Heilpflanze des Jahres

Der NHV Theophrastus setzt sich für die Verbreitung naturheilkundlichen Gedankengutes bei Jung und Alt ein und möchte durch die Kür der "Heilpflanze des Jahres" auf Schätze der Natur und deren sinnvolle gesundheitliche Nutzung aufmerksam machen.

2018 ist die Wahl auf den Echten Ingwer, Zingiber officinale, gefallen.

Der Ingwer und seine botanische Familie

  • Familie: Ingwergewächse (Zingiberaceae)
  • Gattung: Ingwer (Zingiber)
  • Arten (an die 100) am bekanntesten ist
  • Zingiber officinale, Echter Ingwer
  • Zingiber zerumbet
  • Zingiber mioga, Japanischer Ingwer
  • Der Echte Ingwer, Zingiber officinale,

ist eine mehrjährige Staude, wird bis zu 3m hoch. Die Blüten sind gelblichgrün, Lippe dunkelrot mit gelben Flecken und Streifen. Im Erscheinungsbild ähnlich dem Schilfrohr, würzige grüne Blätter. Aus der Wurzel/Rhizom sprießen jedes Jahr bis 1,50cm lange Blatttriebe und 20 cm hohe Blütenschäfte. Die Pflanzen sind nicht frosthart, brauchen Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit, im Sommer viel Wasser.

  • Zingiber zerumbet

Er ist eine horstbildende aufrechte Art, schmale 30 cm lange Blätter, an langen Stängeln sitzen grüne Hochblätter, die sich rot verfärben. Blüten weiß oder goldgelb, Rhizom nicht genießbar (bitter), aber als Duftspender gut geeignet.

  • Japanischer Ingwer (Zingiber mioga)

wird bei uns unter dem Namen Myoga gehandelt und stammt aus Japan. Ihn kann man auch bei uns anbauen! Die weißen Blüten stehen knapp über dem Boden, man kann sie verzehren (würzig, frisch). Die weißen Rhizome schmecken etwas milder als der Echte Ingwer. Auch die schilfartigen Blätter kann man im Sommer für Tees oder Sirup verwenden.

Wer gehört noch zu dieser Familie?

Kardamom, Galgant, Curcuma und als Zierpflanze, der Fackel-Ingwer, gehören wie der namensgebende Ingwer genauso zu den Ingwergewächsen.

Woher stammt der Ingwer?
Vorkommen in tropischen Gebieten ursprünglich aus Indien und den tropischen Gebieten Asiens. Die Gattung Zingiber umfasst etwa 100 immergrüne Staudenarten.

Die größten Anbaugebiete für Ingwer

liegen in den Tropen und Subtropen. Indien hat das flächenmäßig größte Anbaugebiet weltweit, das meiste bleibt aber im Land. Der größte Exporteur von Ingwer ist China . Weitere bedeutende Anbaugebiete befinden sich in der Südsee (z. B. Fidschi-Inseln), aber auch in Japan, Australien, Frankreich und Südamerika.

Typische Erscheinungsmerkmale:

Der unterirdische Hauptspross des Ingwers, das Ingwer-Rhizom, kriecht horizontal unter der Erde und verzweigt sich geweihartig*(siehe historisch). Kurzährige oder kugelige Blütenstände wachsen an Sprossen aus den Rhizomen. Die Blüten stehen in den Achseln wachsartiger Hochblätter.

 

 

Japanischer Ingwer, Myoga (Bild: 305 Seahill / Flickr)

Dem Ingwer, Zingiber, historisch nachgeforscht

Ingwer (Zingiber officinale) wird als Küchengewürz oder Arzneidroge verwendet; die pharmazeutische Bezeichnung für das Ingwer-Rhizom lautet Zingiberis rhizoma. (Quelle Wikipedia)

Ingwer: Zingiberis rhizoma, ahd. gingiber, mhd. imber, ingewer, engl. ginger, lat. zinziber

Name stammt aus altindischem Sanskrit "singivera, srngavera, shringavera"=*geweihförmig, Wurzel Synga=Horn, veru=Wurzel

Schon bei diesen Heilern stand Ingwer quasi auf dem Rezeptblock:

Lesetipp: Heilpflanzen-Wissen im Mittelalter

 

Was macht den Ingwer zur besonderen Heilpflanze?

Der "Ingwer-Wurzelstock/Rhizom" enthält einen zähflüssigen Balsam (Oleoresin), der aus ätherischen Ölen und den Gingerolen und Shogaolen, besteht.

Ätherische Öle, Harzsäuren, Vitamin C, Calcium, Eisen, Kalium, Natrium und Phosphor sind der tolle Mix im Ingwer.

Die ätherischen Öle des Ingwers beruhigen das zentrale Nervensystem. Viele Untersuchungen belegen die schmerzstillenden und entzündungshemmenden Effekte.

Hinweis für alle, die keinen Ingwer mögen:
Das europäische Pendant zum asiatischen Ingwer ist unser Meerettich/Kren, Armoracia rusticana.

 

 

Wofür ist Ingwer gut?

Im medizinischen Fachjargon gesprochen wird den verschiedenen Zubereitungen aus Ingwer antioxidative, immunstimulierende, entzündungshemmende sowie anregender Effekt auf die Magensaft-, Speichel- und Gallenbildung sowie die Darmfunktion zugesprochen.

In der TCM (Traditionellen Chinesischen Medizin) wird er gerne auch zur Behandlung von Rheuma, Muskelschmerzen oder Erkältungen verordnet.

Auch in der Ayurveda-Anwendung ist Ingwer ein probates Mittel.

Die Kommission E und die European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP) befürworten die Anwendung von Ingwerwurzeln bei Magen-Darm-Beschwerden und gegen Übelkeit, auch die Heileffekte bei Muskelschmerzen, Rheuma und Arthrose sind gut belegt.

 

Ingwer als Hausmittel gegen:

  • Hitze im Sommer: Ingwerwasser, dazu einige Scheiben Ingwer in frisches Trinkwasser, einige Scheiben frische Zitrone dazu; regelmäßig trinken
  • Mundgeruch: Eine dünne Scheibe einige Minuten kauen, nachher ausspucken
  • Kopfschmerzen: Tee mit Ingwer, Kamille und Lindenblüten
  • Trockene Nasenschleimhaut: einige Scheiben Ingwer mit kochendem Wasser übergießen, 10 min ziehen lassen. Mit Wattestäbchen abgekühlten Tee behutsam in die Nasenöffnung tupfen
  • Kalte Füße: Fußbad mit Ingwer (Geschnittene Scheiben etwa 1 Stunde im Wasser köcheln lassen)
  • Erkältung: Ingwertee (siehe nachfolgend)
  • Reiseübelkeit: Eine Scheibe kauen oder kandierten Ingwer lutschen

(Achtung: Die hier vorgestellten Informationen wurden sorgfältig recherchiert, sind aber keine heilpraktische Empfehlung! Sie können eine professionelle Beratung durch ausgebildete Ärzte bzw. Therapeuten nicht ersetzen. Wer die Pflanzentherapie zu Heilzwecken nutzen möchte, sollte sich in jedem Fall vorab umfassend informieren (etwa in der Apotheke) und persönliche Risikofaktoren abwägen.)

 

Achtung: Ingwer ist nichts für Schwangere! 

Ingwer steht im Verdacht Wehen frühzeitig auszulösen. Also bei Schwangerschaftsübelkeit bitte sich an den begleitenden Arzt wenden!

Das breite Spektrum von Ingwer-Tee

Die nachfolgenden Artikel von verschiedenen Pagewizz-Autoren geben Ihnen weitere Informationen zu Ingwer-Tee.

Ingwer-Anbau im Kleinen

Ingwer (Zingiber officinale) (Bild: blumenbiene / Flickr)

Kann man den Echten Ingwer selbst anbauen?

Die Antwort lautet:"Jein!"
Im Prinzip, anbauen und wachsen lassen, kann man ihn schon. Nur ist sein Rhizom, das man meistens verwenden möchte, nicht wirklich das Gelbe vom EI.
Die Meinungen sind sehr geteilt: Von "Nein, ist nichts wert!" über "Hat keine echten Heilkräfte" bis "Ist kaum genießbar" bis zu "Ja, schon!" teilen sich die Meinungen auch unter Garten- oder Kräuterfachleuten.
Wer es trotzdem versuchen möchte:

Ingwer selbst pflanzen: So geht's

Wenn Sie ein festes Stück Ingwer aus dem Supermarkt im Frühjahr "zweckentfremden", sprich pflanzen wollen, versuchen Sie es. Ein Rhizom halbieren. Die zwei Teile mit der Schnittfläche nach unten in Töpfe mit Blumenerde stecken und leicht mit Erde bedecken. Das Substrat sollte immer mäßig feucht gehalten werden. Zum Antreiben noch ein kleines Häubchen aufsetzen. Sobald sich die ersten Sprosse zeigen, die Haube entfernen. Mit kalkfreiem Wasser gießen. Im Sommer kann man den Topf gut halbschattig ins Freie stellen. Die jungen Seitentriebe kann man nach 8 - 10 Monaten ernten. Dann zieht die Pflanze im Herbst wieder ein. Über den Winter hell und kühl stellen. Nur ganz sparsam feucht halten.

 

Eine von vielen Meinungen dazu: "Als Kübelpflanze wenig wert, macht kaum Blüten, das Rhizom lässt sich kaum in der Küche verwenden."

Meine Empfehlung: Versuchen Sie es doch einmal mit dem Japanischen Ingwer (Zingiber mioga) (siehe Absatz Der Ingwer und seine botanische Familie).

Er hält geringen Frost gut aus, ist ansehlicher und Sie können ihn sowohl als Topfpflanze halten als auch im Garten anbauen.

Ist Ingwer gleich Ingwer?

Es gibt zahlreiche Ingwersorten, die in der Küche verwendet werden können. Sie unterscheiden sich durch Aussehen und Aroma.

  • Thai Ingwer oder Galgant. Er schmeckt scharf und leicht pfeffrig.
  • Der Chinesische Ingwer oder Fingerwurz hat einen zitronigen und etwas seifigen Geschmack.
  • Der Westafrika-Ingwer und
  • der Indische Ingwer sind sehr scharf, wobei letzterer ebenso eine zitronige Note aufweist.

Ingwer verwenden in der Küche

Man kann Ingwer verschieden verarbeiten und je nachdem, entfaltet er unterschiedlich sein Aroma. Die 5 Elemente Küche empfiehlt ihn (Element Metall, Wirkung warm bis heiß) vor allem zu Fleisch, weil es bekömmlicher wird. Und besonders in der kalten Jahreszeit, weil er wärmt.

  • Gerieben und gepresst schmeckt der Ingwer leicht scharf und erfrischend.
  • Kocht man ihn mit Wasser, verstärkt sich die Schärfe.
  • Hackt oder schneidet man die Wurzel und brät sie in Öl, verliert sie an Schärfe und entfaltet einen süßlichen Geschmack
  • Verwendet man die frisch geschnittenen Scheiben in Flüssigkeiten, schmeckt er leicht scharf, zitronig und erfrischend.

Wozu passt Ingwer in der Küche?

  • Frischer Ingwer passt gut zu Fleisch, Gemüse und in Suppen.
  • Getrockneter Ingwer gehört unbedingt in Lebkuchen, Printen, Ginger-Bread oder Kekse.
  • Aber auch in Getränke wie Ginger Ale, Süßigkeiten (schauen Sie mal auf englische Seiten!) und natürlich in Tees.

Lesetipp:Asia Food, die wichtigsten Gewürze

Ingwer mal süß

Gingerbread (Bild: cwasteson / Flickr)

Ingwer pikant

_2013_03_05_999_201 (Bild: stefaniesalzerdeckert / Flickr)

Quellen

  • Botanica, Könemann; Verlagsgesellschaft mbH, 2000 Köln
  • Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, Genaust; Nikol Verlag, 2012 Hamburg
  • Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen, Verlag das Beste, 1980 Stuttgart
  • Chinesische Medizin für den Alltag, Christine Li, GU, 2006 München

 

Adele_Sansone, vor 7 Tagen
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Herbstessen - Dos und Don'ts)

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