Primeln, mehr als nur die Schlüsselblume

Primula herba veris (=lat. das erste blühende Kraut im Frühling) wurde vor Linné im Mittelalter als Bezeichnung für viele der frühen Blüher verwendet, so auch für Gänseblümchen.

Im Altfranzösischen hießen sie fleur (herbe) de primevoire. Italienisch "Primavera"=Frühling, frz."primevère"= Frühling), gebildet aus lat. primo=erster, ver=Frühling. Aus antiken Quellen kann kein Rückschluss gezogen werden, da Primeln in Griechenland kaum und in Italien erst im Norden anzutreffen sind. Nach Linné gilt die Bezeichnung Primula nur mehr für die Primelgewächse, eben die zartgelb blühende Schlüsselblume Primula veris und ihre Artgenossen.

Der deutsche Name "Schlüsselblume" bezieht sich auf die germanische Erdgöttin, die damit die Pforten des Himmels öffnet.

Wilde Primelgewächse (Primulaceae) bereichern auch heute noch die Wiesen, Bergwiesen und Almen. 30 Arten sind bei uns noch heimisch.

Botanische Merkmale: 5 Blütenkronblätter, die Röhrenblüten bilden, und 5 Kelchblätter auf einem schmalen Stängel, Blattrosetten und ein verdickter Wurzelstock sind allen gemeinsam. Die Blüten wachsen häufig in Wirteln übereinander oder in Dolden.

Lesetipp: Primelgewächse

 

Primeln in natürlicher Schönheit

Primula eliator (Bild: adele sansone)

Primeln in freier Natur - von Tallagen bis in die hohen Berge

Zur Gattung der Primelgewächse gehören an die 400 verschiedene Arten. Von gemäßigten Regionen bis ins Hochgebirge Chinas oder in den Tropen liegt ihr Verbreitungsgebiet. Hier werden nur einige davon vorgestellt.

  • Primula veris, die Frühlings-Schlüsselblume oder auch Himmelsschlüssel genannt. Bleichgrüner Kelch und eine dottergelbe Krone mit fünf rötlichen Flecken, duftend.
  • Primula elatior, die Wald-Primel. Sie ist höher und die hellgelbe Krone hat keine rötlichen Flecken; sie ist duftlos.

Und die besonders aparte

  • Primula auricula, die Aurikel (auricula=kleines Ohr), die gelb blühende Alpinform.

Als erste Alpenblumen bereichern dann auch noch die zart bis kräftig rosa blühenden

  • Primula farinosa, die Mehlprimel,
  • Primula hirsuta, die behaarte Primel und die
  • Primula minima, die Zwergprimel, die sonnigen Hänge.

Primeln in der Heilkunde

Sowohl Primula veris/Primula officinalis (Bild), die Schlüsselblume (Himmelsschlüsselchen) als auch die Waldschlüsselblume (Primula elatior), sind Heilpflanzen. Verwendet wird der Wurzelstock (Rhizom) getrocknet für Tees gegen Husten und Bronchitis. Getrocknete Blätter und Blüten gelten auch als harntreibend und abführend.

Äußerlich kann man eine Tinktur auch für Feigwarzen verwenden.

Besonderheit: Aus einem Auszug von in wenig Zuckerwasser eingekochten Blüten kann man Schlüsselblumen-Bonbons (Husten) zubereiten. So manches Kräuterbonbonrezept greift darauf zurück.

Primeln im Topf (Bild: a.sansone)

Primeln im Topf

Wie man am besten die bunten Primeln, die man schon Anfang Februar im Handel findet, pflegt, um lange Freude an ihnen zu haben, finden Sie hier.

Primeln für den Garten

Viele Zuchtformen der wilden Primelarten haben Einzug in unsere Gärten gefunden. Kugelprimeln, japanische Primeln, Primeln aus der Polyanthus-Gruppe, der Gartenfreund findet sicher seine passende Pflanze. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts waren Hybriden in den wildesten Farbtönen (blassgrün, grau bis fast schwarz) in Mode. Hier nur zwei typische Beispiele:

  • Primula denticulata, Kugelprimel, dekorativ durch seine Kugelform.
  • Primula japonica, JapanischePrimel, sticht durch ihre violette oder rote Blütenfarbe ins Auge.

Gartentipp: Wer sich im zeitigen Frühjahr Primeln in Töpfchen kauft, bedauert meistens, dass sie so schnell verblüht sind. Man kann sie aber getrost verblüht in den Garten auspflanzen und sich selbst überlassen. Sie gedeihen im Folgejahr auch wild bestens.

Besonders nett ist es dann, wenn in den weiteren Jahren, wie in meinem Garten, Kreuzungen "von Natur gegeben" entstehen. In diesem Fall ein artuntypisches sehr großblütiges Himmelschlüsselchen, das aus den anderen raussticht.

Blütezeit: Je nach Lage von Februar bis April.

 

 

Oder eine rosa-blühende Variante, die sich ebenfalls selber "erfunden" hat. Das Foto stammt aus dem Herbst 2013, wo es sich nach dem Kälteeinbruch Anfang Oktober dachte, dass schon wieder Frühling sei.

Frau Gärtnerin freuen solche "Spassettln" der Natur.

 

Blausternchen alias Scilla

Die Scilla bifolia, der zweiblättrige Blaustern, wie das Blausternchen/Sternhyazinthe mit botanischem Namen korrekt heißt, überzieht noch mancherorts Laubwälder und Auenwälder in Mittel- und Südeuropa. Mit seinen sternförmigen leuchtend blauen Blüten, den 2 langen und spitzen Laubblättern und dem traubigen Blütenstand auf den roten Stängeln, ist diese Zwiebelpflanze nicht zu verwechseln (die Blüten stehen aufrecht). Allerdings endet seine natürliche Verbreitung am Rhein im Siebengebirge als nördlicher Grenze. Im bayrischen Raum, besonders an der Donau entlang, ist es auch als "Josefsblümerl" bekannt. Abb. Scilla bifolia

In Gärten und Parks wird jedoch vorwiegend Scilla siberica (sibirischer Abstammung) ausgepflanzt. Dieses kann man wunderbar auswildern, wo es dann bei den ersten Frühlingssonnenstrahlen wahre Blütenteppiche hinlegt, allerdings sind seine Blüten nickend.

Blütezeit: März, April

Sein gelb blühendes Gegenstück sind die Gelbsterne, etwa Wald-Gelbstern Gagea lutea, ein Liliengewächs.

Mehr über die Blausternchen

Scilla und Gagea - blauer Bruder, gelbe Schwester

Gagea lutea, Gelbstern (Bild: a.sansone)

Winterling, der gelbe Sonnenstrahl

Der Winterling, Eranthis hyemalis, hiemalis=winterlich, gehört zu den Hahnenfußgewächsen (Ranunculaceae). Seine 5 bis 7-teiligen Grundblätter erscheinen erst nach der Blüte. So kann alle Kraft in die kräftig gelben Blüten, die auf einem Hochblattquirl stehen, gelegt werden. Seine ursprüngliche Heimat war Süd- und Südosteuropa, allerdings ist er bei uns bereits teilweise ausgewildert.

Der Winterling passt hervorragend zu früh blühenden Zwiebelpflanzen und schätzt einen Standort im Halbschatten. Sehr exotisch muten auch seine kugeligen Fruchtstände (Balgfrüchte) an.
Vorsicht bei Kleinkindern im Garten: Der Winterling ist giftig.

Blütezeit: Je nach Region bereits ab Februar bis März.

Winterling - Eranthis

Winterling (Bild: a.sansone)

Quellen

Neben der eigenen gärtnerischen Erfahrung informative Bücher, wie

    • Botanica, Könemann; Verlagsgesellschaft mbH, 2000 Köln
    • Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen, Verlag das Beste, 1980 Stuttgart
    • Essbare Wildpflanzen, Fleischhauer/Guthmann/Spiegelberger; Weltbild Verlag, 2014 Augsburg
Adele_Sansone, am 31.12.2013
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Wie halte ich blühende Primeln im Topf richtig?)
a.sansone (Spezielle Ideen für einen Frühlingsgarten)
a.sansone (Wolfsmilch, Euphorbia - tolle Pflanzen für den Garten)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Dionysia - Seltene Schönheiten aus der Familie der Primeln)

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