Mariendistel (Bild: a.sansone)

Gottesmutter Maria -

...der Einfluss des Christentums prägt seit Jahrhunderten auch die Namensgebung in der Pflanzen- und Tierwelt.

Gott, Jesus, Christus, Maria, Heilige, auch der Teufel, die Sprache der Bibel wurde seit Jahrhunderten verwendet, um den Pflanzen und auch Tieren treffende Namen zu geben. Nicht alles natürlich im botanischen oder zoologisch-wissenschaftlichen Namen festgehalten, aber auf jeden Fall im volkstümlichen Sprachgebrauch.

Und zum Marien-Feiertag, Maria Himmelfahrt, am 15. August, darf man sich auch heute noch gerne damit beschäftigen.

  • Mariendistel - Silybum marianum
  • Mariengras - Hierochloa odorata
  • Marienglocke/Marienglockenblume - Campanula medium
  • Marienträne - Lithospermum officinale

und als Draufgabe erwähnt im Tierreich das vielgeliebte Marienkäferchen - Coccinellia ... ob Siebenpunkt oder andere.

Marienglockenblume, Marientränen

Campanula medium ‘Calycanthema’ (Bild: themts / Flickr)

Marienglocke, Marientränen

Die Marienglockenblume ist eine besonders schöne großblütige Glockenblumenart, Campanula medium, beliebt in jedem Staudengarten. Als "Marienpflanze" ausgewählt, weil sie eine besonders schöne Vertreterin im Reigen der Glockenblumen darstellt.

Ein Süßgras, Hierochloa odorata, Heiliges Gras oder eben auch Mariengras genannt, ist ebenfalls Maria namentlich geweiht: Süßer Duft, dem Waldmeister ähnlich, verströmt es und sollte in keinem Kräuterbuschen zu Mariä Himmelfahrt fehlen. Es wurde früher getrocknet als Schrankeinlage genutzt.

Marienträne, Lithospermum officinale, hier erzählt die Legende, dass Tränen von Maria auf die Pflanze getropft sind und daraus die zu Stein (Nüsschen=Samen) gewordenen Früchte entstanden sind. Sie bleiben im Winter meist an den dürren Stängeln lange noch hängen und wirken wirklich wie Wassertropfen oder auch Tränen - als stille Mahnung in der kalten Zeit.

Mariendistel, die Milchtropfen auf den Blättern

Mariendistel, Blätter (Bild: a.sansone)

Mariendistel

Diese Legende erzählt, dass bei ihrer Flucht fort aus Betlehem, die kleine Heilige Familie mit dem neugeborenen Kind im Arm, beim Stillen einige Tropfen der Muttermilch der jungen Mutter Maria auf die Blätter einer Distel gefallen sind. Als heiliges Andenken daran sollen diese Disteln, die Mariendistel, Silybum marianum, fortan weiße Flecken auf ihren Blättern behalten haben. Auch die Milchfleckdistel, Galactites tomentosus, sollte also wohl an die Gottesmutter Maria erinnern.

Marienbettstroh - Echtes Labkraut
Galium odoratum

Galium odoratum (Bild: a.sansone)

Marienbettstroh - hoch zwei

Damit wurde früher sowohl der Thymian, Thymus,  bezeichnet, der in christlicher Vorzeit bereits der Göttin Freya gewidmet war und dessen Funktion als heiliges Kraut später einfach ins Christentum übernommen wurde.

Allerdings trägt auch das Labkraut (Galium verum) diesen Beinamen; hier erzählt wiederum die Legende, dass sich Josef und Maria in den Ställen auf ein Lager aus Farn und Labkraut gebettet hatten; daher der Name "Mariä Bettstroh".

Als das Kind geboren war, wollte das getrocknete einfache Labkraut an der Freude teilhaben und trieb mitten im Winter kleine Blüten aus. Maria soll ihm gedankt haben und die weißen unscheinbaren Blüten fortan in goldgelbe wohlriechende verwandelt haben ... Die Wandlung also vom bescheidenen Galium album/Galium mollugo auf Galium verum quasi ...

Eingang fand das Labkraut daher auch in die Malerei z.B. bei einer Madonnendarstellung von Raphael (Madonna della Casa alba).

Gänseblümchen (Bild: kareni / Pixabay)

Marienblümchen und Marienflachs, Mariengläschen

Marienblümchen ist ein weiterer volkstümlicher Name für das bescheidene, aber unaufhörlich blühende Gänseblümchen (Belllis perennis).

 

Marienflachs ist wiederum ein anderer Name für das Gemeine Leinkraut, Linaria vulgaris, das von Juni bis Oktober blassgelb blüht. Ach, ihr kennt es nur unter dem Namen "wildes Löwenmäulchen"? Da sieht man, wie verwirrend volkstümliche Namen sein können.

Jedenfalls gehört es in den Kräuterbuschen und basta!

 

Das Mariengläschen allerdings hat nicht nur den heiligen Beinamen, sondern ist ebenso unter der Bezeichnung Teufelszwirn zu finden. Es handelt sich um die hübsche, allerdings auch wirklich enorm lästige Ackerwinde, Convolvulus arvensis. Das Gläschen hat es seiner hübschen Blütenform, dem kleinen Trichter zu verdanken. Ob Maria daraus möglicherweise Tau getrunken hat, konnte ich nicht herausfinden.

Marienhandschuh und Marienrose

Im Englischen Foxglove, in manchen deutschen Gebieten Marienhandschuh und beides vereint in dem wunderschönen blassgelben Fingerhut, Digitalis grandiflora.

 

Mit Marienrose oder auch einer anderen Marienträne benannte man mancherorts auch die Rote Waldlichtnelke, Silene dioica/Melandryum rubrum, und sie wurde auch für Liebestränke verwendet. Ob's geholfen hat ist allerdings nicht überliefert, vielleicht deshalb die Tränen.

Marienhandschuh, Digitalis (Bild: pmmGarak / Flickr)

Quellen

es finden sich so manche Bemerkungen in vielen verschiedenen Büchern, aber besonders fündig wurde ich in diesem:

  • Die deutschen Pflanzen und Tiernamen (Helmut Carl)
Adele_Sansone, am 15.08.2022
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Woher kommt das Wort Katze?)

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