiole/Saat-Siegwurz und Illyrische Siegwurz Gladiolus italicus und G. illyricus, Blütezeit: III-VI
  • Pyramiden-Orchis Anacamptis pyramidalis, Blütezeit: III-VII
  • Kronen-Süßklee Hedysarum coronarium
  • Strauchpappel Lavatera olbia
  • Mallorca Fingerhut Digitalis minor

Gladiolus illyricus (Bild: a.sansone)

Blau ist der Himmel und das Meer ... und das Echium

Echium eine vielfältige Pflanzengattung aus der Familie der Raublattgewächse (Borraginaceae). Man vergisst ganz, dass es ihre Arten auch im mitteleuropäichen Raum gibt. Bei uns eher unauffällig; im Mittelmeerraum jedoch mal leuchtend an den Strandabschnitten, mal imposant durch seinen Wuchs, dann wieder im Mittelpunkt als Zierpflanze in den wunderbaren Vorgärten der Sommervillen. Denn nicht nur auf Madeira gibt es diese prachtvolle Pflanze.

  • Natternkopf Echium plantagineum
  • Italienischer Natternkopf Echium italicum
  • Gartenzüchtungen Echium Echium hierrense, E. aubernianum
  • Stolz von Madeira Echium fastuosum syn. candicans
Echium, der Natternkopf

Echium sabulicola (Bild: a. sansone)

Braun? Würstchenförmig? Wer oder was ist das?

Kollert am Strand zu Hunderten herum? Sieht aus wie ein gerolltes Hundewürstchen! Umweltverschmutzung, Strandverschmutzung, oder nicht?

Alles harmlos. Bei diesen Seebällen handelt es sich um Neptungras. Intakte Seegraswiesen sind die Grundlage bedeutender mariner Ökosysteme

Posidonia oceania ist eine Wasserpflanze, die bis zur Tiefe von 80m wächst. Deren faserige Überreste (abgestorbene Blätter) werden von den Wellen am Spülsaum zu kleinen Bällen geformt und verbleiben so von der Sonne getrocknet am Strand. Wer also viele Seebälle vorfindet befindet sich in einem gesunden Meeresbereich.

Die Seebälle werden neuerdings auch zu Dämmmaterial verarbeitet.

Kleine Kostbarkeiten, winzige Blüten auf Menorcas Wanderwegen

Großes, Buntes und Knallfarbenes, so etwas fällt ins Auge. Dazu muss man/frau noch gar kein Pflanzenfreund sein. Es ist aber wie bei den Menschen, die stillen, zarten sind ebenso kostbar, auch wenn sie nicht laut "Hier" rufen. Darum stelle ich Ihnen nun einige der besonderen Winzlinge vor.

  • Enzianartiges blüht auch im Süden

Centaurium pulchellumCentaurium pulchellum, das kleine Tausendgüldenkraut, erinnert im Wuchs schon sehr an den Deutschen Enzian, Gentianella germanica.

 

 

 

 

Und damit die Verblüffung doppelt ist, gibt es auch noch eine entzückende gelbe Ausführung vom Tausendgüldenkraut,Centaurium maritimumCentaurium maritimum.

Und beide Arten gehören zu den Enziangewächsen, sind verschwindend klein, 0,1 -0,5m. Leicht zu übersehen.

 

 

 

 

Damit es etwas größer wird, enzianzugehörig bleibt, gibt es auch noch, ebenfalls gelbblühend, Blackstonia perforata, den durchwachsenen Bitterling.

Blackstonia perforata

Dessen Blatt- und Blütenfarben wiederum an unsere im Gebirge wachsende Aurikel erinnern.

Edelweiß, Primelgewächse und andere Kostbarkeiten aus Menorca

  • Zwergedelweiß Evax pygmaeus

Nabelkraut/Venusnabel Umbilicus horizontalis

 

 

Zungenstendel Serapias lingua

Zungenständel

 

 

 

Was blüht wann auf den Balearen?

Küste und Strand:

  • Trichternarzisse Mai - August
  • Strandflieder Mai - Oktober
  • Strandlevkoje Mai - Oktober
  • Meerzwiebel Juni - Oktober
  • Gelber Hornmohn April - September

Felsküsten:

  • Balearen-Strohblume Juni - Juli
  • Anthyllis hystrix April - Juli
  • Dorycnium fulgurans April - Juli

Feuchtgebiete:

  • Hahnenfuß April - Juli
  • Glöckchenlauch Februar - Mai
  • Knabenkräuter März - Mai

Feldraine, Wege:

  • Wilder Fenchel Juni -Oktober
  • Wilde Riesen-Karotte Mai - Juli
  • Lavendel März - Mai
  • Affodill März - Juli
  • Wildgladiole April - Mai
  • Mariendistel Juni - Oktober

Garrigue und Macchie:

  • Zistrose April - Juni
  • Baumartige Wolfsmilch April -Mai
  • Rosmarin Februar - Juni
  • Pyramidenorchis April - Juni

Wälder:

  • Korsische Nieswurz Dezember - März
  • Riesen-Knabenkraut Jänner - März

*Sämtliche abgebildte Pflanzen in diesem Artikel wurden Mitte Mai 2015 aufgenommen.

Coris monspeliensis, das Stachelträubchen, ein Primelgewächs der Macchien

Der violette Hingucker (Bild: https://pagewizz.com/menorc...)

Wer noch nicht genug Impressionen von Menorca gesehen hat, kann sich gerne in

diesem Album weiter die Augen verwöhnen lassen.

Hier möchte man gerne Gärtner sein - Vorgärten von Menorca

Nicht nur in der freien Natur sieht man die Liebe der Menorquiner für alles was da blüht und wächst. Abend für abend kann man voller Schaulust an den wunderbar gepflegten Vorgärten der Sommervillen vorbei flanieren. Schauen, neidvoll seufzen, große Augen machen.

Aber sehen Sie doch selbst!

Menorca, hier ist für jeden Gast etwas dabei: Viel Meer und klares Wasser, schöne Buchten, scharfe Klippen, Wege zum Wandern, Natur im Überfluss und hübsche Städte und Dörfer. Wer nicht der Jubel-Trubel-Megaparty-Typ ist, findet hier sicher das passende Plätzchen.

Aloe arborescens (Bild: a. sansone)

Quellen

  • Botanica, Könemann Verlagsgesellschaft mbH, Köln 2000;
  • Kosmos Atlas Mittelmeer- und Kanarenflora, Schönfelder, Franckh-Kosmos Verlags GmbH, Stuttgart 2011
Adele_Sansone, am 25.05.2015
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Sardinien - Was blüht auf dieser Insel?)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Griechenland, griechische Inseln und ihre besondere Pflanzenwelt)
a.sansone (Lechweg - Wie es ist an einem Wildfluss zu wandern)

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