Es grünt so grün ...

textete schon ganz begeistert Alan J. Lerner für Eliza Doolittle in My Fair Lady mit der entzückenden Audrey Hepburn. Also los, auf die Pirsch nach dem grünen Zweig in diesen Redensarten oder Sprüchen.

 

  • Auf einen grünen Zweig kommen ... als uraltes Fruchtbarkeitssymbol soll es bedeuten, dass man demjenigen Gedeihen und Erfolg wünscht (oder das Gegenteil). Könnte aber auch auf den alten (15. Jhdt) Brauch zurück gehen, wonach dem Käufer eines Grundstücks vom Vorbesitzer ein Stück Rasen mit einem hineingesteckten Zweig - beides vom übereigneten Grundstück - überreicht wurde.
  • Über den grünen Klee loben ... der Klee wurde im Mittelalter als Grabpflanze verwendet. Über einen Toten sollte man nichts Schlechtes sagen. Wer also über den grünen Klee gelobt wird, der darf diesem Lob leider nicht trauen.
  • Einen grünen Daumen haben ... eine Vorliebe für Pflanzen haben; gut mit Pflanzen umgehen können; erfolgreich sein in der Gartenpflege; der Spruch stammt aus Amerika.
  • Jemanden nicht grün sein ... die Bedeutung jemandem gewogen sein hat sich aus "grün" als Farbe des Frühlings und der Hoffnung entwickelt: Wer also jemandem nicht wohlgesinnt, nicht gewogen ist, meint es nicht gut mit einem.
  • Es ist alles im grünen Bereich ... also alles in Ordnung, geht auf die Anzeigefarbe von Kontroll- und Regelautomaten zurück. Rot ist der Gefahrenbereich, grün der ungefährliche Arbeitsbereich.
  • Er ist noch grün hinter den Ohren ... also noch unreif, weil grün das Gegenteil von alt, erfahren, aber auch verwelkt ist.

Bedeutung von "grün" aus dem aktuellen Gebrauch betrachtet

Heute hat "grün" seine eigene Bedeutung erhalten. In der Politik stand Grün anfänglich für den Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Miitlerweile schmückt sich so manches mit dem Wort "grün" oder englisch "green".

Da wird grün gelebt (Green Living), grün gegessen (Green Food, Grüne Smothies), es gibt Green Chic für Fashion, Beauty und sogar für Lifestyle; aber das sind wieder ganz eigene Themen.

 

Lesetipp: Green Fashion

Da wird mir blümerant

Hier steht die Blume im Mittelpunkt der Redensarten

  • Etwas durch die Blume sagen ... die Blume war der Rednerschmuck (redebluome), also die Ausschmückung des Wortes oder des Sinnes eines Satzes. Wer also nur andeutungsweise - quasi verhüllt - spricht, der sagt es durch die Blume. Die alten Römer verwendeten dafür flosculus. Na, dämmert es da? Wie sprechen Politiker? In Floskeln. Auch die Grünen.
  • Mit der Blume sagen ist wieder eine andere Angelegenheit; da wird das Wissen um die Symbolik der einzelnen Blüten wichtig.
  • blümerant ... allerdings kommt nicht von unserer Blume, sondern aus dem Französischen bleu mourant= sterbendes Blau/blassblau und bezieht sich auf das Blasswerden eines Menschen vor Schwindel- oder Ohnmachtsanfällen.
Pastinake ins Kraut geschossen

Mir graut vor dem Kraut

  • Wie Kraut und Rüben ... ein heilloses Durcheinander, der Zustand im Zimmer eines Teenagers, kommt allerdings von dem Eindruck, den ein abgeerntetes Krautfeld bietet. Die abgeschnittenen Blätter der geernteten Kohl- oder Krautköpfe, die Strünke, die Wurzeln=die Rüben, bleiben als Durcheinander auf dem Feld zurück und werden anschließend wieder untergepflügt.
  • Ins Kraut schießen ... tun zwar zeitweise die Jäger, die auf Treibjagd gehen, aber die sind damit nicht gemeint. Gärtner ahnen schon, damit sind Pflanzen gemeint, die bei ungünstigen Bedingungen (kühl, feucht) mehr ins Kraut, also Stängel und Blätter investieren, als in die gewünschte Frucht. Manches Mal wird das auch für Jugendliche, die einen starken Wachstumsschub erleiden, verwendet.
  • Dagegen ist kein Kraut gewachsen ... man kommt etwa gegen das Schicksal nicht an. Ursprung ist der Gebrauch von Heilkräutern, die bei manchen Krankheiten allerdings erfolglos blieben.

Blatt, Laub und Ast

  • Das Blatt wendet sich ... alle Kartenzocker kennen das oder erhoffen es zumindest bei einer Pechsträhne. Falsch gedacht, es kommt wirklich aus der Botanik. Um die Sommersonnenwende, also Johannis, beginnen sich die Blätter der Laubbäume zu senken. Besonders die Silberpappel neigt sie ab da seitlich (das Blatt wendet sich buchstäblich), um den Regen durchzulassen.
  • Das kostet einen Pappenstiel ... kommt nicht von der Silberpappel, sondern vom abgepusteten Löwenzahnstiel; der Pappus, die Schirmchen sind weggepustet und zurück bleibt etwas Kahles, Wertloses.
  • Zittern wie Espenlaub ... wer im Herbst einer Espenbaumreihe entlang geht, der kennt dieses beim leisesten Windhauch klirrende, raschelnde Geräusch. Wer also sehr heftig zittert, aus Angst oder vor Kälte, der hat sich diesen Baum zum Vorbild erkoren.
  • sich einen Ast lachen ... damit war der gekrümmte Rücken, der Buckel gemeint, den man macht, wenn man ausgiebig lacht.
  • sich auf dem absteigenden Ast befinden ... wer die höchste Spitze eines Baumes erreicht hat, etwa beim Ernten und wieder herabsteigt; gemeint ist damit das Nachlassen einer Leistung, körperlich oder geistig.

Von Rosen und ihren Dornen

  • Auf Rosen gebettet sein ... Rosen gelten schon seit dem Altertum als Symbol von Glück, Freude und Wohlstand. Bei Festen wurden bereits in Ägypten, Athen oder Rom Rosenblätter auf die Tische gestreut. Ein Leben in Wohlstand und Zufriedenheit ist auch heute noch damit gemeint.
  • Jemandem ein Dorn im Auge sein ... der ist ganz sicher nicht zufrieden. Wer einem verhasst ist, soll möglichst außerhalb Sichtweite bleiben und nicht ins Auge stechen. Soll aus der Bibel herrühren.
  • Keine Rose ohne Dornen ... Auch wenn botanisch die Rosen Stacheln haben und Dornen zu den Kakteen gehören, gemeint ist die Kehrseite der Medaille. Kein Ding hat nur gute Seiten, sondern auch Schattenseiten, sprich den pieksenden Stachel dieser so hübschen wohlriechenden Blume.

Obst und Gemüse mal anders

  • Für einen Apfel und ein Ei ... spottbillig, also einen Pappenstiel wert, kommt aus einer Zeit, wo noch jeder Bauer seine eigenen Obstbäume und Hennen hatte. Sogar der ärmste Bauer konnte etwas davon abgeben, ohne Bedenken. Welche Apfelsorte er dabei hergab, blieb ihm überlassen. Sicher den sauersten.
  • Jemanden durch den Kakao ziehen ... tja, gemeint ist natürlich jemand lächerlich zu machen und dass es es sich beim besagtem "Kakao" eigentlich um eine Umschreibung eines anderen Wortes mit "Kack... " handelt, sollte uns nicht wundern. Verspotten quasi durch die Blume gesagt ...
  • die Kastanien aus dem Feuer holen ... also eine brenzlige Aufgabe erledigen, stammt aus der Feder des französischen Fabeldichters Jean de Lafontaine. Da muss die Katze für den Affen die heißen Kastanien aus dem Feuer holen. Er frisst sie ungeniert auf und sie guckt dumm auf leere Pfoten.

 

 

Ohne Düngen oder Wasser wächst auch beim besten Gärtner nichts

  • (Nicht) auf dem eigenen Mist gewachsen ... Mist auch heute noch ein wichtiges Düngematerial, ein Bauer von anno dazumal hatte noch seine eigenen Tiere, die ihm den Mist lieferten. Er konnte aus eigener Kraft etwas produzieren. Heute ist in Zeichen des Computers und des Internets so manches "auf fremden Mist gewachsen" und viele schmücken sich (Plagiate) mit fremden Federn.
  • Jemandem das Wasser abgraben ... den Bauern tatsächlich seiner Lebensgrundlage berauben oder den Müller, indem man den Lauf des Bachbettes verändert. Auch heute noch benötigt der Mensch zum Überleben Wasser.
"Wie bitte? So eine Verleumdung!"
  • Den Bock zum Gärtner machen ... nichts ist so gefräßig wie eine Ziege und der (Ziegen-)Bock muss in diesem Fall als Symbol herhalten. Ein Kandidat, der denkbar schlecht für eine Aufgabe geeignet ist. Eine freilaufende Ziege in einem Garten war schon vor einigen hundert Jahren die pure Katastrophe. Da blieb kein Pflänzchen über. Ich kann nur sagen: "Die kannten damals die Nacktschnecken noch nicht."
Wird hier jemand gepflanzt?

Aber nie und nimmer nicht ...

  • Jemanden pflanzen ... kommt aus dem Wienerischen und bedeutet jemanden zum Narren zu halten, zu necken. Ich bin aber ganz sicher, dass ihn ein Gärtner erfunden hat, denn etwas zu pflanzen ist eben wahre gärtnerische Bestimmung. Darum, so Sie sich unter Gärtnern oder Gartenmenschen häufig bewegen, nicht gekränkt sein, wenn Sie sprichwörtlich auf die (Garten-)Schaufel genommen werden. Beruf und Berufung lassen sich eben nicht leugnen.

Die einzige Blume, die auf Beton wächst, ist die Neurose

Adele_Sansone, am 21.09.2015
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M. Steininger - Die Persönliche Note (Blumensprache: Was Blumen bedeuten und was man beachten sollte, we...)
M. Steininger - Die Persönliche Note ("Grüne" Geschenkideen – und warum sie so gut tun)
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