Von Nüsschen, Beeren und Steinfrüchten

Lauter kleine Nüsschen - Wilde Möhre (Bild: https://pagewizz.com)

Wie teilt man die Früchte ein?

Nach Öffnungsweise unterscheidet der Botaniker in zwei Kategorien:

  • Öffnungsfrucht/Streufrucht - Die Frucht öffnet sich sobald der Samen reif ist und streut ihre Samen dabei aus. Unterscheidung der Streufrüchte geschieht nach Bauart in Balg, Hülse, Schote, Kapsel. Mehr darüber in diesem Artikel nachzulesen.
  • Schließfrucht - Hier bleiben die Samen bei Fruchtreife von der Fruchtwand umschlossen. Schließfrüchte sind: Beeren, Steinfrüchte, Nussfrüchte, Spaltfrüchte, Sammelfrüchte, Fruchtverbände.

Übersicht der Schließfrüchte

  1. Beeren saftiges Fruchtfleisch schließt die Samen ein; Maiglöckchen.
  2. Steinfrucht Die Fruchtwand ist außen fleischig, innen steinhart; Kirsche.
  3. Nuss Fruchtwand hart, öffnet sich bei Samenreife nicht; Haselnuss
  4. Sammelfrucht: mehrere Früchte vereinigt; Hagebutte
Alles Beeren - aber bitte nicht Verspeisen

Physalis peruviana (Bild: Pezibear / Pixabay)

1) Alles Beeren? Ja!

Für den Botaniker und nicht den Konsumenten am Markt gilt die Definition so:

  • Beere im botanischen Sinne ist eine Schließfrucht, bei der die Fruchtwand gänzlich saftig-fleischig wird (Fruchtfleisch) und die meist zahlreichen hartschaligen Samen dabei einschließt.

Die Fruchtwand ist dick, weich und saftig, nicht hart und ungenießbar wie bei den Nussfrüchten. Sie vertrocknet auch nicht, wie bei den meisten Öffnungsfrüchten. Die Schale ist meist auffällig gefärbt. Ist die Schale ledrig mit wohlriechendem Öl handelt es sich um die Zitrusfrüchte (Orange, Zitrone...) Ist die äußere Schale hart, wie beim Kürbis, spricht man von einer Panzerbeere. Übrigens vermutet man, dass sprachgeschichtlich "Beere" von ber, basu, basc, was "die Rote" bedeutete, herstammt.

Auffällige Beeren (allerdings nicht für menschliche Naschkatzen) als Frucht haben:

  • Aronstab, Arum italicum, Tollkirsche, Atropa belladonna, Maiglöckchen, Convallaria majalis, Salomonssiegel, Polygonatum multiflorum, Spritzgurke, Ecballium elaterium
  • Efeu, Hedera helix, Feigenkaktus, Opuntia ficus-india, Lampionblume, Physalis alkekengi, Bittersüßer Nachtschatten, Solanum dulcamara.

Damit die essbaren Beeren nicht vernachlässigt werden, hier eine Auflistung: Banane (ja, das ist eine Beerenfrucht!), Chili, Kaki, Paprika, Tomate, Johannisbeere, Stachelbeere, Orange, Zitrone. Die Maibeere ist ebenfalls eine klassische Beere. Gurke, Zucchini, Blaubeere, Preiselbeere, Weinbeeren. Ach, und das derzeit beliebte Superfood "Avocado" ist natürlich auch eine Beere.

Nachsatz: Erdbeere (Sammelnussfrucht), Himbeere und Brombeere (Steinfrüchte) fehlen; sie sind keine Beeren im Sinne der Botanik.

 

Wer sich nun fragt, wo Apfel oder Birne dazu gehören, der möge sich Spezialisten zuwenden. Denn nach neueren Erkenntnissen zählen diese Apfelfrüchte nun zu den Beeren.
Diese Definition: Apfelfrucht ist botanisch gesehen eine Sammelbalgfrucht. Durch das Umwachsen der Fruchtblätter (und späteren Früchte) durch den hochwachsenden Blütenboden bildet sich eine sogenannte Scheinfrucht, (Quelle Wikipedia) stimmt so nicht mehr.

Aha! Asterix steh uns bei, ...

Den Begriff "Kernobst" werden sie allerdings noch Jahrzehnte brauchen, um ihn auszurotten.

Sie haben Steinfrüchte

Schlehe (Bild: LaMaLaMa55 / Pixabay)

2) Die Steinfrüchte

Von innen nach außen sieht eine Steinfrucht typisch so aus: harter Steinkern, der meist nur einen Samen schützt, saftiges Fruchtfleisch, das diesen Steinkern umgibt. Bei einigen wenigen Steinfrüchten wird das Fruchtfleisch allerdings ledrig, so z.B. der Walnuss oder der Mandel. Abschließend folgt eine unterschiedlich feste Außenhaut.

Häufig kommen Steinfrüchte bei den Rosengewächsen vor (so vor allem unser beliebtes Steinobst Kirsche, Pflaume, Aprikose, Pfirsich). An Wildgehölzen gibt es noch Schlehe, Holunder, Traubenkirsche und Weichsel. Aber auch unser geliebter Kaffee hat Steinfrüchte, die Kaffeekirschen. Auch die Kokosnuss ist keine Nuss, sondern eine Steinfrucht.

Von Nuss, Nüssen und Nüsschen ...

Skabiose (Bild: a.sansone)

3) Nuss oder Nussfrucht

Nussfrüchte gibt es wieder zuhauf im breiten Spektrum unserer Gartenblumen. Sie glauben mir nicht? Müssen wir also wieder beim Definieren beginnen.

Was versteht der Botaniker unter Nuss?
Ein harte dickwandige Fruchtwand, die meist nur einen Samen umschließt. Dieser ist noch von einer zarten Samenschale umgeben. Fertig.

Essbare Nüsse sind weit bekannt: Haselnuss, Buchecker, Eichel, Edelkastanie aber nicht die Walnuss, auch nicht die Mandel - die sind eine Steinfrucht - siehe Absatz Steinfrüchte. Birke und Ulme liefern geflügelte Nüsse.

Nüsse oder Nüsschen bei unseren Gartenblumen

Darüber hinaus sind aber eine Vielzahl von Nüssen oder Nüsschen, sehr zur Freude unserer gefiederten Freunde, im Pflanzenreich unterwegs: Hahnenfuß, Küchenschelle, Clematis, Steinklee.

Auch die allseits bekannten Flugschirme des Löwenzahns transportieren - was? Eine Nuss, auch wenn die Achäne (Fruchtform der Korbblütler) eine Spezialanfertigung ist, nämlich Nüsschen samt Flugkörper. Auch die Baldriangewächs und die Kardengewächse bevorzugen diesen Fruchttypus. 

Doldenblütler Spaltfrüchte/Nüsschen (Bild: a.sansone)

Noch mehr an Nüssen ... die Spaltfrüchte

Auch sie zählen noch zu den Nussfrüchten, allerdings mit Spezialanfertigung

Spaltfrüchte

Ein mehrfächriger Fruchtknoten zerfällt bei Reife und entlässt seine Nüsschen. Doldengewächse und Ahorn hängen der Nuss noch einen kleinen Fruchtträger an. Petersilie, Möhren und Kümmel zählen dazu.

Malven mit ihrem typischen Fruchtknoten, der aussieht wie eine kleine Torte oder ein Käselaib, präsentieren ihre Mini-Tortenstückchen (Nüsschen) mit kleinem Flügelreif.

Die Spaltfrucht der Lippenblütler zerfällt in vier einsamige Teilfrüchte, die sogenannten Klausen

Bruchfrüchte, die ebenfalls zu den Nussfrüchten

zählen, haben nur Kreuzblütler und Schmetterlingsblütler, obwohl deren Hauptfrucht Hülse oder Schote ist. Bruchfrüchte weisen eine oder mehrere Einschnürungen auf, jeder Samen hat also ein eigenes Fach.

Bruchfrüchte haben Kronwicke, Hufeisenklee, Süßklee, Meersenf und Hederich.

Erdbeere (Bild: Alexas_Fotos / Pixabay)

4) Sammelfrüchte und Fruchtverbände

Als Sammelfrucht am bekanntesten ist die "Erdbeere". Auf der Oberfläche ihrer Blütenachse kleben auf saftig fleischigem Untergrund die zahlreichen Nüsschen, alle aus nur einer Blüte entstanden. Sie ist eine Sammelnussfrucht.

Brombeere und Himbeere sind dagegen Sammelsteinfrüchte, weil ihre Frucht aus vielen winzigen Fruchtblättern mit dann ebenfalls winzigen Steinfrüchten besteht, die um eine Mittelachse fest zusammensitzen. Deshalb wirken sie wie eine einzige beerenartige Frucht. Die volkstümliche Bezeichnung "Beere" ist also verständlich, wenn auch botanisch falsch. Auch die neu in unsere Gärten eingewanderte Japanische Weinbeere ist eine solche Sammelsteinfrucht.

Von Fruchtverband/Fruchtstand/Scheinfrucht spricht man dann, wenn aus eng beieinander sitzenden Blüten sich jeweils kleine Früchte bilden, die den Anschein einer einzigen Frucht annehmen. Dazu zählen die tropische Ananas, Feige und Maulbeere.

Der Vollständigkeit halber sei noch die Getreidefrucht/Karyopse erwähnt. Die Früchte sehen wie Samen aus; sie besitzen eine harte Fruchtwand/Perikarp, das ringsumher mit dem Samen verwachsen ist. Das haben alle Süßgräser, Mais, Weizen, Reis.

Quellen

Neben vielen Artikeln und Zeitschriften zur Botanik vorwiegend diese Fachbücher

  • Kleines Repetitorium der BOTANIK, Ernst F. Welle; Nikol; Hamburg 2006
  • Das Gemüsebuch, Karen Meyer-Rebenitsch; blv, 2012 München
  • Pflanzenkunde, Schmeil-Pfitschen; 1966 Heidelberg
  • Hagebutte & Co, Angelika Lüttig, Juliane Kasten; FAUNA Verlag, 2003 Nottuln
  • Die deutschen Pflanzen- und Tiernamen, Helmut Carl; Quelle & Meyer, Wiesbaden 1995
  • Botanik, Murray W.Nabors; Pearson Studium; 2007 München

Wie clever sind diese Früchte?

Wer neugierig ist, wie clever die verschiedenen Früchte dazu beitragen, dass die Samen auch wirklich irgendwo Fuß fassen können und neue Pflanzen hervorbringen, der mag hier weiter schmökern:

 

Adele_Sansone, vor 21 Tagen
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Warum haben Rosen keine Dornen?)

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