Die Namenspatrone lassen grüßen: Ob Hausgans oder Wildgans

Hausgans (Bild: AnnaER / Pixabay)

Warum wird ein Pflanzennamen mit einem Tiernamen zusammengesetzt?

Mit zwei aneinandergereihten Namen, die einzeln Pflanze oder Tier bezeichnen, kann man so den Namen eines neuen Lebewesens gewinnen. Der Fantasie sind da fast keine Grenzen gesetzt.

Kurzweilig, unterhaltsam aber natürlich auch verwirrend. Sehr viele Pflanzennamen tragen als ersten Wortbestandteil den Namen eines Tieres. Warum bloß?
Mehrere Gründe gibt es von Alters her dafür.

  • a) Der Wert der Pflanze wird durch ein unedles Tier herabgesetzt. (zB Hund)
  • b) Der Wert der Pflanze wird durch das vorgesetzte Tier veredelt. (zB Adler)
  • c) Die Pflanze ist dem vorgesetzten Tier eindeutig wichtige Nahrung.
  • d) Die Pflanze oder ein Pflanzenteil (Blüte, Blatt) ähnelt einem Tier (Fuß, Flügel, Kopf).
  • e) Die Pflanze ist gut zur Bekämpfung (Ungeziefer) eines Tieres (zB Flohkraut).

 

Allgemeines über die namensgebende Gans

Gänse (Anserinae) sind eine Unterfamilie der Entenvögel. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt in der Arktis, wo die meisten Arten brüten. 

Sie haben breite, abgeflachte Schnäbel, ein wasserdichtes Gefieder, kurze, kräftige Beine und Schwimmhäute zwischen den Zehen. Während der vollständigen Mauser verlieren sie ihre Schwungfedern und sind in dieser kurzen Zeitspanne flugunfähig. Viele der angeführten Vögel sind Zugvögel.

Gänse sind sehr gesellig, auch zur Brutzeit. Gänse weiden an Land, früher auch oft als Gänseanger bezeichnet, die zahlreichen "Gänse" im Pflanzennamen weisen darauf hin, dass vieles davon zu ihrem Speiseplan gehört.
Die Kräuter, die eventuell zu einem Gänsebraten gehören, wollen wir hier aus tierliebenden Gründen einfach ignorieren.

Einige Gänsearten:

  • Hausgans; Ihr domestizierter Vorfahre war die Graugans.
  • BrandgansTadorna tadorna; unverkennbar durch ihren leuchtend roten Schnabel (Nord- u. Ostseeküste, Wattenmeer), Futtersuche in den Salzwiesen und im Wattschlick - mehr zu den Vögeln des Wattenmeers
  • Graugans, Anser anser, berühmt durch Konrad Lorenz. Ihre lebenslange Bindung an den Partner ist typisch.
  • Ringelgans, Branta bernicla; typisch der weiße Ringel seitlich am schwarzen Hals, auch sie ein Besucher des Wattenmeers; reiner Pflanzenfresser, sie lieben besonders das Seegras.
  • Nonnengans, Branta leucopsis;
  • Schneegans, Chen caerulescens.

 

 

Vieles an Wissen aus dem Leben einer Gans haben wir durch den Verhaltensforscher Konrad Lorenz erfahren.

Gänse- und ihre Blümchen

Gänseblümchen (Bild: marekjanac / Pixabay)

Gänseblümchen und Gänse(kohl)distel

  • Gänseblümchen Bellis perennis; Das Gänseblümchen aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) blüht ausdauernd durch das Vegetationsjahr. Selbst abgemäht, ob durch Gänseschnäbel, Schafe oder Rasenmäher, macht ihm nichts aus. Die dem Erdboden dicht anliegenden Blattrosetten treiben eben frisch und fröhlich unentwegt wieder aus.

Dass sein Name von einer "auf einem Bein stehenden Gans auf dem Anger" herrühren soll, darf getrost ins Reich der Fabeln verwiesen werden. Als vitaminreiche Pflanze war es sicher von Alters her eine beliebte Futterpflanze für das weiße Federvieh.

  • Gänsedistel Sonchus ; Das gelb blühende bescheidene Wegrandgewächs gehört ebenfalls zu den Korbblütlern. Anders als der Name "Distel" vermuten lässt, ist sie nicht wirklich wehrhaft. Die Blätter sind am Blattrand borstig stachelig gezähnt. Sie ist jedoch wertvolles Viehfutter, daher der deutsche Name Kohl-Gänsedistel. Auch für den Menschen als Wildgemüse nicht zu verachten (junge Stängel, Blätter oder Wurzel). Die Pflanze hat einen weißen Milchsaft. 
  • Acker-Gänsedistel Sonchus arvensis,Abb li
  • Kohl-Gänsedistel Sonchus oleraceus Abb unten
"Gans" schöne Tiere

Hausgänse am Gänseanger (Bild: birgitroehrs / Pixabay)

Gänsefuß und Gänsefüßchen

  • Gänsefuß Chenopodium; Hier ist es eine ganze Familie (Unterfamilie*), die sich mit der "Gans" schmückt.
  • Die dreieckigen, spieß- oder oft pfeilförmigen Blätter erinnern an den (Schwimmhäute) typischen Fuß eines Wasservogels, speziell der namensgebenden Gans.

 

  • Die Samen der Gänsefußgewächse wurden bereits in der Steinzeit zu Mehl vermahlen, Funde belegen das. Blätter und junge Sprossspitzen wurden als Wildgemüse verzehrt. Die unscheinbaren grüngelben Blüten, die allerdings zu hunderten auf einer Pflanze sitzen und enorm lange keimfähig bleiben, machen aus ihnen ein bei Getreidebauern nicht gerade beliebtes Unkraut. Arten sind zB: Weißer Gänsefuß Chenopodium album, Dickblättriger Gänsefuß Chenopodium botryodes, Stinkender Gänsefuß Chenopodium vulvaria

*Nach neuen Erkenntnissen zählen sie nun als Unterfamilie zu den Amaranthgewächsen.

  • Gänsefüßchen/Strandsode, Suadea maritima;
  • In Deutschland findet man die Strand-Sode in ruderal beeinflussten Salzpflanzenfluren an Nordsee und Ostsee. Sie ist eine echte Salzpflanze (Halophyt). Auch sie ist beliebtes Gänsefutter.

 

Gänse-Fingerkraut, Potentilla anserina (Bild: a.sansone)

Gänse(finger)kraut, Gänsekresse und Gänserauke

  • Gänsekraut/Gänsefingerkraut, Potentilla anserina; Es gehört wie die anderen Fingerkräuter zu den Rosengewächsen. Hat aber untypisch gefiederte Blätter (keine Finger), die auf der Unterseite silbrig behaart sind. Mit seinen Ausläufern kann es bodendeckende Teppiche bilden. Sehr robust und auch im Winter grün, deshalb ist es auch an der Nord- und Ostsee beliebtes Winterfutter für die Gänse. Vielleicht spielen aber auch seine Heilkräfte dabei eine wichtige Rolle. Die Wildtiere wissen schon, was ihnen gut tut.
  • Gänsekresse Arabis glabra; Die Blüten zeigen, hier handelt es sich um einen Kreuzblütler (Brassicaceae). Die Blüten sind meist weiß. Früher beliebt bei den Gänsen, heute in verschiedenen Gartensorten gezüchtet beliebt im Steingarten.
  • Gänserauke/Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana) ist ebenfalls ein Kreuzblütler (Brassicaceae). Auch sie zählt zu den Futterpflanzen der Wildgänse.

 

Gänse-Malve

  • Gänse-Malve/Wegmalve, Malva neglecta;
  • Vorkommen dieser eher kleinen Malve ist häufig auf den sogenannten Gänseangern. Möglicherweise ist der Volksname darauf zurück zu führen.

Zu den Sprachwurzeln der Gans gegraben

Vergleichende Analysen mit anderen indogermanischen Sprachen deuten darauf, dass sowohl die deutsche Bezeichnung gans als auch die lateinische Bezeichnung anser, der heute die Gattungsbezeichnung für die Feldgänse ist, sich aus dem Laut der fauchenden Gänse ableitet.

lat=Anser=Gans, botanische Bezeichnungen lauten dann X anserina, anserinus

  • Potentilla anserina, das Gänse-Fingerkraut
  • Acaena anserinifolia, Stachelnüsschen, ein etwas aggressiver Neophyt von der Südhalbkugel.

Noch erwähnt sei Borrelia anserine, ein nicht sehr beliebter Erreger der Borreliose.

Althochdeutsch:Gans=Gans.

gr chen=Gans + pus, podium=Fuß =>Chenopodium=Gänsefuß

Lesetipp: Botanische Bezeichnungen

Sucht man im Netz nach Gänsefuß, tauchen auch diese Ergebnsse auf:

  • Die Gurrelieder von Arnold Schönberg; denn ein Lied daraus nennt sich "Herr Gänsefuß, Frau Gänsekraut " 

Literaturtipp für Kinder - ein Herr Gans und sein Kind

Was ein Gänserich erlebt, der sich unbedingt ein eigenes Küken wünscht, das können Kinder (mit Hilfe ihrer vorlesenden Eltern) in diesem Buch erfahren.

Das Grüne Küken (Adele Sansone/Anke Faust) 

ISBN-13: 978-3314017421

Eine Geschichte um Kinderwunsch, Ausgegrenzt werden und bedingungslose Mutter- oder Vaterliebe.

Quellen

  • Pflanzen und Tiere der Küste, Pott; Ulmer Verlag, 2006 Stuttgart
  • Wissen Wattenmeer, Wilhelmsen/Stock; Wachholtz, 2011 Neumünster
  • Die deutschen Pflanzen- und Tiernamen, Helmut Carl; Quelle & Meyer, Wiesbaden 1995
Adele_Sansone, am 07.09.2017
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Bildquelle:
a.sansone (Die besondere Pflanzenwelt an der Nordseeküste)

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