Die Echte Schlüsselblume = Wiesen-Schlüsselblume

einsame Schlüsselblume auf einer Wiese (Bild: https://pagewizz.com/die-wi...)

Warum ist Primula veris Blume des Jahres 2016 geworden?

Die Wiesenschlüsselblume/Primula veris ist bundesweit verbreitet. Allerdings ist die Art vor allem im Norden Deutschlands bereits in den Roten Listen der gefährdeten Arten gelandet.

Die Art steht bundesweit unter Schutz und darf nicht in der Natur ausgegraben werden.

Schutzmaßnahmen werden vorgeschlagen, ebenfalls regelmäßige Pflege der vorgeschlagenen Flächen, wie zum Beispiel Beweidung oder Mahd. Zahlreiche weitere Pflanzen- und Tierarten würden hiervon profitieren; die Schlüsselblume würde dann als Umbrella-Species fungieren.

Geschenktipp: Ein von der Loki Schmidt Stiftung herausgegebener Kalender für das Jahr 2016 stellt die Wiesen-Schlüsselblume und ihren Lebensraum vor. Der Kalender und die Samen der Blume des Jahres 2016 können unter info@loki-schmidt-stiftung.de bestellt werden.

 

Heißt sie nun Primula veris oder Primula officinalis?

Sehen wir uns die Schlüsselblume genauer an. Die Verwirrung beginnt bereits mit der botanischen Bezeichnung: Hier existiert neben der neuen anerkannten Bezeichnung Primula veris auch noch das in vielen Büchern vertretene Synonym Primula officinalis

  • Primula (herba) veris (=lat. das erste blühende Kraut im Frühling) wurde vor Linné im Mittelalter als Bezeichnung für die ersten Frühlingsblüher, so etwa auch für das Gänseblümchen, verwendet. "Primavera"=ital. Frühling, "primevère"(=frz. Frühling), die gleichen Sprachwurzeln. Seit Linné gilt es nur mehr für die dottergelb blühende Schlüsselblume.
  • Die ebenfalls gebräuchliche Bezeichnung (ein Synonym) Primula officinalis deutet auf die Heilkraft der Schlüsselblume hin. officinalis*= arzneilich,"Offizin"= Verkaufsraum der Apotheke. Die Bezeichnung bezieht sich auf solche Pflanzen, die in den damaligen Apotheken (Officinae) verwendet wurden.

Die derzeit gebräuchliche botanische Bezeichnung lautet Primula veris.

*Lesetipp: Botanische Bezeichnungen und ihre Bedeutung

Himmelschlüssel von Albrecht Dürer

Himmelschlüssel von Albrecht Dürer

Die vielen deutschen Namen der Schlüsselblumen - die Bezeichnungen "Schlüsselblume" oder "Himmelschlüssel" deuten auf die Ähnlichkeit der Blütendolden mit einem alten Hohlschlüssel hin. Daneben heißt sie aber auch noch:

  • Wiesen-Primel, Frühlings-Schlüsselblume (Schweiz), Wiesen-Schlüsselblume, Arznei-Schlüsselblume, Himmelschlüssel und Himmelsschlüssel. Weitere Namen im Volksmund sind auch Petrusschlüssel oder Petriblume, Arzneiprimel, Aurikel oder Eierkuchen.
  • Im Althochdeutschen hieß sie Himmelsschlüsselchen.
  • Ab dem 16. Jahrhundert taucht die Bezeichnung "Schlüsselblume" auf.

Damit nicht genug, hat Primula veris auch noch so einige Doppelgänger. Denn kaum einer sieht wirklich den Unterschied zwischen der Wiesenschlüsselblume (Primula veris) und der Wald- Schlüsselblume (Primula elatior). Die dritte im Bunde, mit der sie gerne verwechselt wird, ist die alpine Form, Aurikel (Primula auricula).

Aber keine Bange, es gibt ganz einfache "Schlüssel" für die Himmelsschlüssel, mit deren Hilfe man sie ganz leicht bestimmen kann. Siehe Gegenüberstellung weiter unten.

 

Der (hohle) Schlüssel zur Blume

alter Hohlschlüssel (Bild: Elektro-Plan / Pixabay)

Wie gut, dass es botanische Bezeichnungen gibt, denn ...

gerade bei Primula veris, der Schlüsselblume, erweist sich wieder einmal, dass volkstümliche Namen vielfach verwendet werden und eine eindeutige Zuordnung zu einer bestimmten Pflanze dadurch schwer gemacht wird.

So viele Himmelschlüssel hat die deutschsprachige Welt

  • Was in Deutschland Schlüsselblume heißt, wird in Österreich "Himmelschlüssel" oder "Himmelsschlüssel" genannt.
  • Aber auch die Schweiz hat ein "Himmelsschlüsseli", allerdings handelt es sich dabei um den Frühlingsenzian Gentiana verna
  • In Oberösterreich bekam noch eine weitere Blume den Namen "Himmelsschlüssel", diese blüht blau und ist der Kriechende Günsel Ajuga reptans.
  • Als "blaue Himmelschlüssel" wird auch noch das Lungenkraut Pulmonaria officinalis bezeichnet.

Na bitte, da lobe ich mir die botanischen Bezeichnungen; haben doch ihren Sinn und Zweck erfüllt. Bravo, lieber Carl von Linné.

Wie unterscheidet man die verschiedenen Schlüsselblumen?

Diese beiden Arten verwechseln die meisten Menschen; nämlich

Primula veris, die Echte Schlüsselblume und Primula elatior, die hohe Schlüsselblume.

Stehen sie nebeneinander, wird kein Mensch sie für die gleiche Art halten, denn sie haben sehr wohl deutliche Unterscheidungsmerkmale. Das Problem ist nur, dass sie andere Ansprüche haben und deshalb, außer in botanischen Gärten, nie einträchtig nebeneinander aufwachsen.
Hier bekommen Sie nun die Gelegenheit, sie auseinanderzuhalten.

Wer ist nun die einzig wahre und echte Schlüsselblume?

Echte Schlüsselblume

Kronenrand, Saftmale (Bild: a.sansone)

Hohe Schlüsselblume

flacher breiter Kronensaum (Bild: a.sansone)

Die echte Schlüsselblume oder auch Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris)

  • Standort: auf eher trockenen Wiesen, helle Standorte, kalkliebend. 
  • Geruch: stark duftend
  • bis zu 20 Blüten in einseitiger Dolde
  • Blüte:röhrig mit radförmigem Saum
  • Krone aus 5 Blütenblättern trichterförmig, kurzer Kronensaum, dottergelb, hat am Schlund 5 orangefarbene Flecken
  • Kelch: aufgeblasen und nicht anliegend, kantig
  • 10 - 20 cm hoch
  • Blätter in grundständiger Rosette, Unterseite weiß-filzig
  • Stängel blattlos
  • Frucht: Kapselfrucht, 5-10mm lang, kürzer als Kelch

Die hohe Schlüsselblume oder auch Wald- Schlüsselblume (Primula elatior)

  • Standort: feuchte Wiesen, Laubwälder, Gebüschränder
  • Geruch: kaum duftend
  • vielblütige einseitige Dolde
  • Blüte:röhrig mit radförmigem Saum
  • Blüte: hellgelb, die Blütenblätter der Krone (Kronsaum) weit trichterförmig (deutlich größer als bei P.veris), am Schlundrand ein schwach orangefarbiger Ring
  • Kelch: anliegend, schmal, kantig
  • 10 - 25 cm hoch
  • Blätter in grundständiger Rosette, eiförmig, runzelig, kurz behaart
  • Frucht: 10-15 mm lang, deutlich länger als Kelch

Eine kleine botanische Führung zur Schlüsselblume

  • Die Schlüsselblume besitzt einen Erdspross (Rhizom) als Nahrungsspeicher. Sie ist eine Staude.
  • Der Blütenstand ist eine einseitswendige Dolde. Die Einzelblüten sind röhrig mit Blumenkrone, 5 zählig und von einem 5 zipfligen Kelch umgeben.
  • Die Bestäubung erfolgt durch Hummeln oder langrüsselige Falter.
  • Die Echte Schlüsselblume dient mehreren Schmetterlingsraupen als Futterpflanze (Raupe der Silbergrauen Bandeule und des Schlüsselblumen-Würfelfalters)
  • Blütezeit April bis Mai.
  • Die vorhandenen Haare scheiden Harzemulsionen aus, die das Primin enthalten.
  • Auf den Blättern findet man Wasserporen. Wassertropfen dort stellen also Guttationswasser dar und nicht Tau.

Selbstbestäubung? Bei den Primeln nie!

Blüten einer Pflanze sind clever ausgestattet. An ein und derselben Pflanze kommen entweder Blüten mit langem Griffel und kurzgestielten Staubgefäßen (linke Blüte) vor, oder anders herum (rechte Blüte) siehe Abb.: also kurze Griffel und dafür lange Staubgefäße. So verhindern sie Selbstbestäubung und damit minderwertige Samenausbeute. Das ganze nennt sich Heterostylie.

Pflücken Sie im Frühjahr getrost ein paar Schlüsselblumen und gucken Sie von oben in den Schlund. Entweder entdecken Sie die Staubblätter oder Sie sehen nur die Narbe; nie beides gleichzeitig.

Was ist Heterostylie? Bei den Primeln schön zu sehen ... entweder

1 langer Griffel oder

Primula elatior Heterostylie Griffel lang (Bild: a.sansone)

2 lange Staubgefäße

Primula elatior Heterostylie Staubgefäße zu sehen (Bild: a.sansone)

Die Schlüsselblume in Volksglauben und Mystik

"Toll trieben es die alten Römer", bei der Schlüsselblume spielt allerdings nicht Rom die Hauptrolle, sondern eher Walhalla und die nordischen Götter.

  • In der nordischen Mythologie wurde sie von Elfen und Nixen geliebt und beschützt. Eine Sagengestalt ist die Schlüsseljungfrau, die auf ihrer Krone einen großen goldenen Schlüssel trägt und der Pflanze die Gabe verleiht, verborgene Schätze aufzuspüren.
  • Die Druiden sammelten sie mit Einhaltung von strengen Ritualen. Das Sammeln musste mit bloßen Füßen und nüchtern durchgeführt werden. Hatte man sie gepflückt, musste man sie sofort im Gewand verbergen, damit ihre Kraft als Heilmittel erhalten blieb.
  • Im Volksglauben galt die Echte Schlüsselblume als Schutz- und Fruchtbarkeitsmittel.
  • Nixen, Elfen, Undinen und Najaden beschützten die schönen Pflanzen, die in den »Elfenmärchen« der Gebrüder Grimm mehrfach vorkommen.

Aber auch im christlichen Glauben spielt sie eine Rolle. Die Primel gilt als Marienblume und als Hinweis auf Christus, mit dessen Erscheinen das neue Leben anbricht. Deshalb finden sich viele Abbildungen von Schlüsselblumen in der gotischen Tafelmalerei. Im »Paradiesgärtlein« eines oberrheinischen Meisters um 1410 (Städelsches Kunstinstitut Frankfurt/M.) wächst sie im Gras am blauen Rocksaum von Maria.

Auch Albrecht Dürer stellte den »Himmelsschlüssel« auf einer kleinen Tafel dar, die er 1526 malte.

Volkstümliche Bezeichnungen für die Schlüsselblumen

wobei der Volksmund keinen Unterschied zwischen Echter oder Hoher Schlüsselblume macht und auch die Aurikel mit einschließt; nach dem Motto: Schlüssel ist Schlüssel und basta!

  • Goidbleamö
  • Lungenbleaml
  • Schlissbleamö
  • Hergottbischl
  • Osterbleaml
  • Osterglöggai
  • Fastenbleaml
  • Fastenfaigl
  • Himmlschlissl
  • Peterschlissl
  • Burgaschlissl
  • Schlissbliaml
  • Himmöschlissl
  • Alelujableaml
  • Platenigl

Die Wiesenschlüsselblume als Heilpflanze und essbare Wildpflanze

Als Heilpflanze wurde die Schlüsselblume schon seit Jahrhunderten verwendet. Aufzeichnungen der Heilwirkung finden sich sowohl im Kräuterbuch des Tabernaemontanus als auch bei Hildegard von Bingen. Wirksame Teile der Pflanze sind vor allem das Rhizom, aber auch die Blüten und Blätter sind für für Tees geeignet.

  • abführend, fiebersenkend, Auswurf fördernd, harntreibend, sedativ .... sind nur einige der Eigenschaften. Von Bronchitis bis Wundauflagen reicht die Anwendungsbreite.

Kann man Schlüsselblumen auch essen?

In Zeiten, wo der Trend nach essbaren Wildpflanzen groß ist, eine oft gestellte Frage. Wie bei allen Pflanzen mit Heilwirkung sollte man es nicht übertreiben. Ein zu viel an Wirkstoffen ist nie bekömmlich.

  • junge Blätter kann man in kleinen Mengen roh Frühlingssalaten zufügen
  • Blätter können auch kurz gedünstet werden
  • Blüten als essbare Dekoration sind geeignet für Salate und auch Kuchen

Achtung: Manche Menschen können auf Primelarten allergisch reagieren! Hautkontakt

Lesetipp:

Alle Primelarten sind mutationsfreudig ... aus meinem Garten

natürlich entstandener Hybrid in lila (Bild: https://pagewizz.com/die-wi...)

Angerührt wie eine Primel ... in Sprichwörtern ist sie ebenfalls verewigt

Die Haltung von Primeln ist bisweilen mit Schwierigkeiten verbunden, siehe Lesetipp. So lassen sich einige Redewendungen erklären, wie

  • Eingehen wie eine Primel (oder auch wie ein Primeltopf).... sterben, kaputt gehen, pleite gehen
  • beleidigte Primel ... den (Blüten)Kopf sofort hängen lassen

 

Lesetipp: Primeln im Topf richtig halten

Unsere Topfprimeln - woher stammen die?

Hier kommt die dritte in unseren Breiten weit verbreitete Primelart ins Spiel; die stängellose oder gewöhnliche Primel Primula vulgaris/P.acaulis. Sie diente für viele Zuchtsorten als Ausgangspflanze.

P. Aber auch die hohe Schlüsselblume Primula elatior wurde für Gartenzüchtungen als Ausgangsmaterial hergenommen.Bei den Engländern wird bereits 1683 von einer Hybridform von Primula elatior unter der Bezeichnung "Polyanthus" geschrieben. Diese Züchtungen kamen dann als Englische Primeln nach ganz Europa. Zuchtsorten der stängellosen Primel kamen aus der Türkei in vielen Farbvariationen zu uns. Viele der sogenannten Kissenprimeln stammen von da ab. Wir sind dankbar dafür, denn sie verkürzen uns die Wartezeit auf den endgültigen Einzug des Frühlings.

Achtung: Die Schlüsselblume steht in Deutschland, Österreich und in der Schweiz unter Naturschutz!

Quellen

  • http://www.loki-schmidt-stiftung.de/
  • Flora Helvetica, Lauber,Wagner, Haupt Verlag, Bern 2014
  • Kräuter, McVicar, Bassermann Verlag, München 2013
  • Heil-, Gewürz-, Nutz- und Giftpflanzen im Botanischen Garten der Universität Innsbruck, Bortenschlager/Vergörer, Innsbruck 2004
Adele_Sansone, am 02.11.2015
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Warum haben Rosen keine Dornen?)
https://pagewizz.com/welche-pflanzen-sind-giftig-fur-katz... (Welche Pflanzen sind giftig für Katzen?)

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