Wer auf Kräuterkunde schwört kennt Eibischtee oder Eibischbonbons. Wer Vegetarier oder Veganer ist, der trinkt auch garantiert Hibiskustee und wer die Einfachheit und Schönheit von Bauerngärten zu schätzen weiß, der kennt die Stockrose. Allen gemeinsam ist, sie stammen aus der Familie der Malvengewächse, Malvaceae. Kräuter, Stauden, Sträucher aber auch einjährige Pflanzen sind darunter.

Was haben alle Malvengewächse gemeinsam?

  • 5zählige radiäre becherförmige Blüten
  • 5 Kelchblätter samt einem Außenkelch (3 Hochblätter)
  • Besonders auffällig, die unten zu einer Röhre verwachsenen Staubblätter, genannt "Säulchen" oder "Säule" (Columella), die den Griffel umgibt und aus der oben die Narben herausragen.
  • Die Blätter sind handförmig und handnervig; oft eingebuchtet
  • Die Frucht ist eine vielsamige Kapsel. Sie sieht im Kelch liegend aus wie ein kleiner Käselaib, die sogenannte "Käsepappel". Mit Pappel ist nicht der Baum gemeint, sondern der "Papp"=Brei.

Namensforschung: Wie kommt der Stock zu einer Rose?

Es ist oft sehr vergnüglich der Herkunft der Namen auf den Grund zu gehen. Wie kommen diese Namenskombinationen nur zustande?

Alles an Blumen, das dem Vorbild der edlen Rose in seiner Blütenform oder seinem Duft nahe kommt, wird eben gerne vom Blumenfreund mit dem Beinamen "Rose" versehen. So etwa sind auch die Pfingstrose, die Alpenrose, die Christrose oder auch die Seerose zu ihren Namen gekommen. Wichtigste Bedingung - möglichst leuchtend, ein strahlen-ähnlicher Blütenkranz, wenn geht rot oder rosa blühend. Viele dieser "Rosen" wurden zu beliebten Gartenblumen. So ist es nicht verwunderlich, dass diese prächtigen, wie am Stock aufgereihten Blüten, den Namen "Stockrose" verpasst bekamen.

 

Schönheiten am Stock - die Stockrosen, Alcea rosea

Stockrose in Purpur (Bild: a.sansone)

Die Stockrose - eine "Rose" ohne Dornen?

Halt. Einmal haben Rosen keine Dornen, sondern Stacheln; Näheres dazu finden Sie im Artikel "Warum haben Rosen keine Dornen?"

Auch sind wie schon anfangs erwähnt, Stockrosen keine Rosen, auch wenn die Blütenform (siehe Namensgebung) gewisse Ähnlichkeiten besitzt, sondern Malvengewächse.

Wenden wir uns nun gezielt der Stockrose zu.

Alcea rosea lautet der schöne botanische Name für die Stockrose. Das bedeutet gr. alkea=heilen, alke=Abwehr, alkaios=heilkräftig und lat. rosea=rosenähnlich. Weitere Namen sind

  • Rosenpappel, Pappelrose, Samtpappel, Roter Eibisch, Baummalve, Halsrose oder Schwarze Malve.

Die Herkunft dieser Malve ist der östliche Mittelmeerraum und Kleinasien, wo es noch viele wilde Arten gibt. Die erste bildliche Darstellung von ihr finden wir auf dem 1410 entstandenen Gemälde "Paradiesgärtlein". Auch in der Renaissance war sie sehr beliebt. Auch das bestätigen uns Gemälde aus dieser Zeit. Besonders beliebt, wie auch heute wieder, die scharzroten "Purpur"-Sorten (Alcea rosea "Nigra").

Kreuzungen etwa mit Alcea ficifolia aus Sibirien erweiterten das Farbspektrum; gelbe Farbtöne wurden zu den üblichen rot, rosa und weißen Farben hinzugemischt. Es gibt sie einfach, halbgefüllt und gefüllt. Blütezeit reicht von Juni bis September.

Die Stockrose im unserem Garten

Es gibt sie meist als zweijährige Form, man kann sie aber auch ausdauernd halten. Im ersten Jahr erscheint nur die Blattrosette, erst im zweiten Jahr beginnt sie an einer bis zu 2m hohen Ähre, quasi dem "Stock", zu blühen. Bis zu handtellergroße Blüten erscheinen. Stockrosen sind zwar winterhart, aufgrund ihrer Größe brauchen sie aber Stütze und Schutz vor Herbst- oder Winterstürmen. Sonne, eine gut durchlässige Erde und im Sommer reichlich Wasser; dann ist sie zufrieden.

Auch wenn ihre Blühfähigkeit mit den Jahren abnimmt, sie bleibt ein liebgewordener Gast im Garten.

 

Wohin mit den Stockrosen im Garten?

Stockrose / hollyhock (Bild: pittigliani2005 / Flickr)

Wo setzt man Stockrosen hin?

Vorbilder gibt es genug. Nehmen wir die

  • Bauerngärten. Die Bäuerin pflanzte sie in Reihe, dem Zaun entlang, wo die langen Ähren gleichzeitig Stütze fanden, aber auch reichlich Sonne hinkam. Oder die Hausbank fand an der Südseite des Hauses Platz, flankiert von zwei Stockrosen.

Diesem Beispiel folgen auch die

  • Friesen, etwa auf Föhr. Kaum eines der wunderhübsch geputzten Friesenhäuser kommt ohne Stockrosen direkt an die Hausmauer gepflanzt aus. Auch hier bietet die Hausmauer nicht nur einen hübschen Hintergrund, sondern zugleich Halt und Schutz vor den nicht ganz so harmlosen Herbst- oder Winterstürmen.

Aber auch in den Hintergrund einer

  • Blumenrabatte, natürlich mit Stützpfählen, können Sie Stockrosen setzen. Wählen sie eine kräftige Farbe, dann können im Vordergrund zarte blasse Farben, wie Frauenmantel, den Kontrast dazu bilden.

Persönlicher Tipp: Ich habe einer Stockrose einen Platz an Seite meiner Waldrebe/Clematis verschafft; da kann sie sowohl vom Stützgerüst profitieren, als sich auch mit der weißblühenden Waldrebe um die Blütenwette austoben.

Alles Stockrosen-Arten

Ich nenne hier nur einige wenige Arten der Gattung Alcea, die es auch für den Garten zu kaufen gibt:

  • Alcea biennis, Blass-Pappelrose, mit ganz zarten Rosatönen
  • Alcea rugosa, Gelbe Stockrose, auch Russische Stockrose genannt, in Gelbtönen.
  • Alcea ficifolia, Feigenblättrige Stockrose, Schalenblüten von Gelb bis Kupfer
  • Alcea rosea, Stockrose, Kreuzungen in vielen Sorten, wie etwa die dunkle "Nigra", die weiße Schönheit "Polarstern" oder Hybriden der "Spotlight-Serie".

Wie haben Sie lange Freude an den Stockrosen?

  • Setzen Sie die einzelnen Pflanzen mit Abstand von etwa 50 cm. Sonst bekommen sie leicht den Malvenrost. Jungpflanzen im Herbst mit Reisig zudecken.
  • Wenn Sie die verblühten Blütenköpfe gleich abschneiden, blüht sie länger.
  • Schneiden Sie den "Stock" im Herbst nach der letzten Blüte knapp über den Boden zurück und sie blüht wieder im Folgejahr.
  • Sammeln Sie die Samen und säen Sie die Pflanzen - mit etwas ungewissen Blütenfarben als Ergebnis - neu aus.

Tipp für faule Gärtner: Lassen Sie die Stockrosen sich selbst aussäen. Im Frühjahr die Jungpflanzen ausdünnen oder versetzen.

Von Bechermalve, Hibiskus bis zur Wilden Malve - alles Malvaceae

Lavatera trimestris, Bechermalve, einjährig (Bild: a.sansone)

Malven für unseren Garten - mehr als nur Alcea rosea

Alcea rosea und viele Sorten davon sind die beliebtesten in unseren Gärten. Allerdings gibt es noch andere Malvengewächse. Man muss Sie nur kennen.

  • Althea officinalis, Eibisch, fast weiß anmutende Blüten, samtfilzig behaart.
  • Lavatera, Buschmalve, strauchartige Malven mit wunderschönen Blüten aus dem Mittelmeerraum. Sie sind nur bedingt winterhart. Ein geschützter Platz und Kokosmatten als Winterschutz machen es auch bei uns möglich.
  • Lavatera trimestris, Gartenmalve, einjährig, ist in jeder Sommerblumenmischung vertreten.
  • Malva sylvestris, Wilde Malve, gedeiht auf sonnigen Plätzen und sticht mit ihren rosa-violetten Blüten in jedem Garten hervor.
  • Malva moschata, Moschus-Malve, weiß bis rosa, stark behaart und intensiv duftend.
  • Malva alcea, Sigmarswurz, Rosenpappel, nach der Stockrose die zweitliebste Malve in den Gärten.
  • Hibiscus syriacus, Garten-Hibiskus.

Malven gibt es nur in rosa oder violetten Farbtönen

Alcea rugosa (Bild: peganum / Flickr)

Das stimmt nicht. Es gibt auch gelb blühende Arten.

  • Alcea rugosa, die vom Schwarzmeer stammende Art, hat länger behaarte Stängel und Blätter, die Blütenfarbe reicht von zartgelb bis goldgelb.
  • Alceae ficifolia, auch sie ist in vielen Gelbtönen zu finden.
  • Abutilon theophrasti, Schönmalve - mit herzförmigen Blättern und fast orangefarbenen kleinen Blüten, stammt aus Asien.

Malvengewächse in der Heilkunde

Zu guter Letzt noch ein Blick auf die Malvengewächse in der Heilkunde. Sie werden in der Phytotherapie bereits seit Alters her wegen ihrer Schleimstoffe geschätzt. Die reiz lindernden und einhüllenden Eigenschaften (Wurzel, Blätter, Blüten) werden besonders für Hustenmedizin, aber auch für Magenschwäche genutzt. Die färbenden Eigenschaften und den frischen zitronigen Geschmack ihrer Blütenblätter wiederum nutzt man für viele Teemischungen. Aber auch für Umschläge bei schlecht heilenden Wunden ist sie immer noch hoch geschätzt. Folgende Arten werden dafür verwendet:

  • Eibisch, Althea officinalis
  • Wilde Malve, Malva sylvestris 
  • Malve, Käsepappel Malva neglecta
  • Stockrose, Alcea rosea
  • Hibiskus, Hibiscus

Quellen

Neben der eigenen gärtnerischen Erfahrung bezüglich Pflanzung und Pflege

  • Botanica, Könemann; Verlagsgesellschaft mbH, 2000 Köln
  • Kosmos Atlas Mittelmeer- und Kanarenflora, Schönfelder; Franckh-Kosmos Verlag, 2011 Stuttgart
  • Teufelsgeige und Witwenblume, Pichler/Geiser/Zuber; Christoph Merian Verlag, 2010 Bern
  • Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen, Verlag das Beste, 1980 Stuttgart
  • Heil-, Gewürz-, Nutz- und Giftpflanzen im Botanischen Garten der Universität Innsbruck, Bortenschlager/Vergörer, 2004 Innsbruck
  • Die deutschen Pflanzen- und Tiernamen, Helmut Carl; Quelle & Meyer, Wiesbaden 1995
Adele_Sansone, am 29.05.2016
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Bildquelle:
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