Rizinus, Wunderbaum

Ricinus communis, Wunderbaum (Bild: michfiel / Flickr)

Der Rizinusbaum - in Stichworten

Die Rizinus-PflanzeRicinus communis, auch Wunderbaum und Palma Christi genannt, wurde zur Giftpflanze des Jahres 2018 gewählt.

  • Familie: Wolfsmilchgewächse, Euphorbiaceae
  • Gattung:Rizinus, Ricinus
  • Art: Rizinus, Ricinus communis

Schnellwüchsig, bis baumhoch (3-4m), ist dieser Halbstrauch. Auffällig sind bereits der rot überlaufene Stängel und die handförmig gelappten Blätter.

  • Die Blüten (Juli-September) stehen auf Rispen. Oben stehen die weiblichen Blüten. Sie haben auffällige roten Narben. Erst wenn diese bestäubt sind und die Fruchtbildung beginnt, öffnen sich die unterhalb stehenden männlichen Blüten mit gelbweißen Staubblättern. So vermeidet jeder Strauch die Selbstbestäubung.
  • Die Rizinuspflanze ist an die Windbestäubung angepasst.
  • Die Frucht: In kurzer Zeit entwickelt sich eine runde Kapselfrucht mit drei Fächern. Die vorerst weichen Stacheln verlängern und verhärten sich mit zunehmender Reife. 
  • Die Samen: Jeder Samen hat noch ein Anhängsel, ein Elaisom; also alles bereit für die Verbreitung durch Tiere (Zoochorie),

    vornehmlich durch Ameisen. Diese Samen sind hoch giftig.
  • Die Ähnlichkeit der Samen führte zur Namensgebung: lat. Ricinus= "Zecke" (Ähnlichkeit des Samens); daher früher auch Zeckenbaum genannt. gr.rikinos=Wunderbaum; auf das schnelle Wachstum bezogen.

Eingebürgert wurde die Rizinuspflanze vorerst im Mittelmeerraum, in der ganzen Welt wird sie aber heute vielerorts als Zierpflanze eingesetzt.

 

Wichtig: Die sehr hübschen marmorierten Samen werden auch häufig in indischen und afrikanischen Ketten oder Armbändern verarbeitet. Das Lutschen an diesen vermeintlich harmlosen "Perlen", wie es Kinder häufig machen, ist daher ebenfalls gefährlich.

Spaltkapsel Rizinus

Wild shrub: Ricinus communis-L. ~ Crete (Bild: Album "Mijn Eigen Weg...." / Flickr)

Rizinus - Spaltkapsel mit Explosionsmechanismus

Die Frucht der Rizinuspflanze ist eine rundliche Spalt- Kapsel.

Es lösen sich bei Reife die 3 Fruchtfächer an den Scheidewänden voneinander. Schließlich reißen sie entlang der Bauch- und Rückennähte auf (wie eine zu eng gewordene Hosennaht mal nachgibt) und schleudern die bohnenförmigen Samen blitzschnell weg. Zurück bleibt die Mittelsäule.

 

Wie die Rizinuspflanze zur Giftpflanze gewählt wurde

  • Wer wählt sie?

Die Giftpflanze des Jahres wird seit 2005 jedes Jahr vom Botanischen Sondergarten in Hamburg-Wandsbek präsentiert. Sie wird in öffentlicher Abstimmung gewählt.

  • Wozu dient die "Wahl"?

Pflanzen, die zur Giftpflanze des Jahres gewählt wurden, werden für ein Jahr besonders vorgestellt. Sinn der Aktion ist es, sich wieder einmal über die Giftwirkung einiger Pflanzen Gedanken zu machen. Giftpflanzen sollen/müssten bewusster eingesetzt werden. Im Falle von Rizinus kann man besonders auf die wirklich hohe Vergiftunggefahr der Samen nicht oft genug hinweisen! Mit dem Wissen lernt jeder Gartenbesitzer oder Parkbesucher leichter mit den Gefahren umzugehen.

  • Warum wird gerade diese Pflanze ausgewählt?

Auf einer Vorschlagsliste des Botanischen Sondergartens stehen viele Pflanzen mit Giftwirkung zur Auswahl. Aus diesen wird Mitte Dezember des Vorjahres jeweils die Pflanze mit den meisten Stimmen vorgestellt.

Rizinus, Wunderbaum (Bild: a.sansone)

Rizinus im Lauf der Geschichte

Der Rizinusbaum stammt aus Nordafrika und dem Nahen Osten, auch in Indien ist er beheimatet.

  • Älteste Funde stammen aus altägyptischen Gräbern um die 4.000 Jahre vor Christus. Sie verwendeten das Öl der Samen als Brennstoff für Öllampen, aber auch als Grundstoff für Salben.
  • Die erste schriftliche Aufzeichnung bei Griechen und Römern vermerkt die Verwendung als Heilmittel: Abführmittel, Brechmittel, aber auch als Salbe gegen Geschwüre. gr kroton, lat. ricinus=Zecke.
  • Im Mittelalter wurde der er als "arbor mirabilis"=Wunderbaum notiert.
  • Vom 16. bis 18. Jhdt stand neben der Zierpflanze auch wieder die medizinische Bedeutung im Vordergrund, auch diesseits der Alpen.
  • Zur Zeit des Faschismus in Italien wurden als Foltermethode Überdosen von Rizinusöl verabreicht.
  • In Afrika wird er heute noch als Nutzpflanze (Ölgewinnung) angebaut. Der wichtigste Produzent ist heute allerdings Indien mit bis zu 750.000 Tonnen jährlich.

 

 

Wie ist das mit dem Rizinus-Öl? Ist das auch giftig?

Rizinus-Öl wird aus den Samenkörnern der schnellwüchsigen Pflanze gewonnen. Und es ist nicht giftig, vielmehr wurde es schon von alters her zu Heilzwecken verwendet. Als Salbe, Heilmittel, Haarwuchsmittel etc.

Das von den giftigen Eiweißstoffen befreite gewonnene Öl wird vielseitig verwendet: als Arzneimittel, Schmiermittel, Abführmittel, für Kunststoffe, Klebstoffe, als Weichmacher und in der Kosmetikerzeugung (von Lippenstift bis Haarshampoo).

  • Rizinus enthält ein wasserlösliches hochgiftiges Lektin (ein Protein das Ribosomen inaktiviert) namens Rizin. Rizin ist nicht in Öl löslich, daher bleibt es beim Auspressen, der Herstellung vom Rizinusöl im Presskuchen.

Das stickstoffhaltige Rizinus-Schrot (Rückstände aus der Ölgewinnung) findet man in organischen Düngemitteln wieder. Achtung: es ist hautreizend.

Keine Bohnen! Rizinussamen und die hübsche stachelige Kapsel

Kapseln/Früchte des Wunderbaums (Ricinus communis) (Bild: michael.berlin / Flickr)

Ricinus communis : le Ricin (Bild: Ombrosoparacloucycle / Flickr)

Was tun bei Verdacht auf eine Rizin-Vergiftung?

Eine Rizin-Vergiftung zeigt Symptome wie z.B. hohes Fieber, Kreislaufkollaps, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckabfall, Übelkeit und Erbrechen. Letztlich führt eine Vergiftung mit Rizin auch zu einer Zerstörung der roten Blutkörperchen. Die tödliche Dosis liegt bereits bei einem Samen für ein kleines Kind.

Bei Verdacht sofort zum Notarzt

Vergiftungen können sich erst nach Stunden oder Tagen zeigen und sind dann absolut nicht mehr umkehrbar. Eine Pflanze mit der absolut nicht zu spaßen ist.

Aber auch die Blätter, der Stängel, die Samenkapseln enthalten gefährliche Stoffe, (Allergien, Hautreizungen bis zur Vergiftung) wie fast alle Wolfsmilchgewächse.

Um seine Gefährlichkeit zu verdeutlichen:

Dieser hochgiftige Eiweißstoff Rizin zählt zu den Bio- und Chemiewaffen.

Es gibt bisher kein Gegengift. Das sollte einem schon zu denken geben. Vergiftungen können sich erst nach Stunden oder Tagen zeigen und sind dann absolut nicht mehr umkehrbar. Eine Pflanze mit der absolut nicht zu spaßen ist. Unbehandelt tritt der Tod ca. 48 Stunden nach der Vergiftung ein.

Rizinus im eigenen Garten - Ja oder Nein?

Rizinus ist in Deutschland/Österreich/Schweiz als einjährige Pflanze zu halten. 

Beliebt ist sie als Zierpflanze und da am besten entweder im Hintergrund (wegen seiner doch großen Ausmaße) oder als Solitärpflanze. Sie benötigt einen sonnigen Platz mit locker humosem Boden.

Beim ersten Frost stirbt sie ab.

Was muss man bei Rizinus und anderen Giftpflanzen im Garten beachten?

Es ist eigentlich eher simpel. Einige wenige Maßnahmen verhindern Katastrophen. 

  • Pflanzen Sie giftige Blumen/Stauden niemals mitten unter den Salat, sondern in eine Blumenrabatte.
  • Machen Sie die Kinder immer auf bestehende Giftpflanzen und deren Gefahren aufmerksam. Haben Sie trotzdem ein fürsorgliches Auge auf die Kinder.
  • Sind Kinder noch zu klein, um die Hinweise zu verstehen, darf man sie nicht alleine lassen. Auch nicht am Smartphone seine Aufmerksamkeit haben, sondern auf dem im Garten spielenden Kind.

Tipp Diese hübschen runden Stachelkapseln und die harmlos aussehenden "Böhnchen" sind für Kleinkinder absolut nicht abschreckend. Im Falle von Rizinus plädiere ich dafür, keinen Rizinus anpflanzen, solange die Kinder noch nicht reif genug sind, Gefahren wirklich zu erkennen und Verbote auch zu befolgen!

Natur des Jahres 2018

Weitere Artikel und Porträts der Arten, die zur Natur des Jahres 2018 gewählt wurden, finden Sie natürlich auch bei Pagewizz:

Weiterer Lesetipp: Giftküche in unserem Garten

Quellen

... erworbenes eigenes Wissen durch ehrenamtliche Tätigkeit in einem Botanischen Garten und

  • Geheimnisse und Heilkräfte der Pflanzen, Verlag das Beste, Stuttgart 1980
  • Heil-, Gewürz-, Nutz- und Giftpflanzen im Botanischen Garten der Universität Innsbruck, Bortenschlager/Vergörer, Innsbruck 2004
  • Botanica, Könemann Verlagsgesellschaft mbH, Köln 2000
  • Teufelsfeige und Witwenblume; Ch.Merian Verlag
  • Hagebutte & Co, Angelika Lüttig, Juliane Kasten; FAUNA Verlag, 2003 Nottuln
Adele_Sansone, vor 13 Tagen
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Bildquelle:
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