Lektion 1: Man sollte nicht alles nachmachen, was man liest

Motiviert durch den Erfahrungsbericht einer anderen Neurodermitispatientin wollte auch ich versuchen, auf Cortison zu verzichten und lieber auf verträglichere Hautpflegemittel umzusteigen.

Da ich zu dieser Zeit nur geringe Mengen Cortison in unregelmäßigen Abständen brauchte und auch "nur" als Salbe, schien mir das kein so großes Problem. Ich hatte viel recherchiert und mir diverse Alternativen zur Hautpflege besorgt.

Tja, "kein großes Problem" war untertrieben – es wurde richtig schlimm.

Als ich merkte, dass ich das alleine so nicht schaffen würde, suchte ich mir Unterstützung bei zwei Heilpraktikerinnen, die in meiner Umgebung einen sehr guten Ruf hatten.

Woher ich das wusste?

Lektion 2: Empfehlungen anderer und auf Bewertungsportalen mit Vorsicht genießen

Ich hatte ausführlich bei diversen Online-Bewertungsportalen wie Jameda & Co. recherchiert. Damals war ich noch gutgläubig (dumm?) genug, um den Bewertungen tatsächlich zu vertrauen, es zumindest auf einen Versuch ankommen zu lassen. Außerdem hatte ein Familienmitglied bei einer der beiden ausgewählten Heilpraktikerinnen gute Erfahrungen gemacht.

Die erste Heilpraktikerin war auf Hautprobleme spezialisiert, ihre Behandlung half mir jedoch überhaupt nicht.

Die zweite Heilpraktikerin, schon lange Jahre im Geschäft und sogar Dozentin an einer bekannten Schule für Naturheilkunde, machte alles nur noch schlimmer: Von ihr bekam ich eine ausführliche Entgiftungskur, außerdem eine Kombination aus Melkfett und Propolis verordnet, gleich an Ort und Stelle auf meine entzündete Haut aufgetragen und mit Verbänden umwickelt.

Propolis bei Pollenallergie? Melkfett für Neurodermitiker?

Ja, es hat mich von Anfang an skeptisch gemacht und ich habe auch nachgehakt, die Heilpraktikerin ließ meine Einwände jedoch nicht gelten.

Wäre es mir zu diesem Zeitpunkt nicht so elend gegangen und wäre ich noch einigermaßen bei klarem Verstand gewesen, hätte ich vor der Behandlung wenigstens noch kurz im Internet recherchiert. Damit wäre schnell klar gewesen, dass die meisten Neurodermitiker keine guten Erfahrungen mit Melkfett gemacht haben und Propolis für Pollenallergiker tatsächlich eher nicht zu empfehlen ist.

Folge: Mein Hautzustand wurde so schlecht, dass mich am Ende nur noch mein Hautarzt retten konnte – natürlich wieder mal mit Cortison!

Lektion 3: Mir unbekannte Inhaltsstoffe vorsichtshalber immer vorab nachprüfen

Schon ein paar Jahre zuvor war es mein Hautarzt gewesen, der nach einer naturheilkundlichen Behandlung rettend eingreifen musste. Damals hatte mir eine auf Naturheilkunde spezialisierte Schulmedizinerin zur Hautpflege eine Salbe mit Hamamelis verschrieben. Könne ich unbedenklich verwenden, sagte sie, sogar in Berührung mit den Schleimhäuten bringen. Alles kein Problem!

Mein Hautzustand wurde jedoch in den darauf folgenden Wochen immer schlechter, so dass ich mich am Ende in meiner Verzweiflung an den Hautarzt wenden musste. Dort erfuhr ich dann, dass sich hinter der mir zugegeben ziemlich unbekannten Hamamelispflanze die Zaubernuss verbirgt - und wenn die sich auch so gar nicht nach einer "echten" Nuss anhört, machte sie mir als Nussallergikerin dennoch Probleme.

Daraus gelernt habe ich: Wenn ich etwas nicht kenne, immer vorsichtshalber nachschlagen, was tatsächlich dahinter steckt – auch und ganz besonders bei "absolut verträglichen" Naturheilmitteln! Und selbst dann, wenn ich vom behandelnden Arzt bereits Entwarnung bekommen habe. 

Lektion 4: Während einer Behandlung immer auf die innere Stimme und die eigenen Bedenken hören

Während einer dieser akuten Neurodermitisphasen bekam ich zur seelischen Unterstützung von einer anderen Ärztin (Schulmedizinerin mit Schwerpunkt auf chinesische Medizin) zur seelischen Unterstützung Johanniskrautkapseln verschrieben.

Wieder habe ich vorher nachgehakt: Geht das auch mit meiner empfindlichen Haut? Was ist mit der Problematik der erhöhten Lichtempfindlichkeit der Haut durch Johanniskrautpräparate?

Kein Problem, so die Ärztin, das spiele nur im Sommer eine Rolle – es sei ja Februar.

Nach einiger Zeit bekam ich seltsame und für mich sehr untypische Symptome: Ein eigenartiges und sehr lästiges Kribbeln auf der Haut, die Haut reagierte beim Kratzen sofort mit akuten Rötungen, meine Hände wurden so kälteempfindlich, dass ich bei kühlem Wetter vor Schmerzen fast geheult hätte.

Wieder bei meiner Ärztin nachgefragt: Das sei logisch, meinte sie, meine Haut wäre im Winter eben sehr trocken – mit dem Johanniskraut habe das aber nichts zu tun.

Lektion 5: Auch "sehr seltene" Nebenwirkungen können auf mich zutreffen

Ich hatte dennoch weiterhin ein ungutes Gefühl und las mir noch einmal den Beipackzettel der Johanniskrautkapseln ganz sorgfältig durch: Tatsächlich trafen sämtliche unter "sehr seltene Nebenwirkungen" beschriebene Symptome genau auf mich zu!

Mein Hautarzt bestätigte mit dann meinen Verdacht, ich setzte die Kapseln ab und es ging meiner Haut sehr schnell wieder besser.

Immerhin: Lektion(en) gelernt!

Aus diesen Lektionen habe ich einiges gelernt – manchmal auch ziemlich teuer dafür bezahlt und das gleich in zweifacher Hinsicht.

Vielleicht helfen meine Fehler wenigstens anderen Betroffenen, in Zukunft ähnliche Fehler zu vermeiden.

Auch keine guten Erfahrungen gemacht habe ich übrigens mit ...

  • Mandelöl bzw. Süßmandelöl in Pflegeprodukten (auch wenn das die meisten Neurodermitiker und angeblich sogar Nussallergiker problemlos vertragen sollen)

  • den "Wunderölen" Kokosöl und Hanföl (für meine Haut zu fett)

  • Zinksalbe (auch wenn viele Neurodermitiker bekanntlich an Zinkmangel leiden, trocknet Zinksalbe nach meiner Erfahrung die Haut nur noch mehr aus)

  • diversen im Internet angepriesenen und als sehr gut bewerteten Naturprodukten, in denen "nur natürliche" Inhaltsstoffe, zum Beispiel viele ätherische Öle enthalten sind (für Allergiker ist das Unverträglichkeitsrisiko bei vielen Naturprodukten leider noch größer)

Übrigens ...

Inzwischen komme ich tatsächlich so gut wie ohne Cortison aus. Eine Kombination aus MSM (speziellen Dank für diesen Beitrag!), Schwarzkümmelöl, Kurkuma und zur täglichen Hautpflege Eucerin (siehe unten) hat mir geholfen.

Aber ich glaube, diese Lektion muss ich nicht weitergeben, denn die meisten Neurodermitiker wissen selbst: Was anderen hilft, muss mir noch längst nicht helfen.

Deshalb: Selbst wenn es noch so verlockend klingt - auch die "tollsten" Tipps und Empfehlungen bitte immer mit Vorsicht genießen!

Michaela, am 11.11.2016
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