"Pflanzenfamilien" von Ross Bayton und Simon Maughan

Pflanzenfamilien (Was jeder Gärtner wissen sollte); Ross Bayton & Simon Maughan, Haupt Verlag, Bern; ISBN: 978-3-258-08058-1

1. Auflage 2018
224 Seiten, durchgehend farbige Illustrationen
gebunden, 17,3 x 23,5 cm, 718 g

In jedem Buchhandel erhältlich, über Amazon oder online über Haupt-Verlag bestellen

 

Wie ist dieses Sachbuch aufgebaut?

Die Informationen rund um den Themenkreis "Pflanzenfamilien" werden in diesen Abschnitten und Kapiteln vermittelt:

  • Vorwort
  • Stammbaum der Pflanzen, Übersicht Pflanzengruppen
  • Pflanzentypen
  • Blick auf den Aufbau der Pflanzen (Wurzeln, Blätter, Blüten, Früchte)
  • Großer Übersichtsplan der Pflanzengruppen

Ab hier gibt es pro besprochener Pflanzenfamilie eine, fallweise auch zwei Doppelseiten

  • Kapitel 1 Gymnospermen (Nacktsamer)
  • Kapitel 2 Monokotyledonen (Einkeimblättrige) und frühe Angiospermen (Bedecktsamer)
  • Kapitel 3 Eudikotyledonen (Die große Gruppe von Bedecktsamigen Pflanzen, die einen Großteil der Zweikeimblättrigen (= Dikotyledonen) umfasst.)
  • Glossar
  • Index
  • Bibliografie und Bildnachweis

Wer bereits hier über die Begriffe "Gymnospermen, Monokotyledonen und frühe Angiospermen"
stolpert, der möge sich nicht gleich abschrecken lassen, sondern weiter lesen.

 

 

Blick hinein ins Buch

Sachbuch Pflanzenfamilien (Bild: https://www.haupt.ch/)

Wer ein gewisses Grundwissen um botanische Begriffe besitzt, wer weiß, was "Pflanzenfamilie Gattung, Art" bedeutet und auch nicht bei Begriffen wie "Monokotyledonen=Einkeimblättrige ..." Schnappatmung bekommt, der ist bei diesem Sachbuch nicht überfordert.

Wer auch noch das Vorwort nicht nur als unnütze Beigabe, sondern als hilfreiche Information sieht und auch liest, bekommt einen guten Einblick in den Aufbau des Sachbuches. 

  • Wie kam es zur Einteilung der Pflanzen in Familien?
  • Warum ist das für den Gärter, die Gärtnerin von Interesse?
  • Kann man, auch als Nicht-Botaniker, Erkenntnisse gewinnen? Man kann!

So ist das Buch aufbereitet

Für jede Pflanzenfamilie ist ein Doppelblatt mit folgendem Aufbau vorhanden:

  • Typische Merkmale der Familie, nicht nur in Worten sondern auch mit Illustrationen anschaulich vorgestellt.
  • Ein weit verbreiteter Vertreter der Familie wird als Beispiel herangezogen
  • Informationen über die Verbreitung der Pflanzenfamilie
  • Ein eigener Kasten bezieht sich auf die Verwendung dieser Pflanzen im Garten, Ansprüche etc.
  • Auch auf die neuesten Forschungsergebnisse wird hingewiesen.

Nachdem die Anführung der Pflanzenfamilien nach ihrer Evolution erfolgt, bekommen Sie einen wunderbaren Überblick in die Entwicklung der Pflanzenwelt. Vom Nacktsamer zum Bedecktsamer, von einfachen Aufbau einer Blüte bis zu hochspezialisierten Pflanzenteilen.

Sie lieben Mohn?

Klatschmohn, Papaver rhoeas (Bild: a.sansone)

Blick ins Buch am Beispiel Mohngewächse, Papaveraceae

Sachbuch Pflanzenfamilien (Bild: https://www.haupt.ch/)

Papaveraceae/Mohngewächse

Machen wir einen Blick ins Buch, Seiten 104-105, was über diese Familie drinnen steht.

  • Die Mohngewächse gehören in das große Kapitel 3 (Eudikotyledonen)
  • Und da kommen sie bereits als zweite vorgestellte Familie, was uns gleich sagt (wir haben ja das Vorwort gelesen), dass dies eine pflanzengeschichtlich sehr alte und ursprüngliche Familie sein muss.
  • Wo kommen sie vor? Sie zählen zu den Pflanzen der nördlichen Halbkugel, es gibt sogar arktische Mohnarten, dafür nur eine wirklich tropische Papaver aculeatum; wenn das nicht interessant ist?
  • 75 Millionen Jahre ist das älteste bekannte Fossil. Nicht schlecht.
  • Über die Eigenheiten der Mohnblüten (zwei grüne Kelchblätter, welche die Knospe umhüllen und dann abfallen, wird berichtet.  Die typischen zerknitterten Blütenblätter werden hier auch erwähnt.
  • Ja und dann gibt es auch noch detaillierte Einblicke in Wort und Bild zu den "Pfefferstreuern", den Mohnkapseln. Auch wenn nicht alle Gattungen so einen Streuer besitzen.
  • Besonders interessante Arten für den Garten werden in einem eigenen Kasten angeführt, unter anderem auch der hübsche blaue Scheinmohn aus der Gattung Meconopsis oder das Tränende Herz.
  • Eine doch recht vielfältige Information zu einer Pflanzenfamilie, die nicht zu wissenschaftlich vorgetragen wird, sondern knapp und informativ aufbereitet ist.
Die botanischen Illustrationen im Buch

Sachbuch Pflanzenfamilien (Bild: https://www.haupt.ch/)

Die Bilder/Illustrationen im Sachbuch

Schon der Umschlag des Buches zeigt: Hier ist ein Werk enstanden, das man auch gerne in die Hand nimmt. Der sorgfältig, an alte Bücher erinnernde Einband ist quasi die Eintrittskarte. Hervorragend wiedergegeben sind die botanischen Illustrationen aus dem Fundus der Royal Horticultural Society, kurz RHS genannt, und zwar aus der *Lindley Library.

*Diese basiert auf der Sammlung des Botanikers John Lindley. The RHS Lindley Library is the world's finest horticultural library, with books, journals, pictures and art on practical gardening, garden history, garden plants and design from 1514 to the present day.

 

 

Wer sich jemals für die Illustration in alten Werken über Pflanzen begeistern konnte, wird hier ein tiefes "Ah!, Wunderbar!" ausstoßen. Denn die pro Seite reichlich vorhanden Zeichnungen und Illustrationen sind wirklich wunderbare Reproduktionen. Nicht nur die Detailtreue der Abbildungen, sondern auch die Colorierung; kurz die gesamte künstlerisch wertvolle Wiedergabe von Pflanzen, sind einfach sehenswert.
Hinweis: Im Sachbuch: "Botanik für Gärtner" werden einige dieser Pflanzenmaler und Malerinnen vorgestellt und gewürdigt.

Wer sind die Autoren?

Ross Bayton
Ross Bayton studierte Pflanzenwissenschaften und promovierte zur Taxonomie der Palmengewächse. Er war als Herausgeber der BBC Gardener's World tätig und ist heute Kurator einer bedeutenden Sukkulentensammlung in England.

Simon Maughan
Simon Maughan studierte Pflanzenwissenschaften an der Universität von Edinburgh. Seit über 25 Jahren baut er sein Wissen über Botanik und seine praktischen Kenntnisse beim Gärtnern mit Leidenschaft aus. Er ist Autor von mehreren Sachbüchern zu botanischen und gärtnerischen Themen und war für über zwölf Jahre als Herausgeber für die "Royal Horticultural Society" RHS tätig.

Sachbuch "Pflanzenfamilien"

Für wen ist das Sachbuch "Pflanzenfamilien" zu empfehlen?

Empfehlen kann ich das Buch nachfolgenden Lesern/Usern:

  • Jedem Botanikfreund
  • Jedem Freund gut gemachter bibliophiler Bücher
  • Jemand, der botanische Illustrationen zu schätzen weiß.
  • Jemand, der gerne ein Mehr an Hintergrundwissen besitzen möchte, zählt ebenfalls zum Kreis.
  • Wem die botanischen Grunbegriffe zumindest vertraut sind, der aber keine Lust hat sich durch zu viel schwer bekömmliche Kost duchzuackern, wird auch sein Vergnügen an diesem Sachbuch haben. Über die Systematik der Pflanzenfamilien gibt es kaum ein echtes populärwissenschaftliches Werk. Hier wurde echt eine Lücke entdeckt!
  • Auch für begeisterte Gärtner, (in diesen Kreis zähle ich mich dazu) siehe Untertitel, die ein wenig mehr um die Verwandtschaftsverhältnisse ihrer Lieblingspflanzen erfahren möchten, ist es empfehlenswert.
  • Für junge Menschen, die ihr meist nur sehr mangelhaftes Schulwissen über die Systematik erweitern möchten, ohne dafür gleich geprüft zu werden.
  • Ein toller Geschenktipp für Pflanzenfreunde generell

 Was das Buch nicht ist:

  • Das Buch ist kein Bestimmungsbuch.
  • Das Buch ist auch kein Gartenratgeber.
  • Für Menschen, denen schon die botanisch-lateinischen Bezeichnungen der Arten ein Gräuel sind; sie für überflüssig, besserwisserisch, versnobt halten - denen schenkt dieses Buch bitte nicht. Es wäre viel zu schade darum. Behaltet es lieber selbst!

 

 

Zusatz:
Der Haupt-Verlag, der sich dem Umweltgedanken verpflichtet fühlt, sich aber bei Lizenzausgaben nach dem Herkunftsverlag richten muss, bedauert, dass das Buch in China produziert wurde. Um aber Kompensation zu betreiben, erstattet der Haupt Verlag einen (in Zahlen nicht angeführten) freiwilligen Beitrag zum Klimaschutz und produziert immerhin auf FSC-Papier.

Auf den Geschmack gekommen?

Ein Buch, das in etwa dem gleichen bibliophilen Anspruch entspricht, auch in botanischer Hinsicht äußerst gut gemacht ist, ist das 2016 auf deutsch erschienene "Botanik für Gärtner" von Geoff Hodge. In die gleiche Kategorie der Bücher für Pflanzen- und Bücherfreunde dürfte "Latein für Gärtner" von Lorraine Harrison fallen. (Kenne ich persönlich noch nicht.)
Meine Meinung: Pflanzenbücher, die ursprünglich aus dem englischen Raum stammen, können fast nur gut sein. Zu viele kritische und gut informierte Gartenliebhaber in Großbritannien.

 

 

 

Persönliche Anmerkung: Ich habe mich sehr gefreut, wie ich dieses neue Sachbuch entdeckt habe. Denn vor Jahren, nachdem ich begonnen habe mich intensiv mit Botanik zu beschäftigen, war einfach kein Sachbuch vorhanden, das den Laien nicht gleich überforderte und ihm jegliche Freude am Nachforschen nahm. Dieses Sachbuch wird ab sofort eine schöne und auf neuestem Stand stehende Bereicherung meiner Bibliothek über Pflanzen.

Adele_Sansone, am 22.05.2018
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Botanische lateinische Bezeichnungen - Was bedeuten sie?)
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