(Bild: a.sansone)

Botanik - Euphorbiaceae

Die Wolfsmilch-Familie ist groß und variantenreich. Von klein bis groß ist alles vorhanden, auch kakteenähnliche Pflanzen befinden sich in dieser Familie. In Mitteleuropa sind knapp 25 Arten vertreten, aber weltweit gibt es an die 6.500 Arten. Besonders in den Tropen und Subtropen gibt es eine große Artenvielfalt. Darunter wahre Bäume und Sträucher.

Botanisches Glossar: Was ist typisch für Wolfsmilchgewächse?

  • Wolfsmilchgewächse/Euphorbiaceae
  • Blätter wechselständig und ganzrandig
  • vielgestaltig sind die Blüten und Blütenstände
  • eingeschlechtliche, nackte Blüten;
  • zu einzelblüten-ähnlichen Cyathien zusammengefasst (Zeichnung Wikicommons)
  • Hochblätter dienen oft als Schauorgan - mal unauffällig grün, mal rot leuchtend
  • gelbgrüne Nektardrüsen
  • der Fruchtknoten hängt an der empfängnisbereiten Blüte an einem langen Stiel aus der «Blüte»
  • Stängel mit Milchsaft, oft giftig (hautreizend)
  • Spaltfrucht

Euphorbiaceae gilt als viertgrößte Pflanzenfamilie

Mal nur in Zahlen geschwelgt: Es gibt an die 6.500 Arten, aufgeteilt in 229 Gattungen (Falls es nicht mittlerweile dank neuester genetischer Forschungen schon wieder mehr oder auch weniger sind.) Ein Großteil der Pflanzen ist in den Tropen heimisch, die größte Vielfalt in Indonesien und Amerika. 

Kakteenartige Wolfsmilchgewächse finden sich vorwiegend in Afrika.

Eine große Vielfalt aber bietet sich auch dem aufmerksamen Mittelmeer-Urlauber.

*Was so in etwa in diesen Gebieten wächst und blüht, ist in den angeführten Links nach zu lesen.

Von Baum- bis Dornbusch-Wolfsmilch

Euphorbia dendroides, typisch für viele Inseln (Bild: a.sansone)

Forscher von Kew Gardens (London) schätzen, dass die ersten Pflanzen vor etwa 91-88 Mio Jahren auftauchten. Die ältesten fossilen Funde von Euphorbien datiert man auf etwa 45 Mio Jahre. Also ganz schön alt, kann man sagen.

Wolfsmilchschwärmer Raupe auf ...

Wolfsmilchschwärmer Raupe auf Zypressen-Wolfsmilch (Bild: Patrizia Kramer / Flickr)

Dem Namen auf den Fersen

Der deutsche Name "Wolfsmilch" wurde der Pflanze wegen seines giftigen Milchsaftes "gefährlich, wie ein Wolf" im Volksmund verliehen. Der weiße Milchsaft, der in den verzweigten ungegliederten Milchröhren gebildet wird, enthält Giftstoffe (Diterpene), aber auch Harze, Kautschuk, Fett und Eiweiß. Allerdings sind diese nur für Wirbeltiere (also auch den Menschen) gefährlich, die Raupe vom Wolfsmilchschwärmer ernährt sich bestens davon.

Auch Rostpilzarten besiedeln etwa die Zypressen-Wolfsmilch, lassen diese auch intensiver duften als ihre gesunden Nachbarpflanzen und schwupps, wird der Pilz auch schon eifrig weiter verbreitet. Die Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias) ist übrigens die "giftigste" Wolfsmilch bei den heimischen Arten.

Der botanische Name "Euphorbia" geht bis ins Altertum zurück.

König Juba II von Mauretanien widmete dem "herba euphorbia" und dessen gummiartigen Milchsaft, der als Arzneimittel diente, aber auch dem Harz selbst, eine Schrift. Die Pflanze benannte er nach seinem Leibarzt Euphorbos.

Euphorbia cyparissias - wie kleine Tannenwedel

Wir steigen hoch hinauf - kollin, alpin (Bild: a.sansone)

Wolfsmilch in der Heilkunde und in der Hexenküche

Gemeinsam ist allen Euphorbia-Arten der ätzend wirkende Milchsaft. Manche können bei Kontakt mit den Augen sogar zu vorübergehender Erblindung führen. Schon im 1. Jhdt. nach Christus verwendete der griechische Arzt und Namensgeber Euphorbos den Milchsaft zur Heilung diverser Krankheiten.

Von Kautschuk, Warzenkraut, Abführmittel bis zum letalen Genuss

  • Die Warzen-Wolfsmilch (Euphorbia verrucosa) diente noch in meinen Kindertagen als Allheilmittel gegen die für Kinder typischen Warzen. Ein wenig frischer Milchsaft aufgeträufelt und die Warzen sagten "Ade" oder auch nicht.
  • Der Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima Willd.) auch Poinsettie genannt ist als Gesamtes hochgiftig. Vor allem Haustiere, Katzen oder Hunde, fallen jedes Weihnachtsfest diesem vermeintlichen leckeren Anknabberschmaus zum Opfer.
  • Kautschukbaum (Hevea brasiliensis) ist der Spender für die Gewinnung von Latex oder Naturkautschuk. Sein indianische Name "caá buchu", weinender Baum, weist auf die Art der Kautschukgewinnung, das Rinde-Anzapfen, hin.
  • Rizinus (Ricinus communis) ist wohl der giftigste Vertreter aus dieser Familie. Der Rizinusbaum ist in den tropischen Gebieten Afrikas und in Indien heimisch. Er wird auch Wunderbaum oder Palma Christ genannt. Aus seinen Samen gewinnt man das Rizinusöl, mit dem Bestandteil Rizin, das im Öl selbst nicht löslich ist. Irrtümlich gegessene Rizinussamen allerdings sind tödlich. Rizinusöl wird auch heute noch als leichtes Abführmittel verwendet, aber auch als Haarwuchsmittel findet es Gebrauch... mehr dazu unter Giftpflanzen in unseren Gärten.
als Gartenpflanze ein Hingucker: Euphorbia

Euphorbia polychroma (Bild: a.sansone)

Sind Euphorbien als Gartenpflanzen geeignet?

Abgesehen von den heimischen Arten, wie Zypressen- oder Sonnwend-Wolfsmilch, die sich in den Gärten einnisten, wenn es ihnen gefällt, gibt es einige Züchtungen, die schön in Gärten passen.
Mehr dazu in diesem Artikel Wolfsmilch, Euphorbia - tolle Pflanzen für den Garten.

Diese Wolfsmilchgewächse eignen sich fürs Haus

  • Die bekannteste Art und viele Sorten/Züchtungen davon ist sicher der Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima).
  • Auch der Christusdorn (Euphorbia millii) steht in vielen Wohnungen auf der Fensterbank und verkümmert häufig genug. Dabei tut gerade ihm eine Frischluftsaison gut.
  • Das Katzenschwänzchen (Acalypha hispida) steht in manchem Wohnzimmer. Und keiner weiß, dass es zu den Wolfsmilchgewächsen gehört, sondern rechnet es im Geist zu den Amaranth-Gewächsen.
  • Der Wunderstrauch/ Kroton (Codiaeum variegatum) ist ebenfalls beliebt, auch wenn er mehr einem Zierblattgewächs ähnelt, als einem Wolfsmilchgewächs. Besonders die punktierten, geäderten, marmorierten oder gefleckten Blätter haben es den meisten angetan.
Euphorbien im Haus

Kroton (Bild: paulbr75 / Pixabay)

Sukkulente Euphorbien

Euphorbia pseudo-cactus (Bild: a.sansone)

Sukkulente Euphorbien

  • Die bekannteste sukkulente Form ist der Christusdorn (Euphorbia milii)
  • Die Kugel-Wolfsmilch (Euphorbia globosa) ist auch eine kakteen-ähnliche Form.
  • Die Dicke Kugel- Wolfsmilch (Euphorbia obesa) kann man in echt nur durch die Milchsaft-Probe vom Seeigel-Kaktus (Astrophytum asterias) unterscheiden.
  • Auch eher ungewöhnlich ist das Medusenhaupt (Euphorbia caput-medusae)
  • die Kaktus-Wolfsmilch (Euphorbia pseudocactus) hat den Kaktus sogar im Namen. ...Was der Natur an paralellen Entwicklungen doch alles eingefallen ist.

Um zu unterscheiden, ob es sich um einen echten Kaktus handelt oder um eine sukkulente Form von Euphorbien, genügt dieser einfache Test. Mit einer Nadel das Gewächs anritzen: Tritt weißer Milchsaft aus, dann handelt es sich ziemlich sicher um eine der vielen Euphorbia-Sukkulenten.

Zu behandeln sind all diese Wolfsmilcharten, außer dem Christusdorn, wie echte Kakteen.

Quellen:

  • Pflanzenfamilien, Bayton, Maughan, Haupt, Bern 2018
  • Botanica, Könemann; Verlagsgesellschaft mbH, 2000 Köln
  • Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen, Genaust; Nikol Verlag, 2012 Hamburg

  • Flora Helvetica, Lauber/Wagner; Haupt Verlag, 2014 Bern

  • Woher wissen Wurzeln, wo unten ist?, Andreas Barlage, Jan Thorbecke Verlag, Suttgart 2019

Adele_Sansone, am 15.09.2019
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/wolfsmilch-euphorbia-eine-vielfaelti... (Wolfsmilch, Euphorbia - tolle Pflanzen für den Garten)

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