(Bild: ddouk / Pixabay)

Kleiner botanischer Überblick

Schwertliliengewächse (Iridaceae) gehören zu den einkeimblättrigen Pflanzenfamilien wie auch die Narzissengewächse/Amaryllidaceae.

  • Die Familie Iridaceae besteht aus 70 Gattungen mit bis zu 2.000 Arten.
  • Gattungen: Iris, Gladiolus, Crocus, Freesia, Sysinchrinum u.a. Heimisch bei uns sind jedoch nur 3 Gattungen mit 15 Arten: Krokus (Crocus), Gladiole (Gladiolus) und Iris (Iris).

Neben der Iris selbst am bekanntesten ist sicher der Krokus. Der wissenschaftliche Name Iris für die Gattung, die hier im Mittelpunkt steht, ist auch im deutschen Sprachgebrauch geläufig.

Familienmerkmale: Ein Keimblatt, parallel adrige Blätter, schmal, linear, schwertförmig-reitend, beim Krokus noch mit einem hellen Mittelstreifen versehen. Die Speicherorgane sind Knollen, Rhizome oder seltener Zwiebeln (Liliengewäcse haben Zwiebeln); Der Fruchtknoten ist unterständig, (bei den Liliengewächsen ist er oberständig), die Frucht ist eine 3fächrige ƒ Kapselfrucht.

Die Blütenstände sind recht unterschiedlich, meist endständig, Ähre oder Traube. Auch die Blüten unterscheiden sich je nach Gattungen. Sie haben zwittrige Blüten mit sechs Perigonblättern, die in zwei Kreisen à 3 Blütenblättern stehen.Die meisten sind radiär-symmetrisch, die Gladiolenblüten zygomorph.

 

Schwertlilien-Blüte

Bei der Schwertlilie sind die 3 inneren und 3 äußeren Blütenblätter/Kronblätter unterschiedlich geformt. Die inneren 3 sind kürzer und aufrecht, kuppelartig, sie nennt man Domblätter, die nach unten geklappten größeren 3 nennt man Hängeblätter. Diese tragen das typische gelbe Saftmal mit Punkten, als Landebahn vor allem für Hummeln. Die Griffel sehen blütenblattartig aus und haben eine querverlaufende Narbe. Die Staubblätter befinden sich unterhalb der weiblichen Blütenteile.

(Bild: ML5909 / Pixabay)

Die Bestäuber haben es nicht leicht

Jeweils ein Blütenblatt, 1 Staubblatt und 1 (blütenartiges) Griffelblatt bilden eine Einheit. Der Nektar befindet sich ganz am Grund dieser Einheit. Die Hummel muss sich ganz schön mühen und befolgt damit brav ihre Aufgabe der Bestäubung.

Die Hängeblätter besonders der Iris-Arten tragen das typische gelbe Saftmal mit Punkten oder Strichen als Landebahn. Härchen an den äußeren Blütenblättern geben Insekten Halt, täuschen aber auch zusätzliche Staubblätter vor. Besonders ausgeprägt natürlich bei den "Bart-Iris" genannten Sorten.

Weitere Bestäuber sind Tag- und Nachtfalter, Käfer und Fliegen. Einige afrikanische Arten werden auch von Vögeln bestäubt.

Iris barbata (Bild: cquintin / Flickr)

Namensherkunft - ob Iris, Schwert oder Bart

Schwertlilie bezieht sich auf die aufrecht stehenden Blätter, die der Schneide eines Schwertes ähneln; das Schwert als Symbol der Ritterlichkeit. Auch aus diesem Grund zierte so manche Iris das Wappen der Adelsgeschlechter.

Die Gladiole trägt das Schwert auch im Namen, deshalb auch die alte Bezeichnung (Schwertblume, Schwertel) von lat. gladus=Schwert.

Iris: Der griechischen Göttin Iris, der Hüterin des Regenbogens, hat sie den lateinisch-botanischen Namen zu verdanken.

Bart-Iris: Auf den drei Hängeblättern fallen die namensgebenden Kämme oder Bärte am hinteren Teil des Blattes am meisten auf. Iris barbata sind gärtnerische Züchtungen, wobei die natürlich vorkommenden Härchen stärker gezüchtet wurden. Die aus der ursprünglichen Kreuzung von Iris variegata und Iris palida und anderen asiatischen Iris-Arten entstandene Bartiris hat bereits über 200 verschiedenen Sorten hervorgebracht. Hier finden Sie besonders schöne Sorten.

Diese Iridaceae sollten Sie nicht zum Fressen gern haben

So schön für uns Menschen ein Teich mit Sumpf-Schwertlilienbewuchs ist, für Tiere kann es tragisch enden. Erbrechen und Durchfall sind noch die harmloseren Folgen. Auch vom Gärtner sollte am besten nur mit Handschuhen gearbeitet werden.

Aber auch der Safran-Krokus ist nur in Gewürzdosierung zu genießen (auch der Geldbörse wegen), vor allem nicht die Knolle, die früher auch als Abführmittel empfohlen wurde.

 

Exoten unter den Schwertliliengewächsen

Geht man davon aus, dass ein Großteil der 2.000 Arten in tropischen Zonen wächst, so sind die Exoten eher unsere heimischen Arten. Die Artenvielfalt ist besonders in Südafrika sehr groß. Einige dieser Arten haben bei uns in den Gärten als Sommerblumen Einzug gehalten:

    • Ixia
    • Sparaxis
    • Montbretien
    • Tigerblumen (Tigridia)
    • Leopardenblume (Iris domestica)

Diesen drei Gattungen sieht man die Iris ebenfalls an, sie sind aber bei uns in den Gärten selten vertreten: Dietes, Moraea und Dierama.

Frühlingsfreund Krokus

Crocus vernus, Talwiese (Bild: a.sansone)

Krokus

Bei der Krokusblüte sind die Blütenblätter unten zu einer Röhre verwachsen. Wie alle Iridaceae haben sie nur 3 Staubblätter. Wer schon einmal Krokusse ausgebuddelt hat, kann an den älteren Knollen (oft fälschlich Zwiebeln genannt) sowohl die langen Zugwurzeln entdecken (sie sind quergerunzelt), die die Knolle jeweils in die richtige Pflanztiefe holen, als auch die jungen Knollen, die oberhalb der alten Knolle wachsen. Auseinanderzupfen und neu eingraben ist hier der Gärtnerrat.

Die Artenvielfalt der Gattung Krokus ist sehr groß. Es gibt etwa 80 Arten. Dabei unterscheidet man Frühjahrs- und Herbstblüher. Der Safrankrokus etwa ist ein Herbstblüher. Nicht verwechseln: die lila blühende Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) ist kein Krokus, sie stammt aus der Familie der Liliengewächse (Liliaceae) und ist sehr giftig.

  • Etwa 30 Krokus-Arten stammen von der Balkan-Halbinsel und Griechenland. Besonders viele endemische Arten gibt es naturgemäß auf den griechischen Inseln. Vom winzigen safrangelben Crocus chrysantus über Crocus laevigatus bis zum einzigartig gefärbten Crocus sieberi ssp.sieberi (der äußere Ring ist weiß mit veilchenblauen Reihen, der innere reinweiß) kann man hier viele bestaunen.
  • Der Kleinste Krokus, Crocus minimus, kommt im südlichen Sardinien, auf Korsika und auf der Insel Capri vor.
  • Heimisch (Mitteleuropa bis Norddeutschland) ist der weiße oder zart lila blühende Alpenkrokus (Crocus vernus subsp. albiflorus) und der im südwestlichen Alpenraum blühende Crocus versicolor. Er steigt bis in die Höhe von 2.800 m. Die verdickten Blattspitzen helfen ihm die Schneedecke zu durchstoßen.

Lesetipp: Krokus

Schwertlilien - Pracht

(Bild: Capri23auto / Pixabay)

Iris

So vielfältig die namensgebenden Schwertlilien, auch im deutschen Sprachraum Iris genannt, sind, so vielfältig sind auch so manche Irrtümer.

1) Die deutsche Schwertlilie, Iris germanica, stammt aus Deutschland. Leider nein, ihre Herkunft ist der Mittelmeerraum und Asien.

2) Es gibt nur blaue Schwertlilien. Danebengeraten. Auch ohne Züchter gibt es genügend andersfarbene Arten.

3) Iris haben nur Rhizome - nein . Es gibt zwei Gruppen: zwiebelbildende Arten und rhizombildende. Die zwiebelbildenden sind frostempfindlich, die anderen winterhart.

Natürlich vorkommende Arten in unseren Gebieten sind die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica) auf Sumpfwiesen, wie auch die gelbblühende Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus). Vorkommen von Iris gemanica sind verwilderte Kulturflüchtlinge aus heimischen Gärten. In manchen Regionen gibt es noch Zwergiris-Bestände (Iris pumila).

Lesetipp: Porträt Iris

 

 

Gladiolen

Von der Gattung Gladiolus gibt es die einzige heimische Art, die Sumpf-Schwertlilie (Gladiolus palustris) nur mehr mit ganz wenigen Beständen.

Wer gerne in den Süden fährt, der kann sich auch noch über die Saat-Siegwurz, Gladiolus italicus, freuen (Menorca, Sardinien, Korsika, Griechenland, Italien, Spanien)

 

Gladiolus palustris (48°09-12' N 16°25-30' E) (Bild: HermannFalkner/sokol / Flickr)

Quellen

  • Die Weltgeschichte der Pflanzen, Seidel; Eichborn, 2012 Köln
  • Botanica, Könemann; Verlagsgesellschaft mbH, 2000 Köln
  • Teufelsgeige und Witwenblume, Pichler/Geiser/Zuber; Christoph Merian Verlag, 2010 Bern
  • Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, Genaust, Nikol Verlag, 2012 Hamburg
  • Alpenpflanzen in ihren Lebensräumen, Mertz, Haupt Verlag, 2008 Bern
Adele_Sansone, am 12.02.2019
0 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Frühlingsblüher Krokus)
https://pagewizz.com/iris-bringt-nicht-n (Iris - bringt nicht nur Blau in den Garten)

Laden ...
Fehler!