Ehrenpreis (Bild: Antranias / Pixabay)

Botanisches Glossar zu Braunelle, Ehrenpreis, Gundermann und Günsel

  • Kleine Braunelle, Prunella vulgaris, Lamiaceae/Lippenblütler.
  • Ehrenpreis (Persischer Ehrenpreis und andere Arten), Veronica persica, Plantaginaceae/Wegerichgewächse.
  • Gundermann/Gundelrebe, Glechoma hederacea, Lamiaceae/Lippenblütler.
  • Kriechender Günsel, Ajuga reptans, Lamiaceae/Lippenblütler.

Alle diese Wildkräuter werden hochnäsig als Unkräuter bezeichnet, obwohl einige von ihnen auch unter die Heilkräuter fallen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie mit ihren blauen Blüten vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst unermüdlich blühen.
Warum das gut und wichtig ist, sehen wir gleich.

 

Ab in den Kochtopf!

Mangold oder Spinat mit Wildpflanzen (Bild: a.sansone)

Wildpflanzen kommen einfach in den Kochtopf!

Was unseren Urgroßeltern noch wichtiges und bekanntes Wildgemüse war, ist in unseren Köpfen oft nur mehr als Unkraut verankert. Der faule Gärtner, der aber nicht dumm ist, jätet nicht mühselig, sondern verwendet Wildpflanzen besonders im Frühjahr als Gemüsezutat:

  • als Zugabe für Salate, Aufläufe, Gemüsegerichte oder als Kräuter gehackt für Aufstriche.

So kann er einerseits diese Pflanzen im Zaum halten, damit sie nicht dort wuchern, wo er sie nicht haben will; andererseits vernichtet er sie nicht vollends, sondern lässt sie als Blütenbüffet für die dankbaren Insekten.

  • Günsel schmeckt durch seine Gerbstoffe leicht herb, ähnlich Chicoreé; seine abgezupften Blätter sind in kleinen Mengen von März bis Juli eine gute Würze für Kartoffeln oder Gemüsegerichte. Die Blüten kann man für Salate, aber auch für Tees verwenden.
  • Von der Gundelrebe kann man die jungen Blätter und Schösslinge bis zur Blüte Spinat oder Mangold zufügen;
  • Man kann sie zu Salaten beigeben oder für Eierspeisen als Würze verwenden. Auch sie passt toll zu allen Kartoffelgerichten.
  • Braunelle ist ebenfalls durch Bitter- und Gerbstoffe als herbes, aromatisches Gewürz in kleinen Mengen geeignet. Die hübschen Blüten sehen nicht nur nett aus, sondern sie schmecken auch gut in Sommergetränken, wie einer Bowle..
  • Ehrenpreise, besonders die kleinen Formen wie Persischer Ehrenpreis, Früher Ehrenpreis, Gamander-Ehrenpreis ist ebenfalls als Beigabe in kleinen Mengen für Salate, gedünstetes Gemüse oder gehackt für Frischkäsemischungen lecker. Verwenden kann man Blättchen und Blüten.

 

Kräutersalze

Fast hätte ich auf diesen Tipp vergessen: Wildkräuter generell sind wunderbar für die Herstellung von Kräutersalzen geeignet.

Die Herstellung von Kräutersalz ist ganz einfach. Man kann frische oder getrocknete Kräuter verwenden. Je nach Verwendung, also lediglich würzen, oder Fleisch einlegen (pökeln) variiert das Mischverhältnis von 2 Teile Kräuter auf 1 Teil Salz oder umgekehrt bis 9 Teile Salz auf 1 Teil Kräuter.
Am besten, Ausprobieren. 

Persönlicher Tipp: Grobes Meersalz und getrocknete Kräuter (2:1) in eine Kräuter/Salzmühle einfüllen und immer frisch über die Speisen mahlen.

Wer Bienen, Hummeln, Schmetterlinge retten will, lässt diese Pflanzen blühen!

Alle vier kurz vorgestellten Pflanzen sind durch ihre lange Blütezeit ganz wichtige Nahrungsquelle für die bestäubenden und oft hungernden Insekten. Nehmen wir die Gundelrebe: Hummeln, Wildbienen und Hummelschweber sind auf sie ganz verrückt. Für 20 Schmetterlingsarten ist sie Futterpflanze; also bitte, wenn sie die hungrigen Raupen entdecken, nicht vernichten.

Auf den Ehrenpreis fliegt (ab Februar auf Veronica praecox) alles was Flügel hat; später auf den Persischen Ehrenpreis, den Gamander-Ehrenpreis und andere kleine Arten. Durch seine unentwegte Blüte ist er eine ganz wichtige Bienenpflanze. Ich habe sogar schon eine dicke Hummel auf den winzigen Blüten landen gesehen. Bienen, Bläulinge, Schwebfliegen bedienen sich an Nektar und Pollen. Futterpflanze sind größere Veronica-Arten für verschiedene Falter. Die Saudistel-Eule verspeist dazu sogar die Blüten.

Braunelle (Juni bis September) und Günsel (April bis Juli) teilen sich in der Blütezeit den Gabentisch für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge.

Deshalb sollte jeder vernünftige Gärtner für diese Pflanzen einen Platz in seinem Garten haben.

Small white on self-heal/Braunelle (Bild: stanzebla / Flickr)

Tipps: Wie hält man diese Wildkräuter in Zaum?

Gundermann/Gundelrebe ist ein netter Bodendecker, Volksname "Kriech durch den Zaun", Blüte April bis Ende Juni, und ich dulde sie in vielen Beetbereichen. Nur in nassen Sommern wird sie etwas eingedämmt. Dazu werden einfach die Kriechsprossen eingekürzt, weil sich die Schnecken liebend gerne unter den Blättern verstecken. In heißen Sommern wiederum schützen sie durch ihre Blätter den Boden vor dem Austrocknen.

Wer Günsel und Braunelle im Rasen hat; "No problem". Beide vertragen auch häufiges Mähen und wachsen rasch wieder nach. Wer allerdings nett ist, lässt einige kleine blühende Inseln für die Insekten immer wieder mal in seinem Rasen stehen.

Der Ehrenpreis in seinen wilden Spielarten tut mir nicht einmal im Salatbeet weh. Wird es mir mal doch zu bunt, so wird er eben einfach entfernt. Besonders auf Gehwegen sieht er sogar immer allerliebst aus.

 

Sie sind auch als Heilpflanzen bekannt.

  • Kriechender Günsel, entzündungshemmend, Wundmittel, Umschläge,Tees.
  • Kleine Braunelle: ähnlich wie der Kriechende Günsel verwendet. Magen- und Darmerkrankungen, in der TCM-Medizin besonders geschätzt.
  • Echter Ehrenpreis, seinen Namen verdankt er der Wertschätzung, die man für ihn als Heilpflanze hatte. Heute wird er in Tees, als Mittel gegen Husten, Verdauungsbeschwerden, aber auch als Wundmittel verwendet.
  • Gundermann: Bronchialerkrankungen, Wunden, harntreibend.

Wir haben auch noch exquisite Verwandte!

Nehmen wir den Ehrenpreis, so findet man in vielen Gärten die hohe Forn, den Großen Ehrenpreis, Veronica teucrium. Auch er ist ein Insektenmagnet.

2018 zur Pflanze des Jahres erhoben ist wiederum eine ebenfalls sehr schöne Wuchsform, der Langblättrige Ehrenpreis, Veronica longifolia.

 

 

 

 

Die alpine Schwester vom Kriechenden Günsel,

der Pyramidengünsel, Ajuga pyramidalis, ist jedem Berggeher bekannt, soferne er beim Wandern nicht nur auf die fernen Gipfel schaut.

 

 

Ebenfalls dem Bergwanderer bekannt ist die Große Braunelle, Prunella grandiflora.

 

 

 

 

Von der Gundelrebe wiederum gibt es hübsche gefleckte (panachierte) Zuchtsorten, die gerne ebenfalls als Bodendecker im Garten eingepflanzt werden.

Erfahrene Gärtner arbeiten mit der Natur. Siedeln sich Wildpflanzen gerne an, zeigen sie, dass sie sich wohlfühlen. Die meisten verbessern uns bereitwillig den Boden und fördern dadurch unsere anderen Pflanzen, ob Blumen, Gemüse oder Kräuter.
Wie schön, wenn sich in den Gärten dann auch noch viele Insekten, Bienen, Hummeln, Käfer und Schmetterlinge tummeln. Dann kann das Gärtnerherz auch genießen.

Quellen

Neben der eigenen gärtnerischen Erfahrung und anderer Fachliteratur diese Sachbücher

  • Insekten & Schmetterlinge, GU Naturführer, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, 2012 München
  • Wird das was – oder kann das weg?, Bärbel Oftring; Franckh-Kosmos, 2017 Stuttgart
  • Naturnah gärtnern, Norbert Griebl; Haupt; Bern 2015
Adele_Sansone, vor 21 Tagen
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Bildquelle:
a.sansone (Der gebänderte Pinselkäfer stellt sich vor)

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